Samstag, 5. August, Tag 1: Stadt, Land, Fluss

Aber vor allem Stadt. Viel Stadt. Große Stadt. Verwirrende Stadt. Nur der Fluss hält mich im Fluss, also des Laufens. Ohne Landwehrkanal und Spree wäre der Weg raus aus Big City Berlin nicht halb so einfach geworden. Und ich fand ihn noch nicht mal einfach.

Einfach war dagegen schon am Freitag spätabends die Anreise: Nach vier Tagen auf dem Wasser (im Canadier und auf selbst gebautem Floß) und einem dreiviertel Tag im Zug von Regensburg in die Hauptstadt, genoss ich zwar den 30 minütigen Spaziergang zum Hostel. Merkte aber gleich dass dieser Tourstart eine andere Symbolik, auch eine andere Schwere trägt (so freudig der Anlass Hochzeit auch ist): Auf dem Mauerweg laufe ich vorbei am Gedenkstein für das erste Opfer der Mauer, Günter Litfin (24 Jahre alt geworden), unter den Brücken stehen, sitzen und liegen diejenigen unsere Gesellschaft, die viele von uns versuchen aus ihrem Blick zu verdrängen, während nebenan die laute Dancemusik durch die flackernd bunte Nacht dröhnt, junges pulsierendes Leben neben Armut und tragischer Geschichte – am Bundestagsgebäude schaue ich eine Weile der Licht- und Filmshow zu, die ziemlich beeindruckend die Geschichte vom Reichs- zum Bundestag zeigt.

Berlin lebt echt zu jeder Zeit, lebt die sich an jeder Ecke spürbare Geschichte und gleichzeitig die einem ins Gesicht springende  Gegenwart auch morgens um 7 Uhr: Am Checkpoint Charlie mit seinen Infotafeln von Mauerbau bis Kubakrise vorbei, höre ich aus einigen Gebäuden noch die Tanzgeräusche der Nacht; zwischen neun und zehn sehe ich einige BerlinerInnen mit dem letzten, oder auch dem ersten Bier. Und ich so nebendran versuche unauffällig mit Wanderstock durch die Straßen zu kommen. Mein Tourenplaner schlug bei der Planung meiner Tour mal wieder einen Europafernwanderweg vor…

Mit denen, Leser der letzten Blogbeiträge erinnern sich vielleicht,  habe ich eigentlich keine guten Erfahrungen gemacht. Aber gut, so richtig lernfähig was die Wahl meiner Wanderwege angeht war ich eigentlich auch nie, daher probier ichs erneut: Das erste Mal entdecke ich das Zeichen des E11 nach über 12 km… Dass ich bis dahin ein paar Extrakilometer gemacht habe, ist ja wohl klar – mit einer Wanderkarte ohne Straßennamen lässt sich in der Stadt tatsächlich doch eher schlecht navigieren 😉 Die Strecken an Landwehrkanal und Spree entlang sind daher meine Rettung und ich schaffe es irgendwann bis zur Wulheide. Kannte ich diese bisher nur als genialen Konzert-Veranstaltungsort, so bin ich jetzt überrascht von der Ausgestaltung des Parks drumherum und mache im Wald eine fruchtig-bunte Quark-Pause bei einem Stand vor dem Erlebnis- und Familienzentrum.

Irgendwann hier beschließe ich, meinen Plan ab hier direkt nördlich/nordöstlich dem E11 weiter zu folgen,  aufzugeben. Ich entdecke einen Campingplatz ganz am Ende einer Landzunge direkt in einer Bucht. Das sieht so verlockend aus, ich will dahin! Doch die Tour durch die Stadt haben das Tagespensum schon annähernd voll gemacht, die immer schwüler werdenden Temperaturen und der Asphalt fordern Tribut – zum Laufen ist mir der Platz heute zu weit.  Ich bin ja schließlich im Urlaub 🙂

Also nehme ich für vier Haltestellen den Bus, und jetzt sag mal jemand was gegen die Berliner Freundlichkeit: Der junge Busfahrer winkt mich einfach so durch! Jawoll, war das doch wieder mal die richtige Entscheidung 🙂 In wenigen Minuten, wandernd hätte ich sicher eineinhalb Stunden gebraucht, bin ich in Müggelsheim. An der Bushaltestelle frage ich eine Oma nach einer Einkaufsmöglichkeit. Sie bedauert so sehr, dass ich ein Stück zurücklaufen muss, dass sie mir ihre Tüte mit Tomaten und Bananen geben möchte – so süß! Am Ende gehe ich zwar ohne Vitamine, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Ihre Frage zu mir: Wie nennt man das eigentlich, was sie da machen? 😀

Es sind noch mal gut drei Kilometer durch einen französisch anmutenden Kiefernwald bis ich endlich am Campingplatz Große Kampe (nach gleichnamigen Fluss) angelangt bin…dröhnende Musik empfängt mich – es ist Fährmannfest. Mir schwarmt schlimmes, und tatsächlich, der Platzwart sagt: „Oh, sie haben nicht reserviert? Schlecht. In den Ferien ist hier immer alles ausgebucht und wir haben ja nur kaum zehn Stellplätze.“

„Aber Sie haben Glück, dass vorhin einer abgesagt hat.“ Man man man, auf das kann ich mich doch wirklich fast immer verlassen. Und der Platz lohnt den Besuch und den Umweg, den ich in Kauf nehme: Mitten in der Natur liegt der kleine, tatsächlich ehrenamtlich (!) geführte und super saubere Platz, günstig ist er auch, die Wiese auf der Landzunge direkt an der Badestelle gehört uns wenigen Zeltern. So kann eine Tour starten.

Netter Sidekick: Am Strand bauen Kids ein Floß, ähnlich wie ich noch vor nur zwei Tagen 🙂

Nette Begegnung während meines gemütlichen Abendausklangs am Wasser: Die 4-jährige Leila backt mir „Streuselkuchen“ (…), nachdem wir eine halbe Stunde einfach schweigend zusammen jeder für sich die Zeit genossen (und sie jede fünf Minuten näher an mich auf das Wasser starrende Wesen ran rückte), sagt dass „Marie“ ein schöner Name für meine Oma wäre, malt in mein Tagebuch und erzählt, dass ihr Opa der Platzwart ist. Ihre große 10-jährige Schwester Nicki kommt später dazu und ist ganz schön aufgeweckt. Unser Plan auf den Spielplatz (mit Schaukel!) zu gehen, wird leider durch die „unbeliebt strenge“ Oma durchkreuzt.

Die beiden müssen ins Bett, ich starre weiter aufs Wasser. Bis auf die krass lauten Flugzeuge von Berlin Schönefeld hier, war dieser Tag ein wirklich ziemlich guter Start für meinen Hochzeitsmarsch. Mal sehen, wie ich morgen weiter laufe, jetzt wo der Plan so richtig schön bereits nach einem halben Tag über den Haufen geworfen wurde 🙂

Gelaufene Kilometer: ca. 26 km

Motto des Tages: Ich kann mit Kindern – zumindest ihnen heimlich eine Schokowaffel und zwei Chips geben obwohl die Großeltern das verbieten 😉

Samstag, 28. Mai, Tag 19, der letzte Tag: Ein Blumenstrauß von Opa

Es ist immer der schwerste Beitrag, der letzte. Und es war auch ein schwerer Tag, der letzte. Zwischenzeitlich musste ich mich echt fragen, ob ich überhaupt ankomme an meinem Ziel auf dem Hasselberg. Dort ankomme, wo mein Opa vor über 70 Jahren aus dem Krieg heimkehrte, zu Fuß aus Solingen durchgeschlagen, von den Kindern freudig schreiend empfangen: „Der Helmut kehrt z’rück!“ Mir ist diese gewaltige Strecke, die ich völlig unterschätzt habe, unfassbar schwer gefallen am Ende. Wie schwer muss es erst für den damals 17 jährigen Opa gewesen sein, der als Fahnenflüchtiger versuchte, durch eine (Nach-)Kriegslandschaft nach Hause zu finden – ohne Karte, ohne alles? Ich kann es mir nicht vorstellen, auch nicht, als ich nach ewig langen Kilometern über seinem Heimatdorf stehe…

Erst heute, am Sonntag (29. Mai), wo ich daheim in meiner Wohnung in Frankfurt, diesen Bericht verfasse – habe ich vorgestern wirklich noch kleingekauert in meinem trauten Zelt irgendwo im Spessart auf meinem Tablet geschrieben?! -, erste heute zähle ich die Kilometer zusammen, die ich in den letzten 19 Tagen von Solingen zum Hasselberg gelaufen bin. Es überrascht euch vielleicht nicht, und eigentlich sollte es auch mich nicht überraschen. Tut es aber. War ich von um die 380 Kilometer ausgegangen? … Ja klar, ich habe Umwege gemacht, hab mich verlaufen, verirrt und bin wieder auf den richtigen Weg zurück gekommen; habe nicht immer die direkte Route gewählt, sondern vielleicht eine schönere, habe den Streckenverlauf insgesamt angepasst und geändert wie es gerade passte. Aber 456 Kilometer? Das haut mich doch ein wenig um, passt aber zu dem Gefühl, das mich die letzten Tage begleitet hat.

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen letzten Tag beschreibe. Ehrlich gesagt, habe ich mich heute auch schon eine ganze Weile erfolgreich davor gedrückt, und ich ehrlich gesagt, weiß ich es immer noch nicht. Gerne würde ich euch jedes Detail des tatsächlichen Wegs – vom Stellplatz in Rothenbuch bis nach Hasselberg (fast 30 Kilometer am Ende…) – schildern:

Die Höhen und Tiefen meiner emotionalen Achterbahn, die Freude am Laufen, und das Verfluchen des Laufens, das gedankenschweifende Dahingehen, und den Schmerz eines jeden Schrittes, den ich bewusst wahrnahm; jeden verdammten Anstieg, jede nicht enden wollende Geradeausstrecke, jedes Bergabgehen, jede der gewaltigen Buchen und Eichen am Wegesrand, jedes Flüsschen, sogar die abgeholzte Fläche um die A3 herum und das merkwürdige Gefühl, über der Autobahn zu stehen beziehungsweise unter ihr durchzulaufen, die mich sonst mit dem Auto zu meinen Großeltern bringt; die wunderschönen Wiesen mit dem Blick ins weite Land, jeden Sonnenstrahl, der durch das Blätterdach der ursprünglichen Wälder fiel, die Anstrengung, die es mich kostete, auf den Gipfel zu kommen, und die Leichtigkeit, danach weiterzugehen; das Empfinden beim Blick auf die vielen Wegweiser, die anzeigten, wie weit es doch noch ist, immer noch!, die Groll, über mich selbst, dass ich den Weg von Alzenau bis zum Ziel so unterschätzt habe, die schmerzenden Füße, das Frustriertsein über die Tatsache an sich und den ganzen Schweiß, der mir bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit über den ganze Körper rann, dann den Punkt, wo die Verzweiflung in Blödelei umschlug und ich bei einem der letzten 3 Kilometer langen Anstiege anfing laut zu singen, und es danach einfach wieder lief, die Freude an der Schönheit der Landschaft, die Freude an drei Wochen Erlebnis, an drei Wochen Unterwegssein…

Und am Ende das Gefühl, das ich hatte, als ich endlich endlich endlich einen Wegweiser fand, auf dem HASSELBERG stand. Erst 2 Kilometer, bevor ich tatsächlich ankam.

Doch die ausführliche Beschreibung dieses Wandertags, die Erzählung des Wegs, die kann ich euch nicht mehr so geben (am Beitragsende in Bildern). An diesem letzten Tag überwiegen einfach andere Dinge, das Ankommen ist für mich immer etwas sehr spezielles. Und dieses Mal hat es gleich zwei Komponenten: Das Ende der symbolischen Wanderung für meinen Opa, das gleichzeitig das Ende meiner Spendenwanderung bedeutet.

Es war das erste Mal, dass ich eine Wandertour mit dem Sammeln von Spenden verknüft habe. Und ich hatte Zweifel, nicht an dem Projekt oder dem Sinn, sondern wie es aufgenommen wird und wie es Anklang findet. Nun, am Ende angekommen, habt ihr zusammen 825 Euro gespendet. Auch das muss ich erst einmal sacken lassen. Ich freue mich darüber im Herzen so sehr, ich kann gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich für jeden Euro bin, mit dem ihr Hilfe in die beiden nepalesischen Bergdörfer bringt. Vielen vielen Dank! Ich werde die Spendenaktion „Ich wandere, ich blogge, du spendest – für Nepal“ noch bis Montagabend offen lassen. Und dann selbst meinen Teil dazu beitragen.

Ich habe euch von dem Schild erzählt, auf dem ich das este Mal „Hasselberg“ lesen konnte. Bis dahin war ich am Samstag schon 27 Kilometer gelaufen, hatte einen anstrengenden, steilen Anstieg auf den Bayerskopf (523 m Höhe) hinter mir und mehrere lange Anstiege auf Kiesstraßen unter den Wandersohlen. Als ich dieses kleine Holzschild am Anfang von einem schmalen Pfad entdeckte, lachte ich auf: Kurz vorher hatte man mir gesagt, der kleine Schleichpfad von der Kartause in Grünau hoch auf den Hasselberg, den würde es nicht mehr so geben, der würde nicht mehr benutzt werden, der wäre nicht mehr gut zu begehen, wenn überhaupt, und wer weiß, ob ich den so finden würde…

Doch es gab ihn noch, und ich fand ihn, und obwohl ich wusste, dass es noch mal ziemlich steil bergauf gehen sollte, obwohl ich es sah – lachte ich. Es war befreiend. Zu wissen, dass ich jetzt wirklich ankomme. Dass es nicht mehr weit ist, egal wie steil, hauptsache nicht mehr weit! Es war steil, es war anstrengend, ich schwitze ehrlich gesagt wie ein Schwein, doch ich lief diesen letzten gewundenen Pfad (traumhaft schön übrigens durch den Wald und gelegentlich mit Steintreppen gestützt) mit Freude, ohne Schmerz, ohne das gehetzte Gefühl, endlich ankommen zu wollen.

Oben angekommen, aus dem Wald raus, der erste Blick aufs Dorf: Hasselberg. Ziel. Ende. Da war erst einmal nichts. Ich verdrängte den Gedanken, dass ich jetzt wirklich da bin, angekommen im Heimatdorf meines Opas, nur wenige Kilometer oberhalb des Wohnorts meiner Großeltern. Das erste, was ich machte, war auf einem Spielplatz meinen Rucksack abzusetzen und auf die Schaukel zu gehen, die dort war. Das Schaukeln half mir, den Gedanken an die Ankunft noch ein kleines bisschen in den Hintergrund zu drängen, und die Freude darüber heraufzuholen!

Doch wirklich angekommen fühlte ich mich erst, als mein Opa aus dem Auto meines Vaters stieg, und mir einen Blumenstrauß aus dem eigenen Garten überreichte. In dem Moment war es mir gar nicht so bewusst, wie jetzt, wo ich diesen Satz schreibe, ihn nochmal lese. Mein Opa begrüßt mich in seinem Heimatdorf mit Blumen. Heute, einen Tag später, habe ich Tränen in den Augen bei dem Gedanken daran.

Angekommen

Angekommen

Die Stunden danach – Kuchen von der Oma :-), Besuch der Schwester meines Opas, die in Hasselberg noch im Haus der Eltern wohnt, Abendessen bei den Großeltern, Heimfahrt in die Stadt – kein Gedanke an das, was ich erlebt habe und was ich wieder dazu gelernt habe in den letzten 19 Tagen. Die kommen jetzt, beim Schreiben, und daher wird es Zeit, Abschied zu nehmen und Danke zu sagen:

Ich wander gerne alleine, weil ich dann Menschen treffe und auf eine Art kennenlerne, wie sie mir sonst nicht möglich wären. Weil ich dann die Lanschaft um mich herum anders wahrnehme. Weil ich das Wandern, das Laufen intensiver leben kann. Weil ich dann den Kopf frei kriege, die Gedanken schweifen und wieder sammeln kann. Weil ich dann noch mehr das wahrnehme, was ich erlebe.

Und denoch – die letzten Wochen wären nichts:

Ohne Euch, die ihr mir auf meinem Weg begegnet seid, die ihr mir geholfen habt, einfach so!, und in nur kurzer Zeit so ans Herz gewachsen seid und in ewiger Erinnerung bleibt!

Ohne Euch, die ihr mit mir gelaufen seid, ob einen Tag oder drei, ob mit Übernachtung im Zelt, im Wohnwagen oder ohne; ihr habt meine Wanderung vollständig gemacht!

Ohne Euch, die ihr meine Tour verfolgt habt, dabei mit mir gelitten oder gelacht oder euch mir mir gefreut habt; meine Erlebnisse mit Euch zu teilen, eure Reaktionen zu lesen/hören/spüren, dass macht sie für mich noch intensiver!

Euch allen sei an dieser Stelle gesagt: VIELEN VIELEN DANK aus allertiefstem Herzen!

Eure Hanna

OLYMPUS DIGITAL CAMERAZiel erreicht nach 456 Kilometern und 19 Tagen: Erschöpft, aber erleichtert

 

Der letzte Wandertag, 28. Mai, Rothenbuch – Hasselberg (28,8 km geschätzt) in Bildern:

Nach kurzem Anstieg aus Rothenbuch raus - auf dem Hasenstabweg über eine schöne Wiesenebene

Nach kurzem Anstieg aus Rothenbuch raus – auf dem Hasenstabweg über schöne Wiesenebene

Da freu ich mich noch richtig über Sonne, Wärme und den kommenden Wandertag

Da freu ich mich noch richtig über Sonne, Wärme und den kommenden Wandertag

Über gemütliche Wege durch den sonnendurchfluteten Wald kann ich mich wieder freuen

Über gemütliche Wege durch den Sonnen durchfluteten Wald kann ich mich wieder freuen

Über ein sumpfiges Wiesental zwischen zwei Wäldern und den Fluss führt ein Holzsteg

Über ein sumpfiges Wiesental zwischen zwei Wäldern und den Fluss führt ein Holzsteg

Der Spessart zeigt sich von seiner schönsten Seite

Der Spessart zeigt sich von seiner schönsten Seite

Schön ist er der Spessart, aber auch steil: Nach Kilometer langem Anstieg über einen breiten Schotterweg, ein süßer kleiner Pfad...

Schön, aber auch steil: Nach ewig langem Anstieg auf breitem Schotter- weg, ein süßer kleiner Pfad…

...der mich zwar freut...

…der mich zwar freut…

...aber auch ganz schön fies ist...

…aber auch ganz schön fies ist…

...und ganz schön ins Schwitzen bringt.

…und ganz schön ins Schwitzen bringt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Doch danach geht es wieder gemütlicher weiter

Da bin ich noch im Stadium - wie schön es ist, unterwegs zu sein!

Da bin ich noch im Stadium – wie schön es ist, unterwegs zu sein!

Dann kommt eine ewig lange Strecke so was - mental für mich schwer zu verkraften heute, auch die Füße protestierten langsam

Dann kommt eine ewig lange Strecke so was – mental für mich schwer zu verkraften heute, auch die Füße protestierten langsam

Als ich die A3 passiere, habe ich in etwa die Hälfte geschafft...

Als ich die A3 passiere (führt unter der Brücke im Bild lang), habe ich knapp die Hälfte geschafft…

...bin aber ziemlich erledigt, habe nur doch das zum Essen und 250 ml Wasser.

…bin aber ziemlich erledigt, habe nur doch das zum Essen und 250 ml Wasser.

Kontrast zwischen den gewaltigen Buchen und Eichen im Naturschutzgebiet Rohrberg und...

Kontrast zwischen den gewaltigen Buchen und Eichen im Naturschutzgebiet Rohrberg und…

...dem Zeitalter der Moderne: Der Wanderweg führt kurz danach unter der Autobahnbrücke hindurch

…dem Zeitalter der Moderne: Der Wanderweg führt kurz danach unter der Autobahnbrücke hindurch

Man sieht es vielleicht nicht, aber dieser Weg führt 3 km aufwärts - einer der Momente, wo ich fast verzweifel

Man sieht es vielleicht nicht, aber dieser Weg führt 3 km aufwärts – einer der Momente, wo ich fast verzweifel

Grenzenlose Freude, nach eeeewigem Anstieg endich Scholllbrunn erreicht zu haben

Um kurz darauf in Blödelei zu verfallen und mich grenzenlos zu freuen, als ich danach endlich Schollbrunn erreiche

Zwischen Schollbrunn und diesem Schild lagen noch 3-4 km, doch dann - das erste Mal ist Hasselberg ausgeschildert!

Zwischen Schollbrunn und diesem Schild lagen noch 3-4 km, doch dann: das erste Mal ist Hasselberg ausgeschildert!

Steil, dafür aber der kürzeste Weg!

Steil, dafür aber der kürzeste Weg!

Und schön!

Und schön!

Erster Blick auf Hasselberg (wenn ich auch von einer anderen Seite in das Dorf gelange als mein Opa damals)

Erster Blick auf Hasselberg (wenn ich auch von einer anderen Seite in das Dorf gelange als mein Opa damals)

Angekommen - glücklich!

Angekommen – glücklich!

 

Freitag, 27. Mai, Tag 18: Alles drin, aber noch kein Ende

Wie ihr ja von mir schon kennt, habe ich die Entfernung bis Hasselberg sowas von unterschätzt – und den Spessart auch! Der hat heut alles gegeben,  sowohl Wetter technisch als auch Wege- und Höhenmeter mäßig. Da bin ich doch doppelt so froh, dass der Tag mit einem Stellplatz für umsonst aufgehört und vor allem mit einem Überraschungsbesuch von Ingrid so gut angefangen hat.

So entspannt wie bei der Mittagsrast lief es leider nicht den ganzen Tag für mich

So entspannt wie bei der Mittagsrast lief es leider nicht den ganzen Tag für mich

Meine Gastgeberin und so gute Köchin von gestern Abend war mir ja gestern schon sympathisch, aber heute setze sie noch einen nach: Sie weckte mich mit Kaffee, Brötchen und – Kuchen! Ingrid hat gest abend noch in meinem Blog gelesen und auch ihr war irgendwie meine Kuchenliebe hängen geblieben 🙂 So kam ich heut morgen schon zu einem unerwarteten Frühstück mit toller Gesellschaft – ich glaube, nach Goldbach, da werd ich nochmal essen gehen…

Ingrid ist am liebsten in ihrer Küche,  mir ist sie am liebsten beim Kaffee trinken mit mir :)

Ingrid ist am liebsten in ihrer Küche, mir ist sie am liebsten beim Kaffee trinken mit mir 🙂

Diese so spontane Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft möchte ich kurz als Anlass nehmen, nochmal auf meine Spendensammlung für zwei Projekte in Nepal aufmerksam zu machen, bevor ich weiter vom heutigen Tag mit allen Höhen und Tiefen berichte. Im April letzten Jahres gab es ein ziemlich katastrophales Erdbeben in dem Himalaja-Staat, das die Bergregionen besonders hart getroffen hat und wo Hilfe nur sehr schwer hinkommt. Ein Freund von mir, Günter Hoffmann, betreut privat zwei Projekte, die sich dem Wiederaufbau und Einrichtung von Krankenstationen in zwei Bergdörfern widmet. Da er dort persönliche Kontakte hegt, kommen 100% der Spenden auch genau dort an (mehr Infos: https://www.betterplace.org/de/projects/42904-zwei-krankenstationen-in-nepal-mit-leben-fullen).

Ich bitte nun euch, die ihr lest, wie oft mir völlig fremde Menschen auf meiner Wanderung helfen, aus reiner Nächstenliebe – spendet auch einen kleinen Betrag für die nepalesischen Dorfbewohner, die Hilfe noch viel nötiger haben als ich: https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/28147-ich-wandere-du-spendest-fur-nepal

Da ich am Samstag ankomme und meine Wanderung damit an ihr Ende gelangt, wird dann auch die Spendenaktion zu Ende gehen und von mir am Montag geschlossen. Lasst uns zusammen noch mehr erreichen! Danke!

 

Mein Dank gilt auch Ingrid, die mich so toll umsorgt hat, dass ich nach der Verabschiedung zügig loskomme. Durch Goldbach runter gelaufen, überquer ich nach 2,5 Kilometern die A3 – sonst fahr ich unten immer zu meinen Großeltern,  witzig irgendwie. Kurz danach finde ich auch den Marienweg wieder, dem ich eine Weile folgen will. Mitten im Anstieg Richtung Wald – Regen. Und zwar die fiesen dicken Tropfen, die nerven und nass machen. Da es ultra warm gleichzeitig ist, versuch ichs erst mit der leichten Jacke – im Wald geb ich aber nach und hol die robuste Regenjacke raus. Der 600 Meter lange Anstieg in den Wald bringt mich dankender Weise zu einem Unterstand: In der Rundhütte lade ich den Bericht von gestern samt Bilder hoch (super Internet im Wald im Gegenteil zu Goldbach ;)) und lasse den heftigsten Regen vorüberziehen.

Anstieg im Regen unter schützendem Blätterdach - Gott sei Dank kam kurz darauf ein Unterstand

Anstieg im Regen unter schützendem Blätterdach – Gott sei Dank kam kurz darauf ein Unterstand

 

Eine halbe Stunde später geht es weiter – mit weiteren 800 Metern Anstieg. Aber wir wissen ja: Wenn es von der einen Seite auf den Berg drauf geht, geht es auf der andern auch wieder runter. Also abwärts bis Schmerlenbach, knapp 7 Kilometer hinter mir, der Wegweiser sagt 16 Kilometer bis Rothenbuch, das heutige Ziel in etwa… Sobald der Regen vorbei war, dachte sich die Sonne wohl alles schnellst möglich wieder trocknen zu wollen und gab alles! Unter blauem Himmel lief ich also im Sonnenschein aus dem Ort und hoch auf die Wiesen – tolle Landschaft mit Blick auf all die rundum liegenden Spessartgipfel. Natürlich auch auf den, der noch vor mir lag…

Über dem Spessartweg 1 (Specht) wieder strahlende Sonne nach dem Regenguss

Über dem Spessartweg 1 (Specht) wieder strahlende Sonne nach dem Regenguss

Die nächsten Gipfel im Blick

Die nächsten Gipfel im Blick

Durch eine kleine hübsche Häuseransammlung ging es auf gemütlicher ansteigenden Waldwegen hinauf. In Schmerlenbach war ich ohne Probleme auf den Spessartweg 1 gewechselt, der ebenso wie gestern der Fränkische Marienweg prima ausgeschildert ist. Und ich sage mal zu 2/3 ein ganz wunderbarer Wanderweg ist: Von den gemütlichen breiteren Weg durch den lichten Wald bis hin zu schmalen Pfaden am Waldrand mit Blick auf die Täler und Wiesen. Mittag machte ich an so einem Aussichtspunkt nach etwa 13 Kilometern – und traf tatsächlich auf andere Wanderer! Das war mir bisher quasi nie passiert, ok gestern am Feiertag, aber auch da überwogen die Radler.

Lieblicher Wald

Lieblicher Wald

Wunderschöner Pfad am Waldrand

Wunderschöner Pfad am Waldrand

Dje nette Truppe war auf dem gleichen Weg wie ich und daher traf ich sie noch zweimal an diesem Tage, vor allem der zweite Treffen war genau nach meinem Geschmack: Ich traf sie bei ihrer nächsten Rast wieder und wurde schwupsdiewups zu Frikadelle und einer riesengroßen, aber auch superleckeren Nussschnecke eingeladen. Was ich hier in Bayern die letzen Tage verschlungen habe, meine Herren, soviel habe ich in den zwei Wochen davor nicht gegessen! 😉 Die Kölner (beziehungsweise ein Aschebercher) sind eine lustige Gesellschaft, ich wandere trotzdem kurz vor ihnen alleine los.

 

Es ist der vorletzte Tag, da will ich die Natur um mich rum und die Entspannung beim Wandern nochmal ganz für mich genießen. Grade am Anfang des Tages mache ich das sogar so „extrem“, dass ich gefühlt Energie habe, noch weitere Wochen zu wandern und finde es traurig, schon bakd da zu sein. Es fühlt sich nicht nach ankommen, sondern nach weiterlaufen an – am Anfang des Tages. Als wäre ein Schalter umgelegt worden (etwa bei der 20 Kilometer-Marke), lässt meine Kraft nach, die Füße fangen an, weh zu tun, und ich will endlich in Rothenbuch ankommen. Ja schon, es liegt auch daran, dass nach der Nussecken-Pause direkt ein Anstieg, dann ein laaaanger langezogener Waldweg geradeaus kommt und zur Krönung eine Mischung davon: ein laaaanger langezogener, nicht mal so unsteiler Anstieg über Schotter. Bäh! Am schlimmsten sind die,wie in diesem Fall, wenn du siehst wie lang es da hochgeht und trotzdem kein Ende siehst.

Danach geht es leider auch auf so langweiligen Forstwegen weiter geradeaus, der matschige Boden – den ich in meiner energetischen hochphase in der ersten Hälfte des Tages noch als spielerisch schön betrachtet habe – geht mir auf die Nerven, weil ich bei jedem Einsinken Kraft verliere, die Entspannung des Dahinwanderns durch die Bäume habe ich leider verloren. Mir fällt wieder ein, dass es bei den letzten zwei Wanderungen in dem Stil auch so war: Die zwei bis drei Tage cor dem Ankommen waren immer von Erschöpfungsanzeichen geprägt, wahrscheinlich sowohl physisch als auch mental.

Zum Ende hin nochmal schön geworden

Zum Ende hin nochmal schön geworden

Aber gut, auch die Langweile geht um, zur Abwechslung nochma ein fieser Anstieg – nicht ganz so mörderischer wie vorhin – und dann geht es durch einen schönen Buchenwald und über Wiesen hinab nach Rothenbuch. Das unglaublich schwüle Wetter hat an meinen Wasserrserven gezehrt,in einem Gasthof genehmige ich mir erstmal eine große, kalte Traubenschorle. Gute Wahl, das Lokal, denn der Kellner kann mir sagen, dass es hier ein Wohnmobil-Stellplatz gibt, auf sen auch Zelte dürfen. Der Weg ist leicht erklärt,  einen Kilometer etwas außerhalb des Ortes finde ich die Wiesenplätze, auf denen zwei Mobilheime stehen und ein Zelt. Zu dem gehört ein Motorradfahrer, der mir auch gleich Auskunft gibt: Die Automaten, an denen man bezahlt, sind kaputt (Montag kommt jemand…), Wasser gibt’s dort,  WC und Dusche keines. Aja, was solls!

Das Zelt ist schnell aufgebaut, die Nachbarn sind nett, der irgendwann wieder einsetzende Regen nur wenig, das Gewitter klingt fern, die Teenies im Clubhaus da nebenan hören hoffentlich bald auf zu feiern (haha, als ob ;-). Die letzte Zeltnacht kann beginnen!

Gelaufen: 25,4 km

Motto: Auf Regen folgt immer Sonnenschein, und dann wieder Regen 😉

 

 

Donnerstag, 26. Mai, Tag 17: Ein Parcours der Glückseligkeit, durch Kässpatzen abgerundet

Wer mit mir wandert, der sollte nicht denken, wir laufen nur so durch die Gegend, nein nein! Da ich ja jeden Tag meiner Tour gaaanz genau ins allerletzte Detail geplant habe (…), so wusste ich natürlich auch heute, was ansteht. Und hab mir da für meine Mitwanderer Lena und Matthias sowie meine Freundin aus dem Sportstudium Claudi und ihren Freund Heiko richtig was einfallen lassen: Von Bahngleisen über Ziegen bis hin zu Mördersteigungen, Wirtschaft und Weitblicken – ein Erlebnisparcours,  für mich ein Parcours der Glückseligkeit.

Claudi und Hanna leben den Glückseligkeits-Parcours aus :)

Claudi und Hanna leben den Glückseligkeits-Parcours aus 🙂

Frisch auf!, ging es am Campingplatz Kahler See – prompt erste Erlebnisstation: Ein Naturlehrpfad als Anschluss den Wanderweg, der uns nach Alzenau bringen sollte. Ich hatte die Neugier meiner Crew geweckt und versprach noch mehr, die Aufregung, ja Spannung gar, war regelrecht zu greifen, die die Vier ergriffen hatte! Die erste Aufgabe meisterten sie bravourös: Das Lesen der Karte funktionierte, wir waren auf dem richtigen Weg in die richtige Richtung.

Die Test-Crew: Werden Sie das Wander-Diplom erhalten?

Die Test-Crew: Werden Sie das Wander-Diplom erhalten?

Doch es war nicht weit zur zweiten Aufgabe: Der Pfad endet etwas undeutlich an den Bahngleisen, dahinter ein Kreisel zu einem Autobahnkreuz. Wie kommen wir darüber? Es wird in der Gruppe beschlossen, den Gleisen vorsichtig ein Stück zu folgen – prompt wird von einem der Teammitglieder das nächste Wanderzeichen entdeckt! Bravo! Es ist zwar ein anderer Weg, führt aber genauso zum Ziel, ohne Extrameter. Ein Stück geht es tatsächlich neben den Gleisen her, dann queren wir diese und die Auffahrt zur Autobahn (kaum befahren). Auf der anderen Seite finden wir wieder Schilder, super!, die ersten Pullis werden ausgezogen,  die Sonne knallt – von der angekündigten Bewölkung, Regenschauer gar, nichts zu sehen 😀

Das erste Ratespiel wird durchgeführt und von allen recht gut geschaukelt: Die Schätzungen lagen zwischen 2 und 3 Kilometern, fast drei waren wir gelaufen. Nun das erste landschaftliche Highlight – ihr merkt, eine Sensation jagte die nächste – der Weg führt sehr idyllisch zwischen Meerhofsee auf der einen, Flüsschen auf der anderen Seite hindurch, mit weitem Blick auf den Bayerischen Spessart, der uns noch erwartet. Auch Alzenau lockt mit Steinbrunnen, Entenstatuen, lustigen Denkmälern, Altstadt und natürlich der Burg; bei mir kriegt man echt was geboten…

Dem Spessart entgegen, noch sind die Probanden entspannt

Dem Spessart entgegen, noch sind die Probanden entspannt

Was die Teilnehmer noch nicht wussten, dass der schwerste Teil der Prüfung noch bevor stand. Aber bis dahin wurden sie erstmal von unglaublich goldichen Zieglein und verfressenen Rehen abgelenkt. Die leichte Steigung in den Wald rein wurde daher noch nicht allzu sehr wahrgenommen. Der Weg war aber auch wirklich wunderschön gemütlich und leicht nach oben zu laufen, die Sonne blitzte durch den lichten Blätterwald – so hätte es für die Wandercrew wahrscheinlich weiter gehen können bis zum Gipfel des Hahnenkamm auf 436 Meter.

Mit Niedlichkeit davon abgelenkt, dass es jetzt bald bergauf geht...

Mit Niedlichkeit davon abgelenkt, dass es jetzt bald bergauf geht…

Doch, Abwechslung muss sein, und Anstrengung auch: Der Weg, den ich für die Freiwilligen rausgesucht hatte, verließ nach ein paar Schritten im Wald den Serpentinenschlenderweg, denn – es geht ja auch in kürzer. Und steiler. Nämlich mitten durch, zack den Gipfel hoch, 1,2 Kilometer auf einem mal mehr, mal weniger steilen Pfad! Megaschöner Weg durch superschöne Waldlandschaft, so wie ich es liebe. Meine vier Freunde haben sich vielleicht zwischendurch gefragt, warum zum Teufel sie sich so was an einem Feiertag antun, doch oben angekommen waren sie doch alle glücklich und haben sich ebenso gut gefühlt wie ich – wenn auch durchgeschwitzt und stinkig 😉

Nur ein Teilstück des z.T. viel steileren Aufstiegs

Nur ein Teilstück des z.T. viel steileren Aufstiegs

Aber alles ganz wunderschön durch den Wald :-D

Aber alles ganz wunderschön durch den Wald 😀

Schwierigste Prüfung bestanden (mit Sternchen, weil kein Gemecker, kein Gejammer!), verdiente Mittagsrast in der Wirtschaft aufm Hahnenkamm nach 10,5 Kilometern. Danach müsste es ja theoretisch auch nur noch bergab gehen, wurde leise miteinander getuschelt, ich nahm es vorweg: Erstmal ja, aber der Spessart, der na ja, der ist doch noch nicht fertig mit uns.

Aber vom Gipfel geht’s natürlich erstmal runter, wir folgen ab hier dem Fränkischen Marienweg, der fast schon überperfekt gekennzeichnet ist. Trotzdem werden die Wanderzöglinge immer wieder zum Spähen animiert, die Energie nach dem Mittagstief kommt langsam zurück, und das nächste landschaftliche Highlight kann genossen werden: Ausblicke über den Spessartwald und seine Wiesen! Auch das nächste tierische Erlebnis wird wohlwollend aufgenommen und das weiße Pferdchen bekommt ein paar Streicheleinheiten.

Zwischen den Waldstrecken eröffnen sich solche Ausblicke be

Zwischen den Waldstrecken eröffnen sich solche Ausblicke bei Traumwetter

Leicht hoch, leicht runter geht es durch und schließlich aus dem Wald hinaus – Zeit für anderes Landschaftsbild. Ein Feldweg führt an Obstwiesen vorbei, leider auch an einer Straße, der wir eine Zeit lang folgen. Dann biegen wir nochmal auf einen schmalen Pfad ab: Nächste Aufgabe ist es, nebeneinander herzulaufen und sich zu unterhalten, und doch immer schnell genug Platz zu machen fur die Biker, die aus allen Richtungen kommen. Auch den Schwierigkeitsparcours meistern die Vier mit Bravour, keiner ist verletzt oder beleidigt worden: Harmonie an allen Ecken und Enden 🙂

Doch nun müssen sie zeigen, dass sie auch mental stark sind: Werden die tapferen Wanderer verkraften, dass es im Ort Johannesberg kein Kaffee und Kuchen gibt? Und das mit dem Wissen, dass wir noch einige Kilometer vor uns haben? Am Ende des Orts wird leicht gezögert, doch es geht bergab – die Crew ist wieder motiviert und voll dabei! Steil und über Wurzeln und Blätterberge verläuft der Pfad, die Konzentration wird aufrecht erhalten, die vier schlagen sich wacker. Auch als am nächsten Wanderschild klar ist, dass wir noch 4 Kilometer haben – jeder spürt doch in den Füßen, den Beinen und dem Nacken, dass wir Kilometer 20 schon genackt haben, dazu brutzelt die Nachmittagssonne.

Perfekte Beschilderung auf dem Fränkischen Marienweg

Perfekte Beschilderung auf dem Fränkischen Marienweg

Doch kein großes Gejammer, ok, die Gespräche werden etwas weniger, doch schon nach der nächsten Dorf wartet meine nächste Sensation auf unsere vier Helden – wenn auch keine beliebte: Eine Steigung geht noch! Um sie zu versüßen, stimme ich ein paar bekannte Lieder an, hier sammeln die Frauen Bonuspunkte für Textsicherheit und Gesang. Hut ab, bei dem Aufstieg muss man erst mal noch singen können! Lang ist er allerdings nicht und schon laufen wir dem Ziel entgegen und hinab bis zum Waldschwimmbad Goldbach. Nach einem wohlverdienten Eis gratulier ich meinen Mitstreitern zum gelungenen Wanderdiplom: Sie haben einer der schwersten Etappen meiner Wanderung sauber mitgemacht!

Die Höhenmeter des Spessarts waren wirklich nicht ohne, aber ich sehe glückliche (und geschaffte) Gesichter wegfahren – ein wirklich wunderschöner Tag mit ganz wunderbaren Menschen in ziemlich wunderbarer Kulisse.

Und das Wunderbare sollte noch nicht enden: Die Dame an der Schwimmbadkasse hatte mir empfohlen, zu den Sportplätzen/Gaststätten oberhalb zu gehen und einfach wegen einer Wiese für mein Zelt zu fragen. Gesagt, getan – am Sportplatz und Vereinskneipe war niemand, aber oben drüber an der Gaststätte zur Kegelbahn. Mh, dachte ich erst, wo sollen die da jetzt ne Wiese für mich haben? Doch ich geh halt mal rein und frage die Dame hinter den Tresen. Schwups hatte ich ein schönes Fleckchen für mein Zelt 🙂

Das war flucks aufgebaut, da kam auch Ingrid schon raus und erzählte mir von den Duschen im Keller – hier werden nämlich auch Bundesliga-Kegelturniere ausgetragen. Super! Ich freue mich wie Bolle über das Angebot, nach den verschwitzten 25 Kilometern duschen zu können. Als ich durch die Wirtschaft wieder raus will, verabschiedet Ingrid grade die letzten Gäste und fragt, ob ich was Essen mag. Ich wehre ab und sage, ich hätte noch genügend dabei… Sie: „Das kannste ruhig annehmen, was magste trinken, hier die Speisekarte, ich mach das gern, und dann quatschen wir ne Weile, ich bin eh noch eine Stunde hier.“ Was soll ich da noch sagen?!

Beim Essen kommt der Appetit und ich merke, wie sehr ich mich über die warmen, arschleckeren Kässpätzle freu (ja, heute mittag gab es durchaus schon Schnitzel…). Und ess den Teller ratzeputze leer, morgen solls ja wieder so schön werden! Bei Espresso und Küchenaufwasch erfahre ich viel über das schon seit 22 Jahre lang von Ingrid und ihrem Mann geführten Lokal und das Leben drumherum. Wir verabschieden uns herzlich und ich krieche in mein Zelt.

So unglaublich dankbar, wieder einem so sympathischen, gastfreundlichen und unterhaltsamen Menschen begegnet zu sein. Der einfach hilft und macht und tut, nur weil ich vorbeikomme und nach einem Stück Wiese frage. Statt Wiese gab es noch Dusche, Essen, Espresso und eine spannende, anregende Unterhaltung. Dieses Abendprogramm rundet meinen Parcours der Glückseligkeit vollends ab.

Gelaufen: 25,9 km

Motto: Wo ein Freund ist, ist auch ein Weg

 

 

Mittwoch, 25. Mai, Tag 16: Ein Tag, der einfach rund läuft

Und an dem ich mich dann doch noch fast, aber wirklich ganz fast nur, verlaufen hätte. Doch am Ende klappte einfach alles wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte: ein kurzer Tag, an dem ich beim Wandern einfach nur den Kopf abschalten und gemütlich vor mich hinlaufen konnte.

Klar, die 1,3 km lange Straße vom Campingplatz aus – kannte ich ja von gestern – musste wieder zurück gelaufen werden, aber dann fand ich auf Anhieb zurück auf den Limes-Wanderweg(diesmal ohne strategisch unklug gewählte Straßen in Erlensee) und erfreute mich zwei bis drei Kilometer an dem Naturschutzgebiet „Erlensee bei Erlensee“- verträumte Auenwälder mit vielen zeitweise überschwemmten Becken und Altarmen der Kinzig, so mag ich wandern gern!

Die Auenwälder bei Erlensee sind mindestens einmal im Jahr überschwemmt

Die Auenwälder bei Erlensee sind mindestens einmal im Jahr überschwemmt

 

 

 

 

 

 

 

Ja na gut, danach musste erstmal das Autobahnkreuz Hanau überwunden werden und der weitere Limes war wieder sowohl Wander- als auch Radweg; das bedeutet also asphaltierter Boden, aber bei nur 5,3 Kilometern erreichte ich schon den Naturpark Spessart und lief gemütlich dem Wegezeichen Turm hinterher, Asphalt störte mich heut nicht. Zum Kopf frei bekommen gibt es nichts entspannenderes als ohne Karte laufen zu müssen. Eine Überraschung gab es dann doch: Kurz vor Neuwirtshaus radelten mir mein Vater und Horst, ein sehr guter Freund der Familie, eigentlich schon erweiterte Familie wie ich gerne sage, entgegen – sie haben mich auf ihrer Radtour abgepasst und laden mich zum Mittag ein. 🙂

Wandern durch Wald und ohne Karte - Freude!

Wandern durch Wald und ohne Karte – Freude!

 

Im Wohnwagen von Horst werde ich heute Nacht auch übernachten, zusammen mit dessen Tochter Lena, einer meiner besten Freunde, und ihrem Freund Matthias, mittlerweile auch ein richtig guter Freund von mir – die beiden wandern morgen mit durch den Spessart :-). Dafür muss ich nur noch ins etwa sechs Kilometer entfernte Kahl am Main.

Der Weg sieht auf der Karte easy aus, ich laufe gedankenlos und noch halb in der Verabschiedung beziehungsweise gleichzeitig in der Vorbereitung des Marschs (sprich Kilometerzähler an) los, in den Weg, den wir gekommen waren. Denke noch, wer motorsägt denn da was – mein Vater, der in die andere Richtung los ist, holt mich aus den Gedanken: „Nicht da lang, den linken Weg! Nicht der Motorsäge hinterher!“, und lacht. Ich auch, man man man, wenn man einmal nicht aufpasst,  immer diese Motorsägen ;-), ich nehme also den parallel verlaufenden Weg zurück zu einer Kreuzung und bin wieder richtig.

Im Naturpark Spessart unterwegs

Im Naturpark Spessart unterwegs

 

Es ist eine tolle Strecke auf dem Spessartweg X, zum Teil auf schön schmalen Pfaden durch die Bäume, die mich zu den Seen in Kahl bringt. Und super ausgeschildert, nur einmal bemühe ich noch die Karte, dann gelang ich an den Campingplatz, um den herum ich noch komplett rumlaufen muss. Dann steh ich vor dem Haupteingang – und die ach so nette Dame an der Kasse lässt mich nich rein: Ich hätte angemeldet sein müssen,  sonst ist nix mit übernachten. Boah ey, vor allem macht sie fünf Minuten später mit dem Telefondienst Schluss, obwohl sie mir grad gesagt hat, dass ich telefonisch angemeldet werden müsste… Echt mal! Egal, gott sei dank habe ich lauter liebe Menschen um mich – Horst kommt mit dem Auto und nimmt mich mit rein. Hah, liebe Kassenfrau! 😉

Entspannt komme ich also an den Wohnwagen, ein wirklich schönes Fleckchen zu übernachten. Und auf die Karte zu schauen: Es geht gen Ende. Lang ist es nicht mehr, Freitag oder Samstag komm ich in Hasselberg an – es wird schon Zeit, ein bisschen Abschied zu nehmen von der Tour. Aber noch denk ich an die vielen tollen Orte und Menschen, die ich kennen gelernt habe, und freue mich auf zwei Tage im Spessart!

Gelaufen: 16,4 km

Motto: Loslaufen, langwandern, loslassen

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