VerWanderWeg Solingen – Hasselberg

Donnerstag, 19. Mai, Tag 10: Diese verflixte Sieben!

Die hat mich heut wieder Nerven, aber vor allem Kraft gekostet, der Wanderweg Nummer 7. Dabei hat der Tag so gut angefangen, bis nach Mittag lief auch alles rund, dann das alte leidige Spiel: Keine Zeichen mehr zu finden, der Weg endet einfach in einer Wiese oder einer dichten Hecke. So wurde aus einem angedachten kurzen ein etwas zu langer Tag.

 

Dieser startet zwar auch im Regen – seit gestern Spätabend hat es durch geregnet – aber ich lies mir mit Kaffee und Frühstück Zeit, das Timing passte: Im Trockenen baute ich ab, packte den Rucksack und lief los. Nach einem Kilometer fand ich zurück auf den 7er, noch waren wir Freunde. Ich war ausgeschlafen und so empfand ich die geraden, eher eintönigen (Schotter-)Wege durch den Wald als guten entspannten Tagesanfang.

Noch dick eingepackt: Kaffee trinkem im Zelt und warten, bis der schlimmste Regen vorbei ist

Noch dick eingepackt: Kaffee trinkem im Zelt und warten, bis der schlimmste Regen vorbei ist

Nach 8 Kilometern erreich ich Mengerskirchen, hier ist zwar das erste Mal schon kein Zeichen, aber die Wanderkarte ist relativ eindeutig und so bin ich nach öfter mal auf die Karte wieder raus. Und hier mag ich den 7er sogar richtig gern! Er führt durch bunte Blumenwiesen, dann auf einer hoch und auf zugewachsenen Pfaden am Wald entlang. Ok, auch hier vermisse ich Zeichen, aber das Laufen mitten durch kniehohe Wiesen macht mir Spaß! Außerdem wird seit etwa 11.30 Uhr die Sonne immer stärker.

Der Weg endet in der Blumenwiese - noch macht's mir richtig Spaß!

Der Weg endet in der Blumenwiese – noch macht’s mir richtig Spaß!

Daher macht mir ein kleines Rumsuchen und Umwegchen nicht, schnell bin ich wieder richtig und laufe durch gelbsprotzende Rapsfelder, wo auch Mittag gemacht wird (oha, das Essen wird knapp!). Danach geht’s ab in den Wald, Zeichen des 7er-Wanderwegs gibt es schon seit Kilometer 10 nicht mehr, erst bei 15 km finde ich wieder eins. Aber da Landschaft und meine Wanderkarte übereinstimmen, läuft das.

Sonne, Rapsfeld, Mittagspause - perfekt!

Sonne, Rapsfeld, Mittagspause – perfekt!

Ätzend wird es erst so ab Kilometer 17. Gut, ich hatte mich gestern eh verschätzt und war von etwa 20 Kilometern nach Weilburg ausgegangen, klar war schon jetzt (wo die Welt noch in Ordnung war): Es würden wohl um die 23 km werden aber das wäre ja auch ok. Nur dass daraus nichts wurde, weil der liebe 7er nach der ersten 5 Kilometer-Pause beschloss, auch bei Kilometer 17, ab einem Fischteich, einfach keine Zeichen mehr zu haben. Und den bisherigen Weg auf einer nicht gemähten Wiese enden zu lassen.

Hier gestaltete sich das Orientieren anhand der Karte schon schwieriger, ich versuchte es mit Himmelsrichtung und einer Straße in der Ferne. Tja, ich kam auch zurück auf einen Weg, der zur Straße führte – aber oberhalb, der Hang zu steil und von dicht stehenden Bäumen und Büschen verdeckt. Also irgendwie drumherum, dann an der Straße lang. Es war richtig warm geworden und ich war ziemlich ko.

Ich schwitze, aber kann noch lächeln: Kurz nach diesem Bild verliere ich den Weg, und die Geduld

Ich schwitze, aber kann noch lächeln: Kurz danach verliere ich den Weg, und die Geduld

Kurz darauf traf ich zwei Nordic Walking-Damen, die für den Jakobsweg trainieren (in ihrer Gruppe wird sogar eine 70jährige Dame mitlaufen, finde ich toll!). Sie nahmen mich ein Stück mit – obwohl hier natürlich wieder deutliche Zeichen waren. War ja klar. Das Rumsuchen, vielleicht auch die Wärme und das wenige Essen, sehr wahrscheinlich aber auch die Belastung der letzten 9 Tage, machten mir die letzten Kilometer richtig zu schaffen. Als ich dann noch merkte, dass der vermeintlich nähere Campingplatz nur ein Jugenzeltplatz (mit Kaltwasser, ohne Sanitärräume und so) ist, und ich noch ein Stück weiter laufen muss. Puh, keine gute Stimmung.

Aber es verlangte mich nach einer Dusche, also nach jeder Bankpause weiter geschleppt und am Spätnachmittag angekommen im Odersbach (westlich von Weilburg). Das erste was ich gemacht habe: Ein Radler getrunken. Abhaken, so sind Tage halt auch, morgen bin ich wieder fit :)Außerdem war es trotz des Endes eigentlich ein richtig schöner Tag, so bis 15 Uhr auf jeden Fall…

Ankommen, Schuhe ausziehen, Radler trinken - der Zeltaufbau muss warten

Ankommen, Schuhe ausziehen, Radler trinken – der Zeltaufbau muss warten

Gelaufen: Etwa 28 Kilometer

Motto: Ankommen, abpumpen, abschalten und abhaken 😉

 

 

Mittwoch, 18. Mai, Tag 9: Eine Wiese für mich allein, und eine Schaukel!

Nein, ich zelte nicht wild, aber auf dem Campingplatz an der Krombachtalsperre bin ich trotzdem ganz für mich. Negativ ausgedrückt könnte man natürlich sagen, ich werde von den gut bezahlenden Dauercampern und WoMo-Stellplatzbesitzern ausgegrenzt, da ich aber eher der positiv geneigte Mensch bin: Ich habe einen exklusiven Zeltplatz mit Seeblick, astreinen Sanitäranlagen und einer Rundschaukel für mich ganz allein 🙂 Für sehr günstig Geld.

Am Ende wartete meine Schaukel mit Seeblick :)

Am Ende wartete meine Schaukel mit Seeblick

Bis ich dahin gelangt habe, musste ich aber erst einmal meine Müdigkeit überwinden. Heute war so ein richtiger „Ich schlapp hier mal so vor mich hin“-Tag. Nach geselligem Frühstück mit Theo und Anni, verabschieden die beiden mich mit Gottes Segen und ich wander wieder für mich allein auf dem E1 gen Süden. Geplant sind heute und morgen kurze Etappen, damit ich Donnerstag erst in Weilburg bin – Freitagmorgen kommt nämlich mein Papa, um mich ein Stück auf den Spuren seines Vaters zu begleiten.

Anni und Theo, meine herzlichen Gastgeber

Anni und Theo, meine herzlichen Gastgeber

Kurzer Tag passt mit gut, denn ich schlappe wirklich gähnend vor mich hin, der doch sehr monotone Weg lässt es auch zu. Ob es Erschöpfung von gestern oder der bisher gelaufenen Woche ist oder vielleicht doch das lieb gemeinte Einmachglas mit Rhabarber von Anni oder doch einfach dieser ewig Wolken behangene, graue Himmel? Wer weiß, aber die ersten 4,5 km bis zum Dreiländereck (Auf wiedersehen NRW, Hallo Rheinland Pfalz und bald auch schon das gude alde Hessenlande) latsche ich so vor mich hin, genauso wie die nächsten 4,5 km bis kurz vor die Fuchskaute. Ab da wird die Landschaft interessanter und die Wege abwechslungsreicher (ich wechsel zwischen dem Rothaar-, dem Westerwaldsteig und dem Wanderweg 7 hin und her). Trotzdem merke ich nich, dass ich bei 10 Kilometer auf die höchste Erhebung des Westerwalds (Fuchskaute 656 m) hinauf bin!

Müde, aber glücklich weil die Sonne rauskommt (Mittag auf dem Fuchskauten)

Müde, aber glücklich weil die Sonne rauskommt (Mittag auf dem Fuchskauten)

Ganz schön windig hier, daher weiter. Man merkt schon, sobald der fast immer wehende Wind mal aufhört, dass die Temperaturen hochklettern, aber die graue Stimmung bleibt noch. Ich sehne mich nach nem Kaffee! Der wird mir „erst“ bei 14 Kilometern in einer Bäckerei gewehrt. Gegen halb zwei raff ich mich zum Weitergehen auf – das Koffein scheint zu wirken, vielleicht aber auch die Wärme, die die nun immer mal wieder durchbrechende Sonne bringt. Wahrscheinlich beides. Zumindest läuft es sich jetzt beschwingt, ich freu mich über Federvieh auf der Straße, über das Herumschwingen meines Wanderstocks und das Wasser, das ich bald erreiche.

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Zu einem der beiden Campingplätze an der Krombachtalsperre will ich heut, dafür muss ich an einer Uferseite drum herum. Ach so ein See, der tut dem Gemüt schon gut. Weniger gut ist, aber irgendwie auch schon fast eine logische Konsequenz, dass ich kurz vor dem Ziel noch ein paar Fitness-Kilometer sammel: Ich laufe an einem kleinen zum Ufer abzweigenden Pfad vorbei, bin mir nämlich sicher, dass es da nicht weiter geht (alles Naturschutzgebiet hier) und ich über die Talsperre muss. Einen halben Kilometer weiter komm ich an die Sperre, da ist aber kein Weg. Eija gut, dann wieder zurück zum Uferpfad – der aber wie gedacht 250 Meter weiter im Wasser endet. Häh? Mir bleibt nichts anderes übrig, als den anderen Weg nun zum dritten Mal zu gehen…

 

Ich muss drüber lachen, bin eh erst bei 17 oder 18 Kilometern, das Wetter ist gut geworden, es ist keine 15 Uhr, da lässt es sich auch noch schön weiter wandern. 🙂 Den Verbindungsweg über die Sperre scheint es nicht (mehr) zu geben, ich muss ein Dreieck laufen, um zum angepeilten Ufer zu gelangen. Kurz krieg ichAngst: Ist der Campingplatz hier nur für Dauercamper und Segelmitgleider und ich muss nun wirklich zu dem andern laufen?? Ne Gott sei Dank nicht, wirkt aber hier so. Die Platz-Dame zeigt mir, wo auch Zelte stehen können: Eine komplett leere Wiese…

 

Ok, das hätte ich auch nich erkennen können 🙂 Super! Das Zelt wird auf einen strategisch günstigen Platz zwischen zwei Bäumchen gesetzt – nicht direkt am Zauntor/der Straße, nicht weit weg von den modernen, sauberen Sanitärräumen, etwas erhöht mit tollem Ausblick über die Krombachtalsperre – und sich davor hingesetzt und erstmal nichts gemacht. Ich lass mir die Sonne ins Gesicht scheinen und freu mich einfach mal, nicht zu laufen, nicht irgendwas aufzubauen, nichts zu schreiben und nichts zu waschen. Herrlich.

My tent is my home :)

My tent is my home 🙂

Ok, gewaschen wird später schon noch, dann aber entdecke ich im hintersten Eck der Wiese eine dieser Schaukeln mit rundem Korbgeflecht, mega! Der Platz zum Schreiben des Blogs und für den heutigen Abend ist gefunden. 🙂 Den werde ich nur verlassen, um endlich mal meinen Gaskocher zu benutzen: Nudeln mit Paprika und Paprikapesto winken! Glücklich sein kann so einfach sein – vor allem wenn man es direkt vor dem einsetzenden Regen ins Zelt schafft.

Gelaufen: 19,7 km

Motto: Wasser + Wiese + Zelt + Schaukel = glückliche Hanna

 

Gaskocher eingeweiht - endlich!

Gaskocher eingeweiht – endlich!

 

Dienstag, 17. Mai, Tag 8: Frisch auf!, sagt Opi

Heute is so ein Tag, an dem eigentlich nich recht viel passiert ist. Und trotzdem würde ich euch am liebsten 100 kleine Dinge berichten! Mach ich natürlich nich. Aber es sind eben die kleinen Dinge (z.B. gefundene Pfade), kleinen Momente (z.B. mein Opa am Telefon) und kleinen Begegnungen, die immer wieder Laune machen. Dachte ich im einen Moment noch, gut, heute Nacht ist Zelten an einer Schutzhütte angesagt, war ich im nächsten Moment auch schon wieder von Zeltträumen weit entfernt und lief hinter Theo her zu einem anderen Übernachtungsquartier…

Vom Charme her ist der Bauwagen von gestern Nacht natürlich nicht zu toppen – ausgeruht trink ich mit Gerhard vom Kuchenschlösschen noch einen Kaffee und erfahr lauter spannende Details von ihm. Das ist eine der kleinen Geschichten,  die hier aber dann doch schon rein gehören: Mit 14 lernte er Konditor, unten in Kirchen, und sah immer zu dem Gebäude (das ein kleines rundes Türmchen hat) des heutigen Kuchenschlösschens hoch und träumte davon, dort irgendwann mal ein eigenes Café zu haben. Mit 14 träumte er davon, heute betreibt er es seit 30 Jahren! Dazwischen hat Gerhard den Konditormeister gemacht, war Küchenchef in einer Art Jugendhaus und hat alleine mit zig Tieren auf einem Hof im Wald gelebt. Bis das Haus zu verkaufen war. Dann drei Jahre lang gehandelt, dann zugeschlagen und dann seinen Traum realisiert. Und das mit so viel Liebe zum Detail! Ich bin immer noch ganz hin und weg wie ihr merkt, deswegen hör ich schnell auf – einfach selbst hinfahren! *grins*

Gerhar, der detailverliebt sowohl Bauwagen als auch Kuchenschlösschen hergerichtet hat

Gerhard, der detailverliebt sowohl Bauwagen als auch Kuchenschlösschen hergerichtet hat

Vom Schlösschen aus muss ich erstmal weiter den Berg hoch, einen Kilometer über Bürgersteige steil hinauf in den Wald und dann weiter auf dem Druidensteig. Auch hier, bis auf eine ebene Wiese (hier hätte ich gestern zelten können, hätte…) und ein Stück hinab, ging es nur bergauf – schöner Frühsport, das gute Essen von gestern erstmal abtrainieren. 🙂 Der Kreuzweg mit Monumenten zum Leidensweg Christi bringt mich schließlich zum Druidenstein, der nördlichste Ausläufer des basaltischen Westerwalds (4,6 km, auf 431 m Höhe).

Frühstückspause vor dem Druidenstein

Frühstückspause vor dem Druidenstein

Nach Brot und Käse und längeren Krauleinheiten für eine Hunde-Omi, mach ich mich weiter, es ist doch recht frisch, um lange Pausen zu machen. Der Druidensteig bzw. Europäische Fernwanderweg E1, dem ich folge und der sich dem bestehenden Wegenetz bedient, ist wirklich sehr schön in dieser Grenzgegend zwischen NRW und Rheinland Pfalz. Und super gekennzeichnet! Wenn ich da an den E3 im letzten Jahr denke, mei, das war was, Kraut und Rüben. Aber hier erreiche ich nach wunderschönen Waldpfaden, die immer wieder auch mal Blicke über die Baumkuppen hinweg erlauben, ohne ein einziges Mal auf die Karte schauen zu müssen nach etwa 12 Kilometern problemlos Herdorf. Da ich unterwegs den zuständigen Wanderwegewart bei der Instandhaltung der Wege treffe, kann ich dem sogar persönlich danken.

Schmale Wege, gut gekennzeichnet, so liebe ich das

Schmale Wege, gut gekennzeichnet, so liebe ich das

Wie so üblich geh ich erstmal Kaffee trinken (never change a running system…), is wirklich auch frisch draußen. Da ich dafür ein bissi vom Weg abweichen musste, muss ich mir den günstigsten Weg zum E1 zurück suchen – ja doch, ich bin ein wenig stolz, dass es diesmal ohne einen einzigen Umweg gelingt. Das wäre hier auch richtig fies gewesen: Es geht heute den ersten richtigen Berg, zumindest bewusst, hinauf! Um auf den 495 m hohen Hohenseelbachskopf zu kommen, geht es also erstmal nur hoch. Die ersten eineinhalb Kilometer laufe ich steil auf dem Bürgersteig aus Herdorf raus – so langsam, dass ich Angst habe, hinten umzufallen! Aber der Brummi im 1. Gang ist auch nicht schneller, tröste ich mich.

Im Wald mach ich auf der ersten Bank erstmal Pause, durchschnaufen, Jacke ausziehen – und Oma anrufen, die ist heute 91 geworden! Bei der Gelegenheit schwatz ich auch noch kurz mit Opa, der wissen will, wo ich ungefähr bin. Ich erzähl, dass ich gestern die Sieg gequert habe, und wo in etwa. Da sagt Opa: „Ich glaube, wir sind damals weiter östlich drüber, ja weiter östlich.“ Herrlich, dass ihm das jetzt einfällt 🙂 Zum Abschied gibt er mir den Wandergruß „Frisch auf!“ mit auf den Weg – finde ich herrlich und nehme die nächsten Höhenmeter in Angriff. Keinen Kilometer weiter finde ich schon mal den Druidensteig, nur um ihn 500 Meter weiter wieder zu verlassen: Der führt wieder bergab, wozu bin ich denn über die Hälfte schon hoch?! Denk ich mir, wähle also einen andren Weg (ohne Zeichen…) – hätte auch wieder schief gehen können.

Hier sieht der doch richtig fein aus, der von mir auserwählte Weg

Hier sieht der doch richtig fein aus, der von mir auserwählte Weg

Hier überlege ich kurz, ob ich nicht doch zurück auf den gekennzeichneten Weg soll

Hier überlege ich kurz, ob ich nicht doch zurück auf den gekennzeichneten Weg soll

Ist es aber nicht 🙂 Ok, es war jetzt kein offizieller super Weg, aber er war kurz und effektiv und schön verwinkelt sag ich mal. Vorbei an der Luftüberwachung Rheinland Pfalz wähle ich einen kleinen Pfad durchs Dickicht. Der ist später zwar nur noch zu erahnen, aber ich seh den befestigen Weg schon 150 Meter vor mir und alles ist in Butter. Das ist dann auch wieder der E1, der mich hoch auf den Berg bringt (ca. 16,5 km gelaufen). Da oben ist es jetzt fei nicht spannend, ich folge dem E1 über den Höhenweg gaaanz entspannt wie der Name schon sagt auf der Höhe entlang.

Entspannt E1 entlang eiern

Entspannt E1 entlang eiern

Nachdem es eine Weile so eben dahin geplätschert ist (und das mein ich positiv), geht es bergab. Und wieder bergauf – es war noch nich die letzte Höhe heute. Aber erst treff ich auf den Förster, der mir eine Schutzhütte hinter dem Ort Lippe empfiehlt. Hört sich so schlecht nicht an, die dicken grauen Wolken scheinen auch nur zu drohen, nicht zu regnen. Blöd ist nur: Die Gaststätte auf dem Hohenseelsbachkopf hatte zu, ich hab nicht mehr viel Wasser.

Ausblick von den Trödelsteinen

Ausblick von den Trödelsteinen (613 m)

Ausblick von den Trödelsteinen

Ausblick von den Trödelsteinen (613 m)

Daher frag ich meine nächste Bekanntschaft, den ich an den Trödelsteinen treffe, ob es in Lippe etwas gebe, wo ich mein Wasser auffüllen könnte. Der Ortskenner sagt, ich soll mich zu seiner Cousine in der Ortsmitte durchfragen, da würde ich bestimmt Wasser kriegen. Und auch ein Bett. Aber, wenn ich wollen würde, könnte ich auch einfach mit nach Burbach zu ihm und seiner Frau kommen, da gebe es Wasser, Essen und auch ein Bett… Das ist dir kurze Variante des Aufeinandertreffens 🙂 Unverhoffte Angebote sollte man nicht in den Wind schlagen, auch wenn sie kleine Umwege beinhalten – also, zack laufe ich meinem Gastgeber Theo den Trödelsteinpfad hinterher. Oder hechte: Meine Güte ist der bald 75 Jährige schnell!

Ich bin beeindruckt, wenn auch ein wenig kaputt (weil dann auch schon bald wieder 30 km gelaufen), aber der Pfad ist wunderbar, richtig schön klein und verwunden. Toll! Einige Kilometer weiter gen Tal sind wir am Haus angekommen. Anni heißt mich auch herzlich Willkommen, wir richten mein Zimmer, essen Brotzeit und reden noch über dies und das, bis es zu spät für jenes wird und wir einander Gute Nacht wünschen…

Wieder zeigt sich, wie hilfsbereit die Menschen sind. Ein kleines Wort reicht.

Vielleicht auch ein kleiner Betrag? Schöne Überleitung zu meiner Spendenaktion „Ich wander, ich blogge, du spendest“ für den Aufbau von zwei Krankenstationen in nepalesischen Bergdörfern, die es beim Erdbeben letztes Jahr schwer getroffen hat – meine Opa und Oma haben sich genau wie meine Tante zu den Unterstützern gesellt, ebenfalls Kerstin und Achim, enge Freunde und treue Fans meines Wanderblogs. Vielen Dank euch allen!

Gelaufen: 28,1 km

Motto des Tages: Wer sich helfen lässt, dem wird geholfen

Deswegen habe ich mal weniger, mal mehr Hilfe nötig - so viele Zeichen!

Deswegen habe ich mal weniger, mal mehr Hilfe nötig – so viele Zeichen!

Pfingstmontag, 16. Mai, Tag 7: Weil kein Kuchen auch keine Lösung ist

Steht auf einem der zig tollen, lustigen, bedeutungsvoll- bis bedeutungslosen Schilder, in einem der schönsten Cafés, die ich je besucht habe! Und das sage ich nicht nur, weil das Kuchenschlößchen meine unerwartete Bleibe für heute Nacht werden sollte. 😀 Stellt euch mal vor, ich würde keinen Kuchen essen! Oder gar keinen Kaffee trinken! Ich wäre nie hier gelandet und das wäre ja wohl sehr sehr seeeeeehr schade gewesen… Also Leute, esst mehr Kuchen! 😀

 

Dabei habe ich mir die zwei (ja genau, zwei, nicht ein!) Stücker Kuchen kaum verdient! Der Weg ab der Herberge in Morsbach war eigentlich recht entspannt. Allerdings war ich morgens schon recht stolz auf mich, als ich wider besseren Wissens (und Aussage von letztem Freitag „Wenn Hanna wieder clever sein will, lässt sie es“…) unten in Morsbach beschließe, mir den kürzesten Weg zurück zum X11 zu suchen, statt einen Teil zurück zu latschen. Ich gebe zu, hätte auch wieder schief gehen können. Is aber nich *freu* Nur einmal quere ich ein kurzes Stück von vielleicht 50 Metern durch den Wald, nicht auf dem Weg, bin damit aber dann da, wo ich rauskommen wollte. Geht doch 🙂

Realiesieren, wo ich bin

Realiesieren, wo ich bin

Die ersten 4 Kilometer also gemeistert (statt 7 oder 8 drumherum und bergauf), jetzt folge ich wieder dem X11, der mich erstmal ne ganze Weile auf den Verbindungsstraßen zwischen den kleinen Ortschaften auf den Hügeln entlang schickt. Nicht atemberaubend, dafür umso unaufgeregter: Nach etwa 8 Kilometern bleib ich plötzlich kurz stehen und sehe mich um: Um mich rum nur Felder, Wiesen und Wälder,  kein Auto, kein Haus, nur dieser Feldweg und ich. Musste ich doch tatsächlich kurz innehalten, um zu realisieren, dass ich grade genau hier bin. Hab ich mich wirklich ein bisschen in Trance gelaufen 🙂

(Ich weiß, jetzt wundert ihr euch nich mehr, warum ich mich in gaaanz wenigen Ausnahmefällen mal verlaufe…)

Noch scheint immer wieder die Sonne durch die Blätter

Noch scheint immer wieder die Sonne durch die Blätter

Wenig später wechselt der Wanderweg auch von Asphalt zu Schotter und Erde, mal auf breiten, mal auf schmalen Pfaden geht es weiter gen Süden, Südosten. Kurz bevor ich zur Jugendherberge Freusburg komme, stehen dann doch noch ein paar langgezogene Steigungen im Weg. Das ist aber auch gut so, da wird mir wenigstens wieder warm,  gegen mittag hat es sich gut zugezogen.

Woarm geworn beim langen Anstiech

Woarm geworn beim langen Anstiech

Dafür is danach richtig schön!

Dafür is danach richtig schön!

Und Mittach schmeckt viel besser :)

Und Mittach schmeckt viel besser 🙂

 

 

 

 

 

Die Jugendherberge liegt tatsächlich auf oder in der Burg, oben auf einem Berg im Wald: Tolles Ambiente, schöner Rundumblick! Ich überlege, zu bleiben. Einerseits weil es nach Regen aussieht und es ohne Sonne recht frisch geworden ist, und andererseits weil ich nicht weiß, wo ich heut sonst übernachten soll. Aber ich bin erst knapp 19 Kilometer unterwegs, es ist 14 Uhr, und dass ich keinen Schlafplatz habe, hat mich an anderen Tagen auch nicht gestört.

Teil der Jugendherberge Freusburg

Teil der Jugendherberge Freusburg

Ausblick von der Burg

Ausblick von der Burg

Aber heute bin ich unsicher, weiß nicht warum, ich zöger und überlege (bin ich im Zeitplan ja nein? Will ich noch 8 Kilometer bis zum Druidenstein laufen, wo ich vielleicht mein Zelt aufstellen kann? Will ich irgendwo alleine zelten, bei kalter Nacht? usw usf) und fühle mich tatsächlich nicht so wohl, als ich schließlich weiterlaufe (der Trotzkopf in mir, der sagt, klar findest du was für dein Zelt!, spricht da glaub ich…).

Die Sieg (überquere ich über die Brücke, nicht durchs Wasser wie Opa '45

Die Sieg (überquere ich über die Brücke, nicht durchs Wasser wie Opa ’45)

Also runter vom Berg, über die Sieg (die mein Opa 1945 durchs Wasser gequert hat, irgendwo wo es flacher war) und durch die Freusburger Mühle Richtung Kirchen. Dort treff ich nacheinander auf zwei ältere Pärchen, deren Begegnungen eine wichtig Rolle spielen: Die ersten Eheleute sind ein altes Wanderpaar (mit gleichen Regenjacken :-)), die mich natürlich sofort ansprechen, wir quatschen über verschiedene Wanderregionen, sie sagen mir den kürzesten Weg in den Ort rein (ich will einen Kaffee trinken…).

Währenddessen läuft das andere Spazierpaar an uns vorbei, ich hole sie kurz darauf ein und sie sprechen mich an, weil sie mich mit den andern beiden, den Wanderern eben, haben reden sehen. Auch ihnen erzähl ich von meinem Plan (Kaffee) beziehungsweise Nicht-Plan (vielleicht wissen sie vor dem Druidenstein einen Ort zu übernachten?). Sie erzählen a) von der Wirtschaft Waldhaus, das auf dem Weg liegt und wo ich vielleicht nach einem Stellplatz fragen könnte,  und b) vom „ganz ganz schönen, urigen Café“ Kuchenschlößchen, für dass ich nur noch den Waldweg da hoch müsste.

Spricht für sich

Spricht für sich

Klingt, als müsste ich da auf jeden Fall hin! Der Bauch (oder Magen) trifft einfach gute Entscheidungen 🙂 Wenig später bin ich da, gehe ins Café und bin vom ersten Moment an verzaubert – so viele schöne,  alte, ungewöhnliche Dinge schmücken den Raum! Gut, ich werde von den meisten Kaffeegästen komisch, oder sagen wir, verwirrt angeschaut: Ich pass grad so rein mit meinem Rucksack, doch der Chef begrüßt mich gleich sympathisch mit „Landstreicher lassen wir hier nicht rein“! Er bringt mir dann meinen ersten Kuchen und fragt dabei, wo ich noch hin will. Ich erzähle von der Idee mit dem Waldhaus, er sagt: Da draußen ist auch ein Bauwagen wenn du willst.“

Ist das nicht traumhaft?! Ich bin verliebt

Ist das nicht traumhaft?! Ich bin verliebt

… Echt jetzt?! Ja, er meint das ernst – dieser von außen schon so schnuggelisch aussehende Bauwagen, liebevoll geschmückt, wird heute Nacht mein Quartier sein. Einfach so, weil die Menschen nett zueinander sind. Ich kanns noch gar nicht fassen, ess ein zweites Stück (der ist einfach zu lecker der Kuchen!), schau mir den Wagen innen an (genauso so schön wie von außen), frage nochmal, ob ich wirklich darin schlafen darf. „Klar, da ist auch ein Radio oder CD-Player, Heizlüfter wenns kalt wird, später kriegste noch die Schlüssel von den Toiletten.“

Von allen Seiten wurde sich hier Gedanken gemacht

Von allen Seiten wurde sich hier Gedanken gemacht

1463423897201Innen eine Hommage an Ziegen (mehr Niveau als ein Bauwagen nur zum Bier trinken laut Wirt :>), von denen auch 2 draußen stehen 🙂

Vor eineinhalb Stunden habe ich noch Bauchweh gehabt, hab mit mir gerungen und hätte fast in der Herberge geschlafen. Und jetzt sitze ich bei Musik von Eric Clapton und B.B. King (mal ein bisschen Niveau statt meiner Musik ;>) in eimem urgemütlichen Bauwagen, nebenan zwitschern die Vögel in der Voliere, während ich mein Glück nicht fassen kann und dies hier schreibe.

Punkt – wollte ich eigentlich den Tag beenden. Doch es klopfte. Der Chef bringt mir ein unglaubliches Menü vorbei (ich habe vorhin gesagt, dass ich Essen dabei habe, ehrlich!)…

Fast schon dekadent ;) Hach, einfach glücklich

Hach, einfach glücklich

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich stammel nur immer wieder Danke, oh Gott, also das hätte doch nicht, danke, danke… Derweil wird noch der passende Rotwein geholt… (Fast) Sprachlos versuch ich ihm zu erklären, warum ich ihm jetzt ein nepalesisches Räucherstäbchen schenke, bringe aber nur „als kleines Dankeschön für alles“ raus. Ich bin echt geplättet. Und habe noch nie so gutes Pfannengemüse in einer Tunke gegessen, ich hab sie fast noch ausgetrunken!

Fazit: Ich bin übersatt, überglücklich, überdankbar und überhaupt total überschwänglich!

Gelaufen: 22,1 km

Motto des Tages: „Zu viel des Guten kann wundervoll sein“ (Schild am Kuchenschlößchen)

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Pfingstsonntag, 15. Mai, Tag 6: „Ähm, welcher Tag ist heute?“

Sag ich zu einem Mann, der mich in Morsbach fragt, seit wann ich unterwegs bin. Er (lächelnd):“ Sonntag. Na dann muss die Entspannung ja schon eingesetzt haben, wenn Sie nicht mehr wissen, welcher Tag heute ist.“ Jap, dem ist wohl so! 🙂 Von den beiden Ü30-(Kilometer)Tagen merke ich nichts mehr, der kurze Lauf gestern hat gewirkt, es kann weitergehen.

Aber erst spät, ich lasse die Regenschauer durch und starte erst um halb elf. Drei Schichten an, die Regenjacke griffbereit, Mütze und Halstuch auch. Doch es wird – ich bin schon ein echtes Glückskind was das Wetter angeht – weit weniger schlimm als befürchtet. Ich habe nur wenige kurze Nieselattacken, gut, den Rucksack lass ich unter der Regenhülle eingepackt, und einen ganz kurzen Hagelanfall. Ansonsten bedeckter Himmel, der aber immer wieder aufreißt – so viel Sonnenschein hat ich nich erwartet,  muss bald schon ne Schicht ausziehen. Der Wind ist halt stark, aber hey, ich bin stärker 😉

Wind und Sonne statt Regen, jawoll!

Wind und Sonne statt Regen, jawoll!

Auf den ersten 1,5 km raus aus dem Ort entdecke ich ein Straßenschild, dass Lina Friedrich stellvertretend für alle in Nürmbrecht gewidmet ist, die unter der Schreckensherrschaft von 1933-1945 Nachbarschaftshilfe geleistet haben. Ich finde es einen schönen Gedanken, dass mein Opa im April 1945 hier vielleicht auch durchgekommen ist und Hilfe erfahren hat.

So deutlich müssen die Zeichen ja gar nich sein, aber schee is scho ;)

So deutlich müssen die Zeichen ja gar nich sein, aber schee is scho 😉

Heute bin ich gut drauf und finde den X11 sofort und verliere ihn auch fast gar nicht auf den 8,7 Kilometern bis Waldbrühl Ortsmitte (auf dem Panoramasteig hätte ich übrigens 24 von Nürmbrecht bis hierher gebraucht…). Dass ich zwischenzeitlich mal auf einem anderen Wanderweg laufe, macht diesmal nichts: Heute klappt die Navigation per Karte und die 150, 250, 550 (was auch immer) Meter mehr, pah, da lach ich doch nur!

Manchmal ist es aber eben auch nur das Suchen nach einem X

Manchmal ist es aber eben auch nur das Suchen nach einem X

Dass der Lenne-Sieg-Weg so viel kürzer ist als der Steig ist natürlich schon auch dem geschuldet, dass er zum Teil auf den Straßen zwischen den Ortschaften verläuft. Es hätte für meinen Geschmack weniger Asphalt sein können (vor allem geht es nicht nur einmal 1,5 bis 2 Kilometer am Stück bergauf bzw. am Stück bergab auf Straße), aber so komme ich schnell voran und zwischendurch gibt es auch auf dem X11 schöne Wald- und Wiesenpassagen.

Die Sonne kam immer wieder raus!

Die Sonne kommt immer wieder raus!

Ab und an verlaufen der X11 und der Bergische Panoramasteig gleich

Ab und an verlaufen der X11 und der Bergische Panoramasteig gleich

So komme ich trocken und tatsächlich ziemlich entspannt in Morsbach an. Da es hier in der näheren Laufumgebung keinen Campingplatz gibt und ich bei dem trotz allem bedrohlich aussehendem Himmel nicht zwingend Wildcampen muss, steuer ich die Jugendherberge hier an (warum liegen die Dinger eigentlich IMMER ganz oben auf einem steilen Berg?!). Wieder habe ich Glück: Eine Familie hat abgesagt, nur deshalb kriege ich noch ein Zimmer in der sonst mit Kindern vollbelegten Herberge.

Damit bleibt mir der Rest des Tages, um online endlich mal Klarschiff zu machen (z.B. meine Spendenseite für Nepal mit tollen Neuigkeiten aus Tsum: https://www.betterplace.org/de/projects/42904-zwei-krankenstationen-in-nepal-mit-leben-fullen/news/136492) und meine stark salzverkrustete Wanderhose zu waschen. Innerlich hoffe ich aber, morgen wieder ein nettes Plätzchen für mein Zelt zu finden 🙂

Gelaufen: 21,7 km

Motto des Tages: „Die grössten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden“ (Nietzsche,  Spruch auf dem Etappenstein in Nümbrecht)

So seh ich übrigens bepackt aus - und mit bestem Wetterschutz ausgerüstet, auch wenn ich den kaum gebraucht hab heute :)

So seh ich übrigens bepackt aus – und mit bestem Wetterschutz ausgerüstet, auch wenn ich den kaum gebraucht hab heute 🙂

 

 

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Samstag, 14. Mai, 5. Tag: Entspannt entspannen

Tatsächlich habe ich es geschafft, es ruhig angehen zu lassen, nicht weiter zu laufen und mich auch nicht zu verwandern. 😉

Nach einem gemütlichen Frühstück im Wohnmobil von meinen Rettern, verabschiede ich die beiden mit vielen Dankesworten Zeder-Räucherstäbchen (sie wollen mir sogar noch die Decke schenken!). Ich winke hinterher als ihr WoMo den Platz verlässt – es geht mir nach der Tortour gestern wirklich gut, vor allem Dank Susanne und Stephan, ich bin noch immer erleichtert…

Flucks wird alles gepackt, knapp einen Kilometer später treffe ich auf die Stelle, an der ich gestern vom Panoramasteig abbiegen bzw auf dem „Hauptweg“ hätte bleiben sollen. Naja, so gehen die Meinungen auseinander 😉 Ich folge dem Steig, der ultra entspannend zwischen den kleinen Ortschten über Felder und Wiesen führt, kleine Waldstücke ab und an und nur ganz wenige, milde Steigungen. Unaufgeregt, so wie ich es gebraucht habe.

Das Wetter hat sich zwar wie überall deutlich abgekühlt, aber es bleibt trocken und die Kapuze hält den Wind ab 😉 Ich erreiche Nürmbrecht, suche noch etwas nach einer Pension und gönne mir dann Ruhe. Na gut, die Wäsche wird noch gemacht, der Blog geschrieben, die nächsten Tage grob geplant, dann die Füße hochgelegt – Ruhe…

Gelaufen: 13,1 km

Motto: Urlauben statt Umherirren 🙂

Freitag, 13. Mai, 4. Tag: Ein Freitag der 13. wie er im Buche steht

Oder auch: Wenn Hanna versucht, clever zu sein, sollte sie es beim nächsten mal lieber lassen. Oder auch: Hannalein, ging allein, in einen großen Wald hinein. Oder auch: Wie hat mein Opa nur in zwölf Tagen den Weg heim geschafft? Oder auch: Alles ist scheiße!, und dann kamen Susanne und Stephan!

 

Ich hätte noch 1000 andere Überschriften für diesen verteufelten Tag,  schlimmere, aber Gott sei Dank komm ich aufgrund leerer Akkus erst heute zum schreiben, und Gott sei Dank traf ich am Ende dieses verfluchten Tages auf Susanne und Stephan, definitiv meine Helden des Tages!

Bis es soweit war, ging ich aber durch eine für meine Verhältnisse relativ große Krise. Wobei die erste Hälfte des Tages noch alles fein war: Ich packe mein Zelt und Klimbim ein und verlasse Scheurenhof früh, um nach nem gemütlichen Weg 5 Kilometer später in Lindlar in einem Café den Tag zu starten und einen Plan zu schmieden, wie ich nach Engelskirchen komme: Auf meiner wunderbaren Karte, auf der zu meinem Glück wirklich nur der eine Weg fehlt, den ich eigentlich laufe (Panoramasteig), sieht es so aus, als wäre ein Wanderweg kürzer als der Steig. Warum also nich?!

Schön entspannt wandern

Schön entspannt wandern

Noch ahnungslos und glücklich

Noch ahnungslos und glücklich

Ich finde den A3 auch tatsächlich ohne große Probleme etwa 3 km später und freu mich wie Bolle, dass ich wenig später die Abzweigung auf den A4 nicht verpasse: Hanna 1, Verwanderweg 0! Wenig später stößt sogar der Panoramasteig wieder dazu – und ich verpasse den A4! Da waren so viele Schilder,  oh man, ok 1 : 1… Aber hey, das ist noch nicht das Schlimme an dem Tag. Ich folge ab da einfach meinem Kompass und der Sonne,  muss so zwar auf breiten Forstwegen Serpentinen hinnehmen,  aber die Sonne lacht durch das Blätterdach und ich laufe recht fröhlich vor mich hin. Nach 7 Kilometern finde ich sogar meinen A4 wieder, freu mich und folge dem keinen Kilometer mehr nach Engelskirchen rein. Ein super niedlicher Ort, umringt von Hügeln und Wald. Tatsächlich bin ich trotz Verlaufen 13 Kilometer gelaufen, auf dem Steig wären es 14,8 gewesen, bäm! 2:1 für Hanna 🙂

Ich kehre ins Café Zinnober ein, hatte mir nach den 30 km gestern ja heute einen entspannten Tag vorgenommen. Typischer Fall von Hätte hätte Fahrradkette. In der Mittagspause wollte ich euch eigentlich den Donnerstag-Bericht mit Fotos hochladen. Jetzt fing der Tag an, den Bach runterzugehen: Dieses Tablet regt mich so dermaßen auf! Unfassbar, fast hätt ichs an die Wand geworfen, Technik,  die nicht funktioniert,  boah ey! Der Akku is richtig im Eimer, die Kombi mit meinem Solarladegerät is auch für die Katz, das war der erste Dämpfer des Tages. Hört sich vielleicht nicht schlimm an, aber so was reizt mich so dermaßen! Wenn das nicht vorgefallen wäre, hätte ich alles danach vielleicht einen Tick besser verkraftet. Vielleicht 😉

So im Nachhinein und einem Tag dazwischen schreibt es sich viel leichter, gestern habe ich zwischenzeitlich gedacht, ich kann euch gar nichts Gutes schreiben. Also, ab hier lief einfach alles schief. Ich hab mich ja schon oft verwandert, aber noch nie VERIRRT. Ich wollte nämlich wieder clever sein und einen kürzeren Weg nach Bielstein (bzw. Wiehltal) nehmen als den Panoramasteig. Auf der Karte sah es so easy aus und so wunderschön mitten durch den Wald und über den Berg! Eigentlich hätte mir die Erfahrung Vormittags eine Warnung sein müssen,  oder das Wissen um die (fast) immer schief gelaufenen Abkürzungen auf Familienwanderungen in meiner Kindheit…

Zunächst find ich zwar den X28 und den A3 wie geplant,  nur um sie 3 km später wieder zu verlieren (nach einem anstrengenden 1,5 km Marsch aufwärts), und kurz darauf wieder zu finden. Soweit so gut. Es geht weiter den Berg hoch bis einfach irgendwann kein Zeichen mehr zu sehen ist, ehrlich. Es  geht nur links oder rechts. Erst laufe ich nach rechts und schaue ob ich weiter vorne wieder ein Zeichen finde. Niente. Ich kehre um und gehe ein Stück zurück, schaue nochmal auf die Bäume kurz vor der Kreuzung. Niente. Ich schaue auf meine Karte, versuche zu schätzen,  an welchem Punkt ich bin, stelle fest: Nichts genaues weiß man nicht, aber die Richtung ist Südost. Logische Konsequenz: Ich biege links ab, rechts waren ja keine Zeichen, geradeaus geht’s nicht, wo ich herkam war auch nix hilfreiches auszumachen.

 

Leider leider leider sind auch auf diesem Weg keine Zeichen zu finden. Hätte ich umdrehen sollen? Vielleicht. Bin ich aber nicht. Jedesmal wenn ich mich zwischen Wegen entscheiden musste, habe ich mich nach Sonne und Kompass entschieden,  also immer gen Süden oder Osten. Alter Schwede. Das ging gar nich, ich kam einfach nicht aus diesem Wald raus! Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr, einem von den sich ständig in die falsche Richtung verlaufenden Forstwegen zu folgen und beschloss, querfeldein in die meiner Meinung nach richtige Richtung zu laufen. Da schimmerte es so grün und hellblau durch die Bäume durch, dass ich die Hoffnung hatte, dass ich auf ein Feld käme,  aus dem Wald raus, um mich von dort aus besser orientieren zu können.

Ja, nee. Hoffnung in aller ehren, die Hoffnung stirbt zu letzt und so, aber einfach Nee. Hinter den großen Bäumen finden sich kleine Bäume, hinter denen wieder große Bäume kommen. Ich schlage mich gefühlt ne halbe Stunde durch zumeist Fichten, kreuz und quer, immer südöstlich sofern die zum Teil zu dicht stehenden Baume es zulassen. 2:2 offiziell, aber innerlich habe ich das Spiel gegen den Verwanderweg schon haushoch verloren. Ich bin jetzt ziemlich aggressiv, fluche laut, zwischendurch texte ich verzweifelt irgendwelche Lieder um („Hannalein ging allein, in den großen Wald hinein, da verirrt, sich das Kind, will hier raus geschwind“, nur eins von vielen…). Als ich einen normalen Weg erspähe und erreiche bin ich tatsächlich so dreist, auszurufen: „Ja man, und warum? Weil ich’s kann!“

Rumirren im Wald

Rumirren im Wald

Es soll aber noch Ewigkeiten dauern, bis ich mich wieder zurecht finde. Der Tag von gestern liegt mir in den Knochen, die Füße wollen nich mehr, ich schwitze wie Hund, der Dreck von der Waldtour brennt auf der Haut, das Wasser wird knapp, die Nerven sind eh schon angefresssen: Eine kaputte Zeltstange (warum ist mir das daheim nich aufgefallen?!), ein kaputtes Campingkissen, ein fast Zeckenbiss, das Schrott-Tablett, alle Akkus sind leer (Handy fast, und ich bin allein verloren im Wald…), und immer wieder – warum mach ich auch so ein Scheiß, statt einfach dem normalen, gut ausgewiesenen Weg zu folgen,  warum bin ich so blöd und so überheblich zu glauben, dass ich mit diesen regionalen Wanderwegen (die bisher so oft schon problematisch waren…) schon irgendwie durchkomme?!

Nun gut. Im Nachhinein alles irgendwie gar nich so schlimm. 😉 Aber ich sag euch, währenddessen,  in dem Moment, da war ich wirklich verzweifelt. Einer nach dem anderen Weg führte langgezogen abwechselnd in die richtige, kurz darauf wieder in die komplett falsche Richtung. Ätzend. Aber genug jetzt, ich schätze nach etwa 8 Kilometern Rumirren über den waldigen Berg lasse ich ein Jubelschrei los, als ich das Wanderschild A7 entdecke! Und aufgrund des Wegesverlaufs, von dem ich kam, einem Fluss und den Pfeilen des A7 mich sogar auf meiner Wanderkarte verorten kann. Zumindest hoffe ich das,denn ich riskiere, einen endlich gefunden Wanderweg wieder auf einen unbekannten Weg zu verlassen – nur um vermeintlich näher dorthin zu gelangen, wo ich hin will…

Gott sei Dank klappt das! Etwa 1,5 Kilometer später treffe ich auf den richtigen Abschnitt des A7 und folge diesem und dem A1 bis Verr, westlich von Brächen, wo ich eigentlich rauskommen wollte. Wie auch immer das ging, ich weiß es nicht,  aber es ist der Moment, wo ich den Kopf schüttel, dann verzweifelt lächel, dann die Achseln zucke und die nächste Frau nach dem besten Weg zum angepeilten Campingplatz noch weiter östlich von Brächen frage. Und nach einem Supermarkt, um mir was zuckriges zu Trinken zu kaufen. Es ist immer noch bullenheiß, ich bin bald wieder 30 Kilometer unterwegs und der Campingplatz ist noch nicht nahe.

Daher lass ich mich von dem älteren Jagdrevierverantwortlichen, der im Wald mit seinem Hund spazieren gewesen ist, auch widerstandslos mit dem Auto zum Netto fahren (Limo und Schokolade!) und noch ein Stück in die richtige Richtung mitnehmen. Leider setzt sich ab Niederhof meine persönliche Leidensgeschichte noch weiter fort: Ich frage so oft nach dem Weg („ach ganz einfach, immer bergab und dann links!“) und weiß trotzdem an jeder Stelle, an der es zwei Wege gibt, nicht, wo lang. War ich kurz wieder fit, bin ich schnell wieder genervt: Für jeden Bewohner scheint die Wegbeschreibumg „ganz einfach“ und der Platz „ganz nah“ zu sein,  tja, für mich nicht.

Aber okay, nachdem mich – schon in Bierstein – eine Frau mit den Worten „nur dem Waldweg noch folgen, immer der Hauptweg, keine Abzweigung, 10 Minuten noch“ nochmal auf einen letzten Umweg geschickt hat, treffe ich auf einen Schäfer, der mich über die Wiese schickt: Durch die Bäume entdecke ich vom Hügel aus unten im Tal den Campingplatz!!! Ich folge kurz dem Weg hinab, der zieht sich aber so weit am Platz vorbei, dass ich irgendwann einfach abgef*$# mitten durch die Bäume,  steil hinab direkt aufs Ziel zu steuer. Ich komm um 18.40 Uhr an, krieg die Wiese gezeigt, auf die ich mich stellen soll, lasse meinen Rucksack auf den Boden fallen, ziehe Schuhe und Socken aus und lege mich, vor Erschöpfung den Tränen nahe, auf den Rücken ins Gras.

Der Tag ist für mich richtig gelaufen, abgehakt unter „Was ein Dreck, Gott sei dank ist dieser Tag vorbei!“, vielleicht später irgendwann, mit ein bisschen Abstand dann unter „Das gehört halt dazu“. Dachte ich zumindest in den Minuten.

Bis Stephan kam und zusammen mit seiner Frau Susanne und ihrem Boxer Chilly den Tag retteten. Ich war grade dabei, das Zelt aufzubauen und mühte mich mit der provisorischen Zeltstangen-Konstruktion ab, als Stephan rüber kam, um seine Hilfe anzubieten. Ich erklärte das Problem, und Stephan kam einfach auf ein Idee, die ich nicht geblickt habe: Mein Problem war, dass ich das Rohrstück, dass ich dabei hatte, nicht an die gebrochene Stelle bekommen hatte. Was ich einfach nicht gesehen habe: Am einen Ende konnte man betreffende Stange rausdrehen. Oh man, da hab ich so mit meiner MacGiverschen Panzertape-Zeltschnur-Hering-Lösung angegeben,  und dann das!

 

Aber egal,  Stephan repariert das, und ich freu mich da drüber. Das macht vieles einfacher. Nicht genug, ich werde Susanne vorgestellt und kurzerhand zur Pizza und Bier eingeladen! Man ey, was für ein Dusel, dass ich diese beiden Menschen nach diesem besch*&$ Tag treffe. Nach der Dusche sitz ich gemütlich mit den Beiden und Hund vor ihrem Wohnmobil, das leckere Alt spült fast allen Kummer fort, die Pizza und das lockere Gespräch tut ihr übriges. Am Ende darf ich noch meine Geräte bei ihnen laden, bekomme eine Wolldecke, die ich als Kopfkissen nutzen kann,  und werde für morgens zu Kaffee und Brötchen geladen. Die Welt sieht auf einmal wieder viel bunter aus! 🙂

 

Susanne,  Stephan und ihre Boxer-Hündin Chilly

Susanne, Stephan und ihre Boxer-Hündin Chilly

Gelaufen: über 33 Kilometer (geschätzt)

Motto des Tages: Wenn Hanna das nächste Mal clever sein will, lässt sie es!

 

 

 

Donnerstag, 12. Mai, Tag 3: Warum ein Steig ein Steig ist und kein Wander-Weg

Puh, ein langer Tag, sowohl zeitlich als auch Kilometer mäßig! Aber mit allem, was zu einem Wandertag dazu gehört: Höhen und Tiefen (vor allem Höhen,  und Höhen,  und Höhen…), gefundenen Wanderwegen beziehungsweise -steigen, tollen Begegnungen,  viel Sonne und gute Laune, und zwischendurch ein bisschen mief. Das gehört nun mal auch dazu,  und am Ende wartet ja doch immer eine Wiese mit Zelt und Sonnenuntergang 🙂

Loszukommen war auch heute nicht einfach: Nach einer ungestörten, Gewitter und Regen freien Nacht packte ich grade mein Zeug zu Ende als Barbaras Vater eintrief. Wir setzten uns auf dem Hof auf ein Bänkchen, erstmal ein Käffchen trinken – daraus wurden eineinhalb Stunden Gespräch. Gut, dass ich Zeit habe, denn auf so Gelegenheiten und interessante Geschichten möchte ich nicht verzichten. Auch wenn es dafür erst um viertel vor zehn los geht, dafür aber immerhin um das Gewicht von zwei nepalesischen Zederstäbchen weniger 😉

Kurz hinter dem Hof finde ich wieder meinen Talsperren-Weg und folge dem für exakt 5 Kilometer: Tadaa, ich habe den Bergischen Panoramasteig erreicht! Den hatte ich angepeilt, um auf ihm ein paar Tage zu bleiben: Er geht ungefähr in meine Richtung und es erleichtert das Vorankommen, weil man nur dem einen Weg folgt statt ständig auf die Karte zu schauen, welchen Weg man am besten nimmt. Es wird zwar nicht ganz der direkteste Weg sein, aber die Abweichungen sind zu verkraften lauftechnisch.

 

Gefunden! Bergischer Panoramasteig

Gefunden! Bergischer Panoramasteig

 

Wenn die Höhenmeter nicht wären. Also, verkraften kann ich die natürlich schon, pipifax im Gegenteil zu den Schwarzwald-Bergen zum beispiel. Aber,  Hut ab Rheinisch-Bergisches Land, deine Hügel können schon auch was!

Ich mache daher nach den ersten eineinhalb Kilometer eine Rast auf einer Bank, netter Ausblick, halbschatten, läuft. Gewaltig schief. Ich komme nach Bechen rein und finde das Zeichen nicht mehr, mh, aber ok, das passiert mal, die andern Zeichen der zwei Wanderwege, die parallel liefen mit meinem, die sind da. Also folge ich denen und keine 100 meter weiter, da, an dem Kreisel, mein Panoramasteig! Jetzt deute an nem Kreisel mal ein Wanderwegezeichen, aber, ich seh das nächste schon, also als der Nase nach. Ich wunder mich noch, warum es gefühlt in die falsche Richtung geht, denke aber, hey, ich folge den richtigen Zeichen, irgendwann wird der schon wieder einen Knick in die richtige Richtung machen. Macht er auch, als ich erneut an der Bank stehe, wo ich vor 20 Minuten Pause gemacht habe. Boah ey, 1,5 km eine runde gelaufen, falschrum! Nur weil an dieser Stelle das Zeichen am Baum mit Pfeilen niht mehr zu erkennen ist, ich ärger mich wirklich,  das ist doofer als Verlaufen. 😦

Da ich aber grundpositiver Mensch bin, und es keine ewig lange Strecke (aber ein fieser Berg!) war, geh ich erneut zum Kreisel (statt von der Bank aus den richtigen, aber längeren Weg zum Kreisel) und laufe von dort aus wieder auf dem Bergischen Panoramasteig, nur eben richtig rum. Der Steig macht seinem Namen weiterhin alle Ehre und führt auf jeden Hügel der Gegen hoch, meist schön durch den Wald, und verbindet die Aufstiege mit Strecken durch Wiesen, nur selten Apshalt, das gefällt 🙂 Auch die Ausschilderung ist nun top, ich erreiche nach elf Kilometern Eichhof, wo ich eine laaange Pause beim REWE-Bäcker mache.

Während ich den Eintrag von gestern schreibe, kommt ein Mann vorbei und fragt ob ich Backpacking mache. Ich verneine, und wir verquastchen uns 20 Minuten lang. Am Ende bietet mir der holländische Rene an, mich später wo auch immer abzuholen, um bei ihm im Garten mein Zelt aufstellen zu können. Der einzige Campingplatz ist nämlich noch immer 20 Kilometer entfernt und ich erzähle, dass ich noch nicht weiß, ob ich es bis dahin packe (über 30 Kilometer am Tag sind nicht so ohne mit dem Rucksack und den neu dazu gekommenen Steigungen) oder zwischendurch wieder irgendwo unterkomme. Ich freue mich riesig über das Angebot, läuft es sich doch leichter, wenn man einen Notplan hat. 🙂 Außerdem finde ich es erneut überwältigend, wie leicht man doch miteinander ins Gespräch kommen kann und wieviel Hilfsbereitschaft es auf der Welt gibt.

Beim Weiterlaufen muss ich daran denken, dass auch mein Opa 1945 auf die Hilfsbereitschaft anderer angewiesen war. Und wie er es wohl geschafft hat, den Weg nach Hause ohne Wanderzeichen zu finden.

Die Gedanken, aber auch die nächsten Steigungen erschweren mir den Gedanken daran, heute über 30 km zum Campingplatz zu laufen. Doch dann treff ich zwei Damen, die mit ihren Hunden spazieren gehen. Sie sind sehr interessiert und sagen so unglaublich nette Dinge zu mir, ehrlich, dass ich errötet wäre, wenn mein Gesicht nicht eh schon puterrot und verschwitzt gewesen wäre 😉 So kurze, aber schöne Begegnungen freuen mich immer immens und mit guter Laune geh ich weiter – die paar Kilometerchen pack ich jetzt auch noch!

Dieser Gedanke hält lange, auch nach den nächsten Steigungen noch, nach jeder kurzen Strecke auf dem Asphalt, nach jedem Umknicken. Erst als ich in Hommerich bin, das Schild zeigt 10 Kilometer bis Lindlar, und ich vor einem extrem steil aussehenden Berg lieber nochmal auf die Karte guck.  verlässt mich der Gedanke ein bisschen. So wie es aussieht, ist der Campingplatz noch bestimmt 5 Kilometer unrerhalb von Lindlar, ich schätze aber, dass mein lieber Steig durch den Ort durchgehen wird, und ich seh keine Alternative,  den Wanderweg zwischendurch günstig zu wechseln.

Na dann halt nicht, erstmal den Berg hoch! Meine Güte, der Anblick war schon bedenklich, aber das tatsächliche Ausführen toppt es nochmal. Wie ein Packesel, steil vorne über gebeugt keuche ich den Waldhang hoch, zehn Minuten später ist auch das geschafft. Ok, ich werde mir definitiv irgendwo ein Plätzchen für mein Zelt suchen 🙂

Die Wege danach führen wieder durch schöne saftiggrüne Wiesen und auf Pfaden durch Wälder. Nachdem ich aus den Bäumen durch ein Feld zu einem Hof komme, und es schon fast 20 Uhr ist, beschließe ich, hier nachzufragen. Der Besitzer ist einverstanden und ich stelle, dankbar nicht mehr Weiterlaufen zu müssen,  mein Zelt auf eine Wiese hinter die Scheune vom Scheurenhof.

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Zum Kochen bin ich zu faul, daher kommt das Pesto aufs Brot, Käse und Tomaten von Barbara dazu, feines Abendmahl, mein Zelt ruft! Der romantische Sonnenuntergang hinterm Feld lässt auch die Anstiege wieder vergessen,  nach kurzem Schreckmoment – ich glaube eins der Lämmer ist ausgebückst und wie wild an meinem Zelt vorbei gerannt – schlaf ich aber ruhig,  meine Stangenkonstruktion hält erneut.

Gelaufen: 29,7 km

Motto des Tages: Und wenn du glaubst es geht nicht , mehr kommt irgendwo ein netter Mensch daher.

 

 

Mittwoch, 11. Mai, 2. Tag: Umwege, unsägliche Hitze und ungute Zeltkonstruktionen…

…die hoffentlich halten werden heute Nacht! Aber ich bin da zuversichtlich, auch dass kein Gewitter kommt trotz Ankündigung und dunklem Himmel. Hört sich der Überschrift nach nicht nach nem guten Tag an? Ist es aber 🙂 Bevor ich dazu übergehe, sei auch an dieser Stelle den neuen Spendern für Nepal dank – den Anonymen eben so wie meiner erweiterten Familie, nämlich Hartmut und Ursel, und meinen herzlichen Gastgebern von letzter Nacht, Regina und Klaus – 1000. Dank!

Von den beiden hatte ich mich so gegen halb zehn getrennt – nur schwer, es war doch einfach zu schön, zu gemütlich und so nett bei den beiden! Es war ein herzlicher Abschied und das, sowie das gute Frühstück und der leckere Kaffee,  trieb mich den steilen Berg zur Schloss Burg hinauf. Puh, nach 20 Minuten war ich durchgeschwitzt,  traumhaftes Sunshine-Blue Sky-Wetter begleitete mich. Oben angelangt musste ich ein paar Fehlversuche hinnehmen, aber irgendwann fand ich dann doch den Wanderweg, den ich gesucht hatte.

Sonne satt :-)

Sonne satt 🙂

Derweil wechselte ich von zweitdünnstem Outfit zum dünnsten – am liebsten hätte ich sogar die Hose gern noch gewechselt,  aber die Wanderschuhe auszuziehen und der ganze andere Uffwand, das schien mir dann doch noch anstrengender als die Hitze auszuhalten. 😉 Das ging übrigens den ganzen Tag so, und wer mich kennt, wundert sich jetzt wahrscheinlich,  weil, sonst lass ich mir keine Sekunde in der Sonne entgehen und den Ausdruck „zu warm“ gibt es quasi nicht. Aber, enweder liegts an dem androhenden Gewitter,  oder aber ich werde mit dem Alter empfindlicher… Ich will mich auch nicht beschweren, besser könnte das Wetter für den Tourstart nicht sein.

Auf jeden Fall haben mich die Passagen in der Sonne, und das waren nich wenige,  gut schlapp gemacht. So war  ich froh, nach einmal kurzem Verlust des „Rund um Wermelskirchen“-Wanderwegs kurz vor der Autobahn A1, zur Rausmühle zu gelangen. Päuschen gegen 12 Uhr und circa 9,5 km, konnte ich wenigstens den Blog von gestern schon mal vorschreiben, auch wenn ich mitten im Wald kein Netz hatte – wie schön 🙂

Weiter gings, und dieser Abschnitt steht unter dem Motto: Scheiß auf Eitelkeit und dreh gefälligst um! Onwohl, eigentlich war es ganz lustig 😉 Ich stellte nämlich 2 Minuten nach der Rausmühle fest, dass ich den falschen Weg gewählt hatte. Wollte aber nicht zurück und nochmal am Gasthof vorbeigehen, weil ist ja peinlich, wo ich grad noch mit zwei Gästen über das Gewicht meines Rucksacks und in etwa sowas wie  “ ja ja, ich such mir da meinen Weg schon, so zwei, drei Wochen,  ja ja, das passt schon“ geredet habe. Also, die eitle Hanna liest die Karte, findet 100 Meter weiter oben einen Waldweg,  der etwas weiter wiederum auf den eigentlichen Wanderweg stößt. Perfekt, eigentlich. Doch der Waldweg wird schmaler,  führt dann runter zu einem Fluss und dann nichts. Links Wasser, rechts ein sehr schräger Waldhang. Zu steil?  Ach was soll’s, weit vorgelehnt, um gegen das Gewicht des Rucksacks zu arbeiten, und mit Stock-, Hand- und Knieeinsatz kraxel ich da hoch und kämpf mich noch ein kleines Stück durch den Wald. Wer umdreht, verliert 😉

Irgendwo ist immer ein Weg ;-)

Irgendwo ist immer ein Weg 😉

Etwa ein Kilometer bin ich so gekommen, war aber irgendwie witzig,  und den ursprünglichen Wanderweg hab ich ja auch wieder gefunden, jawoll! Die anschließenden 5 Kilometer sind wie davor geprägt von Abschnitten durch den Wald und Passagen auf Feldstraßen, und von Schilder übersehen. Aber der Weg ist ja das Ziel 😉 Trotzdem bin ich ein bisschen kaputt und frustriert als ich am Ketzburgturm sitze. Die Campingplätze,  die auf meiner Wanderkarte sind, habe ich nicht gefunden oder gibt es nicht mehr, in näherer Umgebung ist auch nichts. Durch die lange Mittagspause ist es schon nachmittag, ich bin ein bisschen ratlos. Immerhin schaffe ich es, mir mein Wasser auffüllen zu lassen, und finden auch meinen altbekannten Wanderweg wieder.

Nur um ihn irgendwo,  nach knapp 1,5 km, einfach zu verlieren. *lach* Ehrlich,  ich habe keine Ahnung wie das passiert ist, da gab es gar keine Abzweigung! Doch plötzlich steh muss ich den Weg wechseln, weil der eine einfach aufhört, und komme dann zu einer Brücke, an der Schilder sind – von anderen Wanderwegen, die natürlich nich auf meiner Karte sind. Nun gut, ich versuche mich anhand der örtlichen Gegebenheiten,  dem Sonnenstand und der Richtung,  aus der ich gekommen bin,  zu orientieren. Und gehe links. Der Weg macht aber direkt eine Kurve und führt zurück in die Richtung, aus der ich kam… Ok,scheint nicht richtig zu sein, ich drehe direkt um,  gehe über die Brücke und folge dem Weg.

Tja, hätte ich mich mal auf meine erste Orientierung verlassen! Tatsächlich laufe ich, wie ich etwa 10 Minuten später feststelle, nun westlich um die Große Dühnn-Talsperre herum,  statt wie geplant östlich. Kurz ärger ich mich und überlege, umzudrehen. Ein Blick auf die Karte zeigt aber, dass die umrundung in diese Richtung nicht wirklich länger ist. Und da ich eh keinen Plan habe, wird der halt geändert 🙂

Ein Teil der großen Dühnn Talsperre

Ein Teil der großen Dühnn Talsperre

 

Gott sei dank, wie ich am Ende des Tages noch feststellen werde! Zunächst aber fällt mir das Laufen schwer, 18 Kilometer,  Sonne und die ein oder anderen kleinen Umwege schlagen etwas auf die Knochen. Aber dem Dühnn-Tallsperreweg, dem ich ab nun folge, führt nett an der zweitgrößten Trinkwassersperre Deutschlands entlang, ab und an mit schattigen Strecken durch den Wald und ist eigentlich ganz gut beschildert. Ihr ahnt es – eigentlich.

An einer meiner Meinung nach entscheidenden Kreuzung im Wald, finde ich kein Schild, und beschließe daher, dem eher geradeaus führendem Weg zu folgen. Nöp! Kurze Zeit drauf finde ich nur Schilder anderer Wege, das nervt in dem Moment richtig! Doch ich finde auf meiner Wanderkarte meine Position und sehe, dass ich dem A2 auch folgen kann und dadurch etwas später wieder auf den „richtigen“ Weg komme. Also, was soll’s. Außerdem verfechte ich ja seit meiner ersten Wanderung die These, dass jedes „Verwandern“ schon so seinen Sinn hat. Auch diesmal 🙂

Es ist nach 18 Uhr, ich habe über 20 Kilometer hinter mir, und will nich mehr. Ein kurzes Stück den Berg rauf komme ich an einen Hof, vor dem eine Frau Rasen mäht. Kurzfristig entscheid ich mich, sie zu fragen, ob ich mein Zelt nicht etwas unterhalb von Wohnhaus und Scheune auf einem Wiesenstück vor einem alten Hofgebäude aufstellen kann. „Da muss ich noch mähen, aber dann ist das ok“ – wer kriegt schon erst noch seinen Zeltplatz gemäht?! 😉 Ich freu mich und bau wenig später mein Zelt auf.

Zelt in der frühen Abendsonne - entschädigt für jeden zu viel gelaufenen Kilometer

Zelt in der frühen Abendsonne – entschädigt für jeden zu viel gelaufenen Kilometer

Böse Überraschung: Die Verbindung zwischen zwei Zeltstangen ist gebrochen! 😦 Da die Stangen in einem System zusammenhängen, kann man sie leider auch nicht ad hoc reparieren oder rausnehmen. Kurz sehe ich meine ganze Tour den Bach runter gehen. Dann meldet sich der MacGiver in mir: Panzertape. Ich gehe hoch zur Hofbesitzerin Barbara, die hilft mir sofort aus und schenkt mir liebenswerter Weise die Rolle. Ich muss leider feststellen, dass die Kraft des Panzertapes leider doch nicht alles kann,  hierfür zumindest reicht sie nicht aus, da das Stangensystem über Spannung rund gebogen wird. Funktioniert aber nicht, wenn zwei Stangen nicht ineinander stecken sondern eine Kante bilden. Gut dass ich noch genügend Heringe und Zeltschnur dabei habe, die bastel ich noch so zusammen, dass ich zumindest das Überzelt noch drüber kriege. Nicht schön,  aber geht 🙂

 

Panzertape for president ;-)

Panzertape for president 😉

Nach getaner Arbeit setze ich mich für Brot und italienischer Hartwurst von meinen Spendern Regina und Klaus hoch vor den Hof. Ein wirklich schönes Plätzchen zum rasten und zum zelten! Barbaras Vater kommt ku

rze Zeit später und setzt sich eine Weile zu mir, dann darf ich liebenswerter Weise die Dusche benutzen, ehe wir zu dritt am Gartentisch zusammen hocken. Ein bunter Abend voller spannender Geschichten!

 

Es ist irre, wie das Thema, das mich nach Solingen gebracht hat, das Ende des 2. Weltkriegs, nun tatsächlich auch von Anfang an begleitet: Gestern bei Regina und Klaus wurde grade erst die ganze Straße, ein Teil ihrer Garage und des Zauns umgegraben beziehungsweise Löcher gebohrt, weil man eine nicht detonierte Bombe aus dem 2. Weltkrieg dort vermutete (unbegründet Gott sei Dank). Hier nun erzählen mir Vater und Tochter, dass erst letztes Jahr Franzosen auf dem Hof vorbeigekommen sind, die alle Stationen im Kriegs-Tagebuch des Großvaters mit dem Motorrad abgefahren sind. Dieser war in Bömberg wohl als Zwangsarbeiter, schrieb aber, dass er gut behandelt worden ist. Das ist doch einfach ein verrückter,  toller Zufall finde ich! Neben dieser erzählen die beiden noch viele kleine Geschichten, von schlimmen Schlachten, die hier in der Nähe noch bis Kriegsende stattgefunden haben, von 8 jährigen Jungen, die noch zum Kämpfen eingezogen wurden und von Hoftieren, die nachts Schlächtern zum Opfer gefallen sind. Schlimm, wirklich schlimm.

Und doch finde ich es toll, diese Geschichten zu erfahren, denn sie sind ein Teil unserer aller Geschichte, und damit auch die von meinem Opa und mir.

Dazu wird es auch ein sehr lustiger und kurzweiliger Abend,  die beiden beeindrucken mich mit ihrer Art, wie sie mit Schwierigkeiten – bürokratischer und familiärer Art – umgegangen sind und umgehen. Für den nächsten Tag verspricht mir Barbara Kaffee und kleine gesunde Snacks to go – traumhaft, so kann ich gut schlafen gehen! 🙂

Gelaufen: 20,8 km

Motto des Tages: Wer keinen festen Plan hat, der kann ihn leichter über den Haufen werfen

Schöner Platz am Hof Bömberg

Schöner Platz am Hof Bömberg

 

 

Dienstag, 10. Mai, 1. Tag: Fröhlicher Leo, weiße Regina und blauer Klaus

Ja ich gebe es zu, ich bin mit mulmigen Gefühl im Zug nach Solingen gesessen. Ich war aufgeregt, klar,  aber auch irgendwie angespannt – trotz aller guten Erfahrungen der letzten Male, wird es dieses Mal auch wieder alles gut gehen? Ist die Aktion mit den Spendensammeln vielleicht eins zu viel? Werd ich mich über mich selbst ärgern, über Umwege,  über Schmerzen, übers Wetter, oder gar in ständiger Sorge darüber laufen, wo ich abends schlafen werde? Ich sag mal – vergesse Kummer und Sorgen, am Ende wartet immer eine Regina, die dich rettet 🙂 Aber ich greife vor…

Angekommen und startbereit

Angekommen und startbereit

Den Weg vom Bahnhof in Solingen-Ohlig bis runter an die Wupper fand ich leicht, gut, ein zweimal habe ich nachgefragt,  sich in der Stadt zu verlaufen macht nämlich keinen Spaß. Außerdem trifft man beim Ansprechen auf 90jährige Opas, die einem erzählen,  dass sie noch jeden zweiten Tag 15 km wandern gehen – das lässt mich doch hoffen 🙂 Nach etwa 30 min habe ich dann auch schon die ersten regionalen Wanderwege gefunden und zack ging es ins Grüne! Nach kurzen Episoden zwischen Wiesen,  Wald und Mühlen hab ich ihn dann schließlich nach ca. 4 km erreicht, den Fluss. An diesem entlang gelang ich zum Wipperkotten, wo der Erlebnisweg Wupper startet. Der war zwar auf meiner Wanderkarte nicht eingezeichnet, aber hey, ich habe gelernt, mich auf die örtlichen Begebenheiten spontan einzulassen 🙂

 

Regionaler Wanderweg A2, durch lichten Laubwald zur Wupper!

Regionaler Wanderweg A2, durch lichten Laubwald zur Wupper!

 

Gott sei dank, denn der Weg verlief traumhaft entspannend immer am Fluss entlang oder etwas oberhalb, vorbei an einstigen Schleifsteinmühlen und kleineren Häuseransammlungen. Langsam aber sicher löste sich der Knoten in meinem Bauch, die Beschilderung war top und die gemütliche Höhenmeterlage (kleiner gleich null 😉 ) passte mir für meinen ersten Tag ganz hervorragend.

Die Wupper, an manchen Stellen auch "Bergischer Amazonas" genannt

Die Wupper, an manchen Stellen auch „Bergischer Amazonas“ genannt

Schöner Rastplatz am Wasser

Schöner Rastplatz am Wasser

 

Gegen 13.15 wollte ich in Unterrüden einkehren, die schwülwarme Hitze machte Lust auf ein kühles Getränk. Doch – ich fühlte mich dort so unwillkommen, dass ich nach etwa 10 Minuten wieder ging. Der Knoten war wieder da und etwas missmutig ging ich weiter, doch am Ende hat ja jede irgendwo vertane Zeit seinen Sinn – sonst hätte ich weder das idyllische Plätzchen an der Wupper zur Rast genutzt, noch das nette Ehepaar mit dem Bulli Maria getroffen und auch nicht  den fröhlichen Leo auf seinem Tourenrad. Der durchtrainierte Radler begleitet mich circa 10 minuten lang, gefühlt haben wir Währenddessen alle Touren der letzten Jahre ausgetauscht – immer wieder toll, wie sich Streuner im Geiste (wie Udo Lindenberg vielleicht sagen würde) auf ihren Wegen finden…

Ich liebe den Duft von Wasser,  der Fluss riecht für mich nach Urlaub und Kanu :)

Ich liebe den Duft von Wasser, der Fluss riecht für mich nach Urlaub und Kanu 🙂

Danach war ich natürlich blendender Laune und voller Zuversicht, schön ging es weiter an der Fluss entlang und ab und an durch den Wald. Um halb vier kam ich nach knapp 15 Kilometer in Glüder am Campingplatz an. Die Frage war jetzt,  bleib ich hier oder geh ich weiter nach Burg, wo neben einer Jugendherberge auch ein Campingplatz eingezeichnet war – der laut Beisitzerin in Glüder allerdings nicht existiert. Naja, no risk no fun 😉 Irgendein inneres Gefühl sagte mir auf jeden Fall, dass ich da nicht bleiben soll. Auf diese Stimme sollte ich viel öfter hören!

Denn in Burg, wo mir noch eine Dame berichtete, dass es keinen Zeltplatz an der Herberge gäbe, traf ich Regina. Oder eher sie mich! Ich wollte grade den Aufstieg zum Schloss Burg starten als sie mich mit den Worten „Na wo wanderst du denn hin?!“ abfing, ihr zweiter Satz war: „Dich nehm ich jetzt mit nach Haus!“ Das duldete kein Widerspruch, wollt ich aber auch gar nicht.

5 Minuten später war mir klar,  dass ich mit Sicherheit a) einen lustigen Abend verbringen werde und b) bei einem ganz herzlichen,  offenen Ehepaar gelandet war: Nach Dusche und Beziehen des Gästebetts setzten wir uns in den Garten, neben Regina und Klaus hüpfte der kleine Buddy durch die Gegend,  ihr verspielter Hund,  kaum 5 minuten später kam eine Freundin der beiden zu Besuch,  als Sylvia ging, kamen die Nachbarn Sascha und Gabi auf einen Plausch – eine kunterbunte Hofgemeinschaft, genau mein Wohlfühlbereich! Die Zeit verging wie im Flug,  zwischendurch wurde deftige Brotzeit aufgetischt und ich lernte Rotschorle süß kennen (für alle denen Rotwein zu trocken ist, helle Limo hilft 🙂 ), und die Reisen von Regina und Klaus. Es bewahrheitet sich einfach aus neue: Reisende helfen Reisenden gern. 🙂 Und das Lachen gesund ist, die beiden oder eigentlich alle vier sind ganz eigene, ganz tolle Typen (eine kleine Impression: „Essen ist der Sex des Alters“…).

Regina - trägt gerne weiß - und Klaus - trägt ausschließlich blau - und Buddy

Regina – trägt gerne weiß – und Klaus – trägt ausschließlich blau – und der knuddelige Buddy

 

Am Ende bin ich sogar froh, dass ich gestern technische Probleme hatte, so kann ich in diesem Beitrag auch noch die Emotionen einarbeiten, die ich heute morgen nach so nettem Frühstück und herzlichem Abschied mitbekommen habe und mit mir trage. Ich schenke den beiden zum Abschied und als kleines,  aber groß gemeintes Dankeschön ein Räucherstäbchen aus Zeder, dass ich aus einem Frankfurter Nepal-Laden habe (laut dem Shop alles handgearbeitet aus Nepal).

Und mach mich auf den Weg, mit so viel Sonne im Herzen! Ich bin so glücklich, wieder unerwartete Begegnungen gemacht zu haben, die meine Reise schon am ersten Tag bereichert hat.

gelaufen: circa 20,6 km

motto des tages: loslaufen, locker lassen, lachen und lernen