Montag, 23. Mai, Tag 14: Warum ich mich verwandern muss und wie ich in ein Kloster komme

Man muss es nämlich mal so sehen: Hätte ich immer den kürzesten Weg gewählt, immer gleich die richtige Richtung eingeschlagen und wäre nie von der Wanderroute abgekommen. Dann wäre ich schon am Ziel! Und was würde ich mit meinem Resturlaub machen? Richtig. Daher dachte ich mir auch heute morgen: Puh, eigentlich warste zu schnell, hast gar nich mehr so viel Strecke bis zum Ziel, machste lieber gleich einen Schlenker, um wenigstens ein paar Kilometer laufen zu können 🙂

Denn Timing ist ja alles, und wenigstens das hab ich drauf: Gestern vor dem Regen aufgebaut, die Nacht im trocken gebliebenen Zelt verbracht, heute morgen im Trockenen zusammen gebaut. Und ich kann euch jetzt schon verraten: Auch angekommen bin ich komplett trocken, 10 Minuten später regnete es runter. Jawoll! Gefreut habe ich mich auch, dass die Hofleute doch noch richtig nett waren heut morgen (gestern war das etwas verhalten) und nach kurzem Plausch wurde mir eine 1,5 l Flasche Wasser und gute Wünsche mit auf den Weg gegeben.

Auf dem Pfad kann man schon mal ein paar Meter mehr laufen :)

Auf dem Pfad kann man schon mal ein paar Meter mehr laufen 🙂

Jetzt, da ich ja wusste heute kurzer Tag und so, wählte ich einen kleinen Pfad neben dem Hauptweg, um einen direkteren Weg zurück auf meine Route mit dem grünen X einzuschlagen. Ehrlich, auf der Karte sah das top aus! Woher ich immer diese Sicherheit nehme, obwohl mir 1000x das Gegenteil bewiesen wurde? Ich weiß es nicht, aber so habt ihr wenigstens was zu lachen 😉 Ich fands erstmal nich so lustig, als ich bei 2,4 Kilometern an ein Schild kam, an dem ich schon vorbeigekommen war… Jap, ich bin im Kreis gelaufen – schon wieder! Der Pfad hat irgendwo ne Richtung eingeschlagen, die ich bei der nächsten Abbiegungs-Wahl nicht berücksichtigt hatte.

Und auch das Schild ist durchaus zwei Blicke wert!

Und auch das Schild ist durchaus zwei Blicke wert!

Das war schon ein wenig ätzend so am frühen Morgen. Wo der Pfad eigentlich so schön war, aber gut – am Ende hätte ich sonst kaum sportliche Betätigung gehabt heute, so ja nicht. Ich war trotzdem froh, als ich etwa eineinhalb Kilometer später auf den Weg zurück gefunden hatte – nur um mich viel mehr über genau diesen Weg zu ärgern! Erst führt er auf einem asphaltierten Radweg schnurgerade durchs Feld (gähn), dann über 2 Kilometer entlang einer Autostraße! Bitte was, sowas sollte sich kein Wanderweg schimpfen dürfen. Ok, es kommen nur vier, fünf Autos an mir vorbei, aber langweilig und für die vom (un-)freiwilligen Rundweg genervte Hanna is das mal nix.

 

Gähn 1

Gähn 1

Gähn 2

Gähn 2

Gähn 3

Gähn 3

 

Ich versöhne mich später aber wieder mit dem X-Weg, als er nach einer Waldrandpassage bis zur alten Sternbacher Mariakirche nur noch durch den Wald führt und mir neben ein paar gemütlichen Anstiegen, bei denen ich mich endlich etwas anstrengen muss, auch wunderschöne kleine verwinkelte Pfade schenkt. Mit Überraschungseffekten sogar 🙂 An der Waldkirche hatte ich bei einem Blick auf die Karte schon entschlossen, im nicht mehr fernen Kloster Engelthal nicht nur Rast zu machen, sondern nach einem Zimmer zu fragen, anstatt – wie gestern noch überlegt – etwa 8 km weiterzulaufen.

778 findet die Kirche erstmals Erwähnung

778 findet die Kirche erstmals Erwähnung

Dunkel und geheimnisvoll...

Dunkel und geheimnisvoll…

...und ein paar Überraschungen :)

…und ein paar Überraschungen…

...mit denen ich meinen Spaß habe ;)

…mit denen ich meinen Spaß habe 😉

Das Kloster erreich ich nach knapp 16 Kilometern, nach den vielen Metern im Taunus finde ich das auch mal ganz erholsam. Aber stellt euch jetzt mal vor, ich wäre nicht 2 km umsonst gelaufen heute morgen! Keine 15 Kilometer, das geht nicht, war also doch nicht umsonst 😉

Auch im Kloster habe ich wieder einmal Glück: Die Benediktinerin muss erst nachschauen, ob sie mich ausnahmsweise aufnehmen kann – normalerweise ist das Gästehaus des Klosters nur mit Voranmeldung zu bewohnen, da die Schwestern wegen Essen und Reinigung genau planen müssen. Es ist nun mal etwas ganz anderes als im Hotel! Doch sie nimmt mich auf (mit der Hoffnung, dass bei der morgen anreisenden, als unzuverlässig geltende Gruppe keine ungeplante Person mehr dazu kommt) und rechnet für mich sogar den Pilgerpreis, auch wenn ich wahrheitsgemäß berichte, dass ich nicht auf der hier vorbeiführenden Bonifatiusroute unterwegs bin.

Ich bin dankbar dafür, und dass ich diesen Ort für heute erwählt habe: Es ist ruhig und sauber und trocken. Alles ist modern eingerichtet und die Dusche ist ein Traum nach den letzten Tagen ohne! Vor dem Abendbrot, dass ich mit drei anderen weiblichen Gästen zu mir nehme (unter anderem eine 93 Jahre alte, rüstige Dame!), besuche ich die Vesper/das Abendlob. Der helle Sprechgesang der Schwestern im Wechsel mit den wenigen Besuchern, darunter aber zwei Benedikter mit kräftigen Stimmen, ist wirklich schön und irgendwie bezaubernd – ich merke richtig, wie ich durchatme und mich freue, wieder einen besonderen Ort gefunden zu haben.

Gelaufen: 15,9 Kilometer

Motto: Jeder (Rund-)Weg hat seinen Sinn 😉

Teil des Klosters Engelthal (von außen)

Teil des Klosters Engelthal (von außen)

 

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Ein Kommentar

  1. Gott sei Dank, konntest du dem Regen entkommen. Vielleicht hat das ja etwas mit dem Kloster zu tun. Ich hoffe, es geht trocken weiter – und denke daran, die Kinderwanderwegezeichen sind immer Rundwege –
    dein erfahrener Wanderwegekenner Papa

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