VerWanderWeg Hasloch – Tschirnitz

Sonntag, 07. Juni: Ankommen, Annehmen und Abschied sagen

Der letzte Tag, der letzte Lauf, der letzte Beitrag meiner Wanderung in die alte Heimat meiner Oma. Er fällt mir besonders schwer, zu beschreiben. Weil es Ziel und Abschied gleichzeitig ist; bedrückend und beeindruckend zugleich, traurig und doch freudig, beklemmend und doch befreiend. Es ist schwer zu beschreiben, weil es nicht nur das beliebige Ende einer Reise ist, nicht nur ein Ankommen. Was es mehr ist, kann ich noch immer nicht ganz in Worte pressen.

Aber ich werde es versuchen. Weiterlesen

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Samstag, 06. Juni: Zusammen läuft man weniger allein

Puh, was ein Tag! Er war lang und anstrengend und überwältigend schön! So schön und so vielseitig, dass es mir sogar jetzt noch, zwei Tage später, schwer fällt, ihn in angemessene Worte zu quetschen. Ich fange einfach mal an und schaue, was rausflutscht. Weiterlesen

Freitag, 05. Juni: Tschechien hat doch ein Wanderherz für Hanna

Eine durch und durch schöne, zu Beginn sogar traumhaft schöne Etappe, die mir der E3 heute von Loket (in Deutsch übrigens Elbogen) nach Karlsbad bereit hielt. Wer also gerne in Tschechien Urlaub mit Natur, Kultur und Bewegung machen möchte, dem sei Loket – Karlsbad wärmsten empfohlen! Die Städte sind traumhaft, die Landschaft drumherum ist für Wanderer als auch für Radler traumhaft und die Preise lassen sich dazu auch noch traumhaft an.

Ich verlasse den geselligen Campingplatz Weiterlesen

Mittwoch, 03. Juni: Einsame Wälder? Zu früh gefreut

Da war ich gestern wohl ein bisschen voreilig gewesen, als ich eine mögliche Abwesenheit aufgrund tiefen Waldes angekündigt habe. Der Blick auf die Karte zeigt es eigentlich auch, aber dass sich die Strecke raus aus der „Großstadt“ Eger so zieht, darauf war ich mental nicht vorbereitet. Es war ein schwerer Tag, der erst nach einer frühen Mittagspause um kurz nach 11 schöner wurde.

Noch von gestern: Eger (tschechisch Cheb), die alte Burgstadt

Noch von gestern: Eger (tschechisch Cheb), die alte Burgstadt

Marktplatz in der Altstadt von Eger (

Marktplatz in der Altstadt von Eger („Stöckl“ heißt das Gebilde kleiner Fachwerkhäuser)

Ich brach früh auf, weil hohe Temperaturen angekündigt waren, da wollt ich lieber nicht allzu arg reinkommen. Doch die Sonne war schneller als ich: Schon die ersten 3,5 bis 4 Kilometer raus aus der Stadt, begleitete das gelbe Gestirn, von mir normalerweise geliebt, mich Schritt um Schritt, Schweißtropfen um Schweißtropfen. Was danach folgte, war Landstraße über Landstraße über Landstraße. Ich kam mir vor wie auf der Route 66: Die an mir vorbei rauschenden Autos hinterließen Staubwolken, die Sonne knallte auf meine im Licht glitzernden Sonnenbrillengläser, schweren Schrittes stampften meine Wanderstiefel durch den Staub, das einsame Pock Pock des Wanderstabs begleitete den einzigen Deppen, der so dumm war, hier zu laufen statt mit dem Auto zu fahren wie all die andern…

Landstraße um Landstraße um Landstraße

Landstraße um Landstraße um Landstraße

So zogen sich die Meter um Meter hin, erst nach etwa 8 Kilometern und zwei Stunden Schweißverlust, wurde ich von Hitze, Asphalt und Verkehr erlöst – eine Zeit lang lief ich durch den Wald, doch bald schon wieder über asphaltierte Feldwege, die aber sehr viel weniger befahren waren als zuvor. Wenn kein Wind ging, brühte ich in meinem Saft, kam der Wind, war er so stark, dass es mich aufgrund des Rucksacks fast zur Seite blies. Aber besser als Windstille, als Regen eh, da will ich mal nicht meckern. Die letzten zwei Kilometer bis Lipová trug mich nur noch das Hörspiel „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling: Wer mal wieder lauthals lachen will und auf schrägen Humor steht, dem sei das ans Herz gelegt!

Herbeigesehnte Abwechslung mit instabiler

Herbeigesehnte Abwechslung mit instabiler „Brücke“

In Lipová, eine kleine wie ein Vorort wirkende Ortschaft, machts just bei meiner Ankunft eine Wirtschaft auf. Das nehme ich als Zeichen und trinke viele kalte große Getränke und mache lange Pause, bin eh früh dran. Naja, die Mittagszeit naht ja trotzdem und somit gewährt Frau Sonne auch keine Gnade, als ich mich wieder auf Asphalt begebe: An manchen Stellen sind einige nachträglich eingefügte Asphalttropfen übrigens am Schmelzen…

Schweißperlen und das erste Mal mit kurzer Hose

Schweißperlen und das erste Mal mit kurzer Hose

Eigentlich sind es ähnliche Wege wie vor Mittag, aber deutlich noch weniger Autos und es geht immer weiter in die Landschaft aus Wald und Feld. Somit läuft es sich etwas schöner und nach ein paar Kilometern ist mir auch noch ein schönes Waldstück vergönnt. Trotzdem bin ich froh, als ich vor 15 Uhr in Dolní Žandov ankomme und in der zur Glut ausufernden Hitze die Pension des Ortes finde. Morgen werde ich endlich in den Wald kommen und wahrscheinlich irgendwo „im Freien“ zelten müssen oder einen langen Tag machen, mal schauen. Da ich kein Wort Tschechisch kann (obwohl die meisten hier einige Deutsch sprechen können), ist es mir etwas haariger, mich einfach mit Zelt in die Walachei zu stellen beziehungsweise bei jemandem um Erlaubnis zu fragen. Mal sehen wie es morgen angeht.

Worte des Tages: Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber auch gemächlich kommt man ans Ziel.

Geschafft: circa 22 km

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Fenster

Dienstag, 02. Juni: Grenzen ohne Schranken, frei sind die Gedanken…

…Ja, ich singe Europa Kinderland (wir geben uns die Hand, wozu sind Grenzen da…) als ich „über die Grenze“ laufe. Also bei Schirnding einen (Rad-)Weg nehme, der mich nach Tschechien führt.

Einziger Hinweis auf die Grenze (und weise Worte)

Einziger Hinweis auf die Grenze (und weise Worte)

Zuvor habe ich nach einem gemütlichen Frühstück mit den herzlichen Gastgebern (meine Sonnenblumensamen werden langsam alle :-)) die „Röslauschlucht Gsteinigt“ durchquert: Eine ganz tolle Fluss- und Felslandschaft, traumhaft schön! Der Weg danach (ab Kilomerer Vier, Fünf etwa) war ehrlich gesagt nicht besonders spannend, aber es ist auch eher ein Radweg. Und langsam heißt es ja auch Ankommen…

In Tschechien muss ich erst an der Straße (auf dem Fahrradstreifen theoretisch) entlang laufen, nach einer Weile finde ich aber per Zufall einen zum Stausee runter führenden Weg – der sich tatsächlich als Wanderweg herausstellt (nicht auf meiner deutschen Wanderkarte zu finden, aber gut markiert). Er führt zwar ab und an wieder hoch zur Straße, doch Großteils durch den Wald und am See entlang. Das ist zwar länger, aber deutlich schöner.

Ich beschließe, am Campingplatz meiner ursprünglichen Wahl angekommen, doch bis Eger (Cheb) weiterzugehen. Erstens sieht der nich doll aus, zweitens war die Bedienung im Restaurant ein paar Kilometer hinter der Grenze nicht angetan von diesem Platz und drittens habe ich noch keine zwanzig Kilometer voll, es ist keine drei Uhr und nach Eger rein wollte ich heute eh noch – um nochmal nach einer tschechischen Wanderkarte zu schauen (obwohl die Röderers mir schon eine grobe Karte überlassen hatten :-)). Na dann kann ich die Kilometer in die Stadt auch direkt machen, morgen wirds anstrengend, da spar ich mir wenigstens die Stadtkilometer. Zudem bezahl ich in der Unterkunft hier 15€, für Rindergulasch mit Böhmischen Knödeln und zwei kleinen Schwarzbier bezahl ich keine 6€…

Am Ende ist der Weg rein aber schon noch happig lang und anstrengend: Es ist wieder mächtig schwül, ab und an tröpfelt es, sonst kanllt die Sonne oder stürmt es. Eger ist eine schöne alte Stadt mit Burgmauer und vielen Fachwerk ähnlichen Häusern, sehr gemütlich.

Morgen geht es in tiiiiefen Wald, Freitag werd ich in Karlsbad sein. Es kann sehr gut sein, dass ich dort keinen Empfang habe, also – vielleicht bis morgen, vielleicht bis übermorgen, vielleicht bis Freitag 🙂

Worte des Tages: Als Wanderer gehört man nicht an die Straße, nicht in die Stadt…

Geschafft: um die 26 Kilometer

Montag, 01. Juni: Es kommt immer anders als man denkt Oder Das Schöne an der Nichtgeplantheit

Es schien ein ganz normaler Montag, ja noch mehr, gar ein ganz normaler Wandertag zu werden. Also aufstehen, frühstücken, rumtrödeln, packen, laufen laufen laufen, Hitze, Feld, Wasser,  Wald, laufen laufen laufen, Hitze, Wasser, Wald, kalter Wind, zweifelnder Blick gen dunkel zu ziehendem Himmel, Feld, Hitze, laufen laufen laufen, Brotpause, laufen laufen laufen, Dorf, Feld, Wald, kalter Wind, Dorf… Ich denke,  ihr wisst worauf ich hinaus will. Geändert hat sich das schlagartig erst um etwa 15 Uhr in Seußen.

Der Weg bis dahin hat mir richtig Spaß gemacht, auch landschaftlich war es irgendwie schön, so unaufgeregt. Wisst ihr, einfach Ruhe beim Wandern. Keine extremen Steigungen und keine außergewöhnliche Natur, aber eben schön, so vor sich hinplätschernd, und das mein ich im positiven Sinne! Ab Bad Alexandersbad musst ich mir erstmal den Weg zurück zum E3 suchen (so der ursprüngliche Plan) und nahm dafür den Teil eines Rundwegs, der durch ein tolles Waldstück am Fluss entlang führte – ein guter Start auf top gekennzeichnetem Weg. Auch den Übergang von diesem auf einen anderen Wanderweg schaffte ich problemlos – ok fast. Ich bin zwar 150 Meter in die falsche Richtung gelatscht, hab dafür aber einen anderen Wanderweg gefunden, der dorthin führte, wo ich hinwollte, nämlich nach Unter- bzw Oberthölau. Und es war wieder ein wunderschöner, sehr gemütlicher Waldweg am Wasser. Läuft.

In Oberthölau dann traf ich die nächste richtige, folgenschwere Entscheidung, die am Ende des Tages auch die wichtigste sein sollte, obwohl ich in der Zwischenzeit Zweifel daran hatte. An einer Kreuzung (aka Scheideweg des Lebens) wies ein Schild auf den E3 hin, ein anderes auf den Röslauweg. Beide würden am Ende nach Schirnding führen,  wo ich über die Grenze nach Tschechien wollte. Ich hatte mich innerlich schon auf den E3 eingestellt, entschied mich dann doch noch bei der allerletzten Möglichkeit für den mit R gekennzeichneten Weg – weil dort in erreichbarer Distanz ein Campingplatz eingezeichnet war und ich durch zwei, drei Dörfer kommen würde, ich hoffte wieder auf einen Kaffee. Dabei war grade montags total zweifelhaft, ob irgendwas hoffen hätte (es hatte nicht), wenn es dann was geben sollte, und genauso zweifelhaft war meine Absicht, das Zelt aufzustellen, blickte ich doch immer wieder kritisch zu dunkler werdenden Himmel. Nicht zu erwähnen die heiße, drückende Schwüle.

Die Entscheidung sollte sich deswegen als gradezu bahnbrechend erweisen, weil ich nur deshalb nach insgesamt 16-17 Kilometern nach Seussen kam. Wo der E3 nie und nimmer lang geht. Zudem war der Röslauweg so hervorragend ausgeschildert, dass ich manchmal vor Verzückung leicht aufschrie – der Schleichweg durch einen jungen Fichtenwald (an anderer Stelle meiner Wanderung schon ein Problem gewesen, da kein Weg als solcher erkennbar), die Abzweigung mitten im Feld, der doch wieder ungewöhnliche Pfad durch eine wilde, vor Frühling über und übersprießende Blumenwiese. Einfach traumhaft für eine Verwanderin wie mich 🙂

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Wie bereits angedeutet, gab es den Dörfern natürlich keine Einkehrmöglichkeit beziehungsweise hatten die wenigen entweder nur  wochenends oder nach 17 Uhr auf. So erging es mir zunächst auch in Seussen, übrigens wenige Kilometer vor dem angepeilten Campingplatz an einem Speichersee. Kurz frustriert setzte ich mich auf eine Bank. Zehn Meter weiter unten hielt ein Auto, ein Mann stieg aus und lief die Straße unter meiner entlang. Ich weiß nicht genau warum, aber ich sprang auf und rannte diesem „Entschuldigung“ rufend hinterher. Auf die Frage nach einer offenen Wirtschaft oder ähnliches, bekam ich zur Antwort, er wäre selbst fremd, besuche aber Leute hier im Haus und könne mitkommen. An dieser Stelle sei vorweggenommen, dass ich das Haus nur noch einmal verließ,  um meinen an der Bank zurückgelassenen Rucksack zu holen.

Wir „stören“ einen sich in seinem Garten sonnenden Herren, meine Begleitung erklärt zunächst meinen Wunsch. Der Sonnenanbeter (genau das werde ich auch tun, wenn ich in Rente bin) verneint die Frage nach einer Wirtschaft, bietet mir aber soforf einen Kaffee im Garten an… Ach ihr wisst doch, zu einem Kaffee kann ich einfach nicht Nein sagen! Schwups stehen Kaffee und Kekse für mich, den ersten Gast (später kommt noch dessen Freundin dazu, die im Auto gewartet hat) sowie den Gastgeber samt Frau und Tochter (etwas älter als ich und noch stärkere Weltenbummlerin/Backpackerin). Statt der Mittagsruhe hat Herr Röderer also drei fremde Menschen zu sich in Garten gebeten und mit seiner Frau zusammen spontan ein Kaffeekränzchen veranstaltet. 🙂

Es gibt viel zu bereden: Der Herr, den ich auf der Straße angesprochen hatte, erzählt, dass er auf der Suche nach alten Bundeswehrkameraden ist und über diesen Weg nach Seußen gekommen ist (Gernots Vater war Lehrer des Bundeswehrlers, die beiden waren also zusammen in der Schule nicht beim Bund). Ich erzähl von meiner Tour und wohin ich heute noch gehen will (die Familie ist sich einig unsicher, ob es diesen Campingplatz gibt).  Gernot berichtet, dass er ebenfalls am 17. Mai Geburtstag gefeiert hat, auch einen runden, nur natürlich jünger als meine Oma :). Tochter Sabine erzählt von ihren Weltreisen mit Rucksack. Und eh redet plötzlich jeder mit jedem wild durcheinander,  klingt sich da ein, da wieder aus,  und fast unbemerkt hat Gastgeberin Gisela Kaffee gegen Käseplatte, Wasser und guten Frankenwein ausgetauscht.

Zwischendurch hat natürlich der angedrohte Wolkenbruch stattgefunden und Gisela bietet mir direkt an, in einem Zimmer in ihrem total cool ausgebauten, alten Schmiedehaus zu übernachten… Ok, nach der herzlich festlichen Tafel will ich auch gar nicht mehr weg, die Runde ist einfach zu nett! Dankbar nehme ich an und nachdem die alte Schulbekanntschaft gegangen ist, gehen die Röderers mit mir am Speichersee in der Seeklause (saulecker!) essen – einen Campingplatz hätte es dort tatsächlich nicht gegeben, nur Plätze für Dauercamper.

Ich habe einen super Abend mit der Familie und freue mich wieder riesig,  dass es so viele nette Menschen auf der Welf gibt. Neben meiner Glücksgöttin Fortuna möchte ich daher mal DANKE für alle kleinen und alle großen Gesten, Nettigkeiten, Herzlichkeiten und Hilfen sagen, die ich in den letzten zwei Wochen erleben durfte. Danke!

Worte des Tages: Erwarte nichts, aber davon viel.

Geschafft: 16-17 km (ja, meine Etappen werden durchaus kürzer :-))

PS: Entschuldigt, für Bilder ist die Verbindung hier zu schwach.