VerWanderWeg Solingen – Hasselberg

Ein neues Jahr, ein neues Projekt, ein neuer Sinn

Ich höre die Pawlowsche Glocke klingeln, es ist so weit – ich muss mich wieder auf den Weg machen! Diesmal wird es neben den altbekannten Zutaten – die da hoffentlich wieder Spurensuche im doppelten Sinn, ungewöhnliche Zeltplätze und unvorhergesehene Begegnungen sein werden – eine neue für den extra Pfiff geben: Diese Tour soll eine Spendenwanderung werden, mehr dazu am Ende des Eintrags…

Die Opa-Gedächtnistour

Wer letztes Jahr meine Wanderung vom Spessart nach Tschechien vefolgt hat, weiß, dass ich auf den Spuren meiner Oma gewandelt bin (VerWanderWeg Hasloch – Tschirnitz). Mein Onkel Günther hat mich nun im letzten Jahr auf dem 60. Geburtstag meines Vaters daran erinnert, dass mein Opa Helmut auch schon einen „Lauf“ quer durch Deutschland hinter sich hat – natürlich unter ganz anderen, extremen Bedingungen. Daraus entstand die Idee, nun auch einen Teil der Geschichte meines Großvaters abzuwandern, einen Teil der Kriegs- bzw. Nachkriegsgeschichte Deutschlands.

Es ist April 1945: Das formelle Kriegsende, unterzeichnet am 8. Mai 1945, steht kurz bevor, doch „für die meisten Deutschen war der Krieg mit der Besetzung ihres Heimatortes durch die Alliierten ab Herbst 1944 weitgehend beendet (Arnulf Scriba, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, 19. Mai 2015).“ Mein Opa, der im Dezember diesen Jahres 89 werden wird, ist damals 17 und steht vor der gleichen Bedrohung wie die vielen anderen deutschen Soldaten: Sie sind nicht nur in Gefahr, von aliierten Truppen getötet oder gefangen genommen zu werden, sondern auch vor der deutschen Wehrmacht, wenn sie einen (Kampf-)Befehl verweigern; Kapitulation steht unter Todesstrafe noch bis kurz vor offiziellem Kriegsende, „Fahnenflucht“ und „Wehrkraftzersetzung“ kosten tausende deutsche Soldaten das Leben (Zeitungsartikel im Tagesspiegel).

Mein Opa ist in Solingen (Nähe Köln) stationiert, nachdem seine Einheit sich immer weiter den Rhein hoch bewegte, weg von den einmarschierten Alliierten. Doch hier sind sie nun eingekesselt, und der Truppenführer beschließt, die Einheit aufzulösen – der Befehl lautet eigentlich, weiterhin alle Städte vor den Feinden zu verteidigen, doch der Krieg gilt bereits als verloren. Jeder ist nun auf sich allein gestellt: Rette sich wer kann – mein Opa und drei Kameraden ziehen ihre Uniformen aus und laufen am 18. April 1945 los. Ziel ist die Heimat, ohne von der ein oder der anderen Seite gefangen oder getötet zu werden. Zwei der Kameraden biegen kurz danach über den Rhein Richtung Westen ab, mein Opa und ein Kamerad schlagen sich zusammen weiter durch, immer südöstlich, dem Spessart entgegen. Nur tagsüber können sie sich vorsichtig und abseits großer Städte und Straßen voran bewegen; abends herrscht Ausgangssperre, die Gefahr, entdeckt zu werden, ist zu hoch.

Auf ihrem Weg sind sie auf die Hilfe gutgesinnter Menschen angewiesen: Essen, Trinken, ein Schlafplatz – und nicht verraten zu werden. Einmal übernachten die Kameraden bei einem Bauern, der Dorfpfarrer bekommt Wind davon und verpfeift sie an die Wehrmacht. Sie werden rechtzeitig gewarnt und können fliehen – es hätte auch anders ausgehen können. An einem anderen Ort übernachten sie im Ziegenstall der ärmsten Frau des Dorfs, wieder wo anders können sie Lebensmittelmarken ergattern, weil ein Landwirt ihnen sagt, sie könnten angeben, dass sie bei ihm auf dem Hof arbeiten. So fragen die beiden sich durch, überqueren Flüsse durch das Wasser und versuchen unbemerkt über noch nicht gesprengte Brücken zu gelangen.

Nach 18 Tagen ist mein Opa in Hasselberg im Spessart angekommen. Dort ist er geboren und aufgewachsen, dort lebt er auch heute noch im unterhalb gelegenen Hasloch. Sein Kamerad läuft weiter in den Schwarzwald, später erhält er einen Brief, dass auch dieser sicher in seiner Heimat angekommen ist. Nach Erklärung des Kriegsendes im Mai bekommt mein Opa in einem Lager in Ochsenfurth seine Entlassungspapiere. Auch von dort muss er wieder heimlaufen.

Auf den Spuren meines Opas, fast exakt 71 Jahre nach Kriegsende

Das Kriegsende jährt sich jetzt am 8. Mai 2016 zum 71. Mal: Am 10. Mai werde ich von Solingen aus loslaufen und mir meinen eigenen Weg in den Spessart suchen. Ich werde dabei versuchen, sowohl den kürzesten Weg zu wählen wie es mein Opa wohl damals auch versucht hat, als auch einige Anhaltspunkte anzulaufen, an die er sich noch erinnern konnte: Die Durchschreitung des Flusses Sieg, die Überquerung der Lahn an einer noch nicht gesprengten Eisenbahnbrücke (an dieser Stelle vielen an Lahntal-Tourismus und daran angeschlossen allen, die mich auf meine Anfrage diesbezüglich hin mit Informationen über die Lahntal-Brücken 1945 unterstützt haben!) und an einer den letzten Orte vor Hasselberg, nämlich Alzenau.

Damit ist mein Weg ziemlich unkonkret – ich freu mich sehr darüber! 🙂

Solingen - Hasselberg Übersicht

Der ungefähre Weg: Solingen – Hasselberg (zwischen 335 und 390 km)

SPENDENWANDERUNG: Ich wander, ich blogge, du spendest – für Nepal!

Zusätzlich werde ich dieses Mal, bei meiner 3. Wandertour in dieser Form, etwas Neues versuchen, und dafür brauche ich EUCH: Wer hat noch nicht von Spendenmarathons gehört, bei denen für einen guten Zweck gesammelt wurde?! Ich will jetzt eine Spendenwanderung durchführen für ein Projekt in meinem Bekanntenkreis: Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal vor gut einem Jahr, ist die Situation grade in den entlegenen Bergdörfern noch immer katastrophal. Hilfe kommt nur schleppend an, staatliche Unterstützung ist kaum bis gar nicht vorhanden. Die Menschen dort sind auf private Hilfe angewiesen wie die von Günter Hoffmann, den ich über einen befreundenten Handballer kenne. Von dessen Projekten erfuhr ich zum meinem eigenen 30. Geburtstag, da denkt man dann doch auch anders über manche Sachen nach…

Und so entsand in den letzten Monaten seit Januar die Idee, meiner Opa-Gedächtnistour nicht nur einen eigenen Sinn, sondern auch einen übergeordneten zu geben: Spenden zu sammeln für den Aufbau und die Einrichtung von jeweils einer Krankenstationen in zwei nepalesischen Bergdörfern – hier erfahrt ihr mehr darüber: Zwei Krankenstationen in Nepal mit Leben füllen!

Ich werde circa drei Wochen unterwegs sein, je nachdem welchen VerWanderWeg ich so finde ;-), und Euch bis dahin täglich (sofern Internet besteht und die Situation es zulässt) hier von meiner Wanderung, den Erlebnissen und den Menschen berichten – und hoffe euch damit so zu unterhalten, dass ihr Günters Projekt, meine Aktion und die Nepalesen unterstützen wollt: Ob am Ende mit einem Euro, mit zwei oder mit zwanzig – jeder kleine Betrag ist notwendig, und zusammen sind wir viele. 🙂 Hier könnt ihr direkt spenden: Spendenwanderung Solingen – Hasselberg.

Ich danke jedem Einzelnen von Euch jetzt schon für ihre/seine Unterstützung und hoffe mit unterhaltsamen Beiträgen ein bisschen was zurückgeben zu können!

Gelaufene Kilometer: 0 😉

Motto des Tages: „Es sind nicht die breiten Straßen, die über die Gipfel führen…“

 

Was schon geschrieben steht, findet ihr in den aktuellen Beiträgen unter http://www.verwanderwegen.com/posts.

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