Donnerstag, 12. Mai, Tag 3: Warum ein Steig ein Steig ist und kein Wander-Weg

Puh, ein langer Tag, sowohl zeitlich als auch Kilometer mäßig! Aber mit allem, was zu einem Wandertag dazu gehört: Höhen und Tiefen (vor allem Höhen,  und Höhen,  und Höhen…), gefundenen Wanderwegen beziehungsweise -steigen, tollen Begegnungen,  viel Sonne und gute Laune, und zwischendurch ein bisschen mief. Das gehört nun mal auch dazu,  und am Ende wartet ja doch immer eine Wiese mit Zelt und Sonnenuntergang 🙂

Loszukommen war auch heute nicht einfach: Nach einer ungestörten, Gewitter und Regen freien Nacht packte ich grade mein Zeug zu Ende als Barbaras Vater eintrief. Wir setzten uns auf dem Hof auf ein Bänkchen, erstmal ein Käffchen trinken – daraus wurden eineinhalb Stunden Gespräch. Gut, dass ich Zeit habe, denn auf so Gelegenheiten und interessante Geschichten möchte ich nicht verzichten. Auch wenn es dafür erst um viertel vor zehn los geht, dafür aber immerhin um das Gewicht von zwei nepalesischen Zederstäbchen weniger 😉

Kurz hinter dem Hof finde ich wieder meinen Talsperren-Weg und folge dem für exakt 5 Kilometer: Tadaa, ich habe den Bergischen Panoramasteig erreicht! Den hatte ich angepeilt, um auf ihm ein paar Tage zu bleiben: Er geht ungefähr in meine Richtung und es erleichtert das Vorankommen, weil man nur dem einen Weg folgt statt ständig auf die Karte zu schauen, welchen Weg man am besten nimmt. Es wird zwar nicht ganz der direkteste Weg sein, aber die Abweichungen sind zu verkraften lauftechnisch.

 

Gefunden! Bergischer Panoramasteig

Gefunden! Bergischer Panoramasteig

 

Wenn die Höhenmeter nicht wären. Also, verkraften kann ich die natürlich schon, pipifax im Gegenteil zu den Schwarzwald-Bergen zum beispiel. Aber,  Hut ab Rheinisch-Bergisches Land, deine Hügel können schon auch was!

Ich mache daher nach den ersten eineinhalb Kilometer eine Rast auf einer Bank, netter Ausblick, halbschatten, läuft. Gewaltig schief. Ich komme nach Bechen rein und finde das Zeichen nicht mehr, mh, aber ok, das passiert mal, die andern Zeichen der zwei Wanderwege, die parallel liefen mit meinem, die sind da. Also folge ich denen und keine 100 meter weiter, da, an dem Kreisel, mein Panoramasteig! Jetzt deute an nem Kreisel mal ein Wanderwegezeichen, aber, ich seh das nächste schon, also als der Nase nach. Ich wunder mich noch, warum es gefühlt in die falsche Richtung geht, denke aber, hey, ich folge den richtigen Zeichen, irgendwann wird der schon wieder einen Knick in die richtige Richtung machen. Macht er auch, als ich erneut an der Bank stehe, wo ich vor 20 Minuten Pause gemacht habe. Boah ey, 1,5 km eine runde gelaufen, falschrum! Nur weil an dieser Stelle das Zeichen am Baum mit Pfeilen niht mehr zu erkennen ist, ich ärger mich wirklich,  das ist doofer als Verlaufen. 😦

Da ich aber grundpositiver Mensch bin, und es keine ewig lange Strecke (aber ein fieser Berg!) war, geh ich erneut zum Kreisel (statt von der Bank aus den richtigen, aber längeren Weg zum Kreisel) und laufe von dort aus wieder auf dem Bergischen Panoramasteig, nur eben richtig rum. Der Steig macht seinem Namen weiterhin alle Ehre und führt auf jeden Hügel der Gegen hoch, meist schön durch den Wald, und verbindet die Aufstiege mit Strecken durch Wiesen, nur selten Apshalt, das gefällt 🙂 Auch die Ausschilderung ist nun top, ich erreiche nach elf Kilometern Eichhof, wo ich eine laaange Pause beim REWE-Bäcker mache.

Während ich den Eintrag von gestern schreibe, kommt ein Mann vorbei und fragt ob ich Backpacking mache. Ich verneine, und wir verquastchen uns 20 Minuten lang. Am Ende bietet mir der holländische Rene an, mich später wo auch immer abzuholen, um bei ihm im Garten mein Zelt aufstellen zu können. Der einzige Campingplatz ist nämlich noch immer 20 Kilometer entfernt und ich erzähle, dass ich noch nicht weiß, ob ich es bis dahin packe (über 30 Kilometer am Tag sind nicht so ohne mit dem Rucksack und den neu dazu gekommenen Steigungen) oder zwischendurch wieder irgendwo unterkomme. Ich freue mich riesig über das Angebot, läuft es sich doch leichter, wenn man einen Notplan hat. 🙂 Außerdem finde ich es erneut überwältigend, wie leicht man doch miteinander ins Gespräch kommen kann und wieviel Hilfsbereitschaft es auf der Welt gibt.

Beim Weiterlaufen muss ich daran denken, dass auch mein Opa 1945 auf die Hilfsbereitschaft anderer angewiesen war. Und wie er es wohl geschafft hat, den Weg nach Hause ohne Wanderzeichen zu finden.

Die Gedanken, aber auch die nächsten Steigungen erschweren mir den Gedanken daran, heute über 30 km zum Campingplatz zu laufen. Doch dann treff ich zwei Damen, die mit ihren Hunden spazieren gehen. Sie sind sehr interessiert und sagen so unglaublich nette Dinge zu mir, ehrlich, dass ich errötet wäre, wenn mein Gesicht nicht eh schon puterrot und verschwitzt gewesen wäre 😉 So kurze, aber schöne Begegnungen freuen mich immer immens und mit guter Laune geh ich weiter – die paar Kilometerchen pack ich jetzt auch noch!

Dieser Gedanke hält lange, auch nach den nächsten Steigungen noch, nach jeder kurzen Strecke auf dem Asphalt, nach jedem Umknicken. Erst als ich in Hommerich bin, das Schild zeigt 10 Kilometer bis Lindlar, und ich vor einem extrem steil aussehenden Berg lieber nochmal auf die Karte guck.  verlässt mich der Gedanke ein bisschen. So wie es aussieht, ist der Campingplatz noch bestimmt 5 Kilometer unrerhalb von Lindlar, ich schätze aber, dass mein lieber Steig durch den Ort durchgehen wird, und ich seh keine Alternative,  den Wanderweg zwischendurch günstig zu wechseln.

Na dann halt nicht, erstmal den Berg hoch! Meine Güte, der Anblick war schon bedenklich, aber das tatsächliche Ausführen toppt es nochmal. Wie ein Packesel, steil vorne über gebeugt keuche ich den Waldhang hoch, zehn Minuten später ist auch das geschafft. Ok, ich werde mir definitiv irgendwo ein Plätzchen für mein Zelt suchen 🙂

Die Wege danach führen wieder durch schöne saftiggrüne Wiesen und auf Pfaden durch Wälder. Nachdem ich aus den Bäumen durch ein Feld zu einem Hof komme, und es schon fast 20 Uhr ist, beschließe ich, hier nachzufragen. Der Besitzer ist einverstanden und ich stelle, dankbar nicht mehr Weiterlaufen zu müssen,  mein Zelt auf eine Wiese hinter die Scheune vom Scheurenhof.

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Zum Kochen bin ich zu faul, daher kommt das Pesto aufs Brot, Käse und Tomaten von Barbara dazu, feines Abendmahl, mein Zelt ruft! Der romantische Sonnenuntergang hinterm Feld lässt auch die Anstiege wieder vergessen,  nach kurzem Schreckmoment – ich glaube eins der Lämmer ist ausgebückst und wie wild an meinem Zelt vorbei gerannt – schlaf ich aber ruhig,  meine Stangenkonstruktion hält erneut.

Gelaufen: 29,7 km

Motto des Tages: Und wenn du glaubst es geht nicht , mehr kommt irgendwo ein netter Mensch daher.

 

 

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