Beiträge: Solingen – Hasselberg

Dienstag, 17. Mai, Tag 8: Frisch auf!, sagt Opi

Heute is so ein Tag, an dem eigentlich nich recht viel passiert ist. Und trotzdem würde ich euch am liebsten 100 kleine Dinge berichten! Mach ich natürlich nich. Aber es sind eben die kleinen Dinge (z.B. gefundene Pfade), kleinen Momente (z.B. mein Opa am Telefon) und kleinen Begegnungen, die immer wieder Laune machen. Dachte ich im einen Moment noch, gut, heute Nacht ist Zelten an einer Schutzhütte angesagt, war ich im nächsten Moment auch schon wieder von Zeltträumen weit entfernt und lief hinter Theo her zu einem anderen Übernachtungsquartier…

Vom Charme her ist der Bauwagen von gestern Nacht natürlich nicht zu toppen – ausgeruht trink ich mit Gerhard vom Kuchenschlösschen noch einen Kaffee und erfahr lauter spannende Details von ihm. Das ist eine der kleinen Geschichten,  die hier aber dann doch schon rein gehören: Mit 14 lernte er Konditor, unten in Kirchen, und sah immer zu dem Gebäude (das ein kleines rundes Türmchen hat) des heutigen Kuchenschlösschens hoch und träumte davon, dort irgendwann mal ein eigenes Café zu haben. Mit 14 träumte er davon, heute betreibt er es seit 30 Jahren! Dazwischen hat Gerhard den Konditormeister gemacht, war Küchenchef in einer Art Jugendhaus und hat alleine mit zig Tieren auf einem Hof im Wald gelebt. Bis das Haus zu verkaufen war. Dann drei Jahre lang gehandelt, dann zugeschlagen und dann seinen Traum realisiert. Und das mit so viel Liebe zum Detail! Ich bin immer noch ganz hin und weg wie ihr merkt, deswegen hör ich schnell auf – einfach selbst hinfahren! *grins*

Gerhar, der detailverliebt sowohl Bauwagen als auch Kuchenschlösschen hergerichtet hat

Gerhard, der detailverliebt sowohl Bauwagen als auch Kuchenschlösschen hergerichtet hat

Vom Schlösschen aus muss ich erstmal weiter den Berg hoch, einen Kilometer über Bürgersteige steil hinauf in den Wald und dann weiter auf dem Druidensteig. Auch hier, bis auf eine ebene Wiese (hier hätte ich gestern zelten können, hätte…) und ein Stück hinab, ging es nur bergauf – schöner Frühsport, das gute Essen von gestern erstmal abtrainieren. 🙂 Der Kreuzweg mit Monumenten zum Leidensweg Christi bringt mich schließlich zum Druidenstein, der nördlichste Ausläufer des basaltischen Westerwalds (4,6 km, auf 431 m Höhe).

Frühstückspause vor dem Druidenstein

Frühstückspause vor dem Druidenstein

Nach Brot und Käse und längeren Krauleinheiten für eine Hunde-Omi, mach ich mich weiter, es ist doch recht frisch, um lange Pausen zu machen. Der Druidensteig bzw. Europäische Fernwanderweg E1, dem ich folge und der sich dem bestehenden Wegenetz bedient, ist wirklich sehr schön in dieser Grenzgegend zwischen NRW und Rheinland Pfalz. Und super gekennzeichnet! Wenn ich da an den E3 im letzten Jahr denke, mei, das war was, Kraut und Rüben. Aber hier erreiche ich nach wunderschönen Waldpfaden, die immer wieder auch mal Blicke über die Baumkuppen hinweg erlauben, ohne ein einziges Mal auf die Karte schauen zu müssen nach etwa 12 Kilometern problemlos Herdorf. Da ich unterwegs den zuständigen Wanderwegewart bei der Instandhaltung der Wege treffe, kann ich dem sogar persönlich danken.

Schmale Wege, gut gekennzeichnet, so liebe ich das

Schmale Wege, gut gekennzeichnet, so liebe ich das

Wie so üblich geh ich erstmal Kaffee trinken (never change a running system…), is wirklich auch frisch draußen. Da ich dafür ein bissi vom Weg abweichen musste, muss ich mir den günstigsten Weg zum E1 zurück suchen – ja doch, ich bin ein wenig stolz, dass es diesmal ohne einen einzigen Umweg gelingt. Das wäre hier auch richtig fies gewesen: Es geht heute den ersten richtigen Berg, zumindest bewusst, hinauf! Um auf den 495 m hohen Hohenseelbachskopf zu kommen, geht es also erstmal nur hoch. Die ersten eineinhalb Kilometer laufe ich steil auf dem Bürgersteig aus Herdorf raus – so langsam, dass ich Angst habe, hinten umzufallen! Aber der Brummi im 1. Gang ist auch nicht schneller, tröste ich mich.

Im Wald mach ich auf der ersten Bank erstmal Pause, durchschnaufen, Jacke ausziehen – und Oma anrufen, die ist heute 91 geworden! Bei der Gelegenheit schwatz ich auch noch kurz mit Opa, der wissen will, wo ich ungefähr bin. Ich erzähl, dass ich gestern die Sieg gequert habe, und wo in etwa. Da sagt Opa: „Ich glaube, wir sind damals weiter östlich drüber, ja weiter östlich.“ Herrlich, dass ihm das jetzt einfällt 🙂 Zum Abschied gibt er mir den Wandergruß „Frisch auf!“ mit auf den Weg – finde ich herrlich und nehme die nächsten Höhenmeter in Angriff. Keinen Kilometer weiter finde ich schon mal den Druidensteig, nur um ihn 500 Meter weiter wieder zu verlassen: Der führt wieder bergab, wozu bin ich denn über die Hälfte schon hoch?! Denk ich mir, wähle also einen andren Weg (ohne Zeichen…) – hätte auch wieder schief gehen können.

Hier sieht der doch richtig fein aus, der von mir auserwählte Weg

Hier sieht der doch richtig fein aus, der von mir auserwählte Weg

Hier überlege ich kurz, ob ich nicht doch zurück auf den gekennzeichneten Weg soll

Hier überlege ich kurz, ob ich nicht doch zurück auf den gekennzeichneten Weg soll

Ist es aber nicht 🙂 Ok, es war jetzt kein offizieller super Weg, aber er war kurz und effektiv und schön verwinkelt sag ich mal. Vorbei an der Luftüberwachung Rheinland Pfalz wähle ich einen kleinen Pfad durchs Dickicht. Der ist später zwar nur noch zu erahnen, aber ich seh den befestigen Weg schon 150 Meter vor mir und alles ist in Butter. Das ist dann auch wieder der E1, der mich hoch auf den Berg bringt (ca. 16,5 km gelaufen). Da oben ist es jetzt fei nicht spannend, ich folge dem E1 über den Höhenweg gaaanz entspannt wie der Name schon sagt auf der Höhe entlang.

Entspannt E1 entlang eiern

Entspannt E1 entlang eiern

Nachdem es eine Weile so eben dahin geplätschert ist (und das mein ich positiv), geht es bergab. Und wieder bergauf – es war noch nich die letzte Höhe heute. Aber erst treff ich auf den Förster, der mir eine Schutzhütte hinter dem Ort Lippe empfiehlt. Hört sich so schlecht nicht an, die dicken grauen Wolken scheinen auch nur zu drohen, nicht zu regnen. Blöd ist nur: Die Gaststätte auf dem Hohenseelsbachkopf hatte zu, ich hab nicht mehr viel Wasser.

Ausblick von den Trödelsteinen

Ausblick von den Trödelsteinen (613 m)

Ausblick von den Trödelsteinen

Ausblick von den Trödelsteinen (613 m)

Daher frag ich meine nächste Bekanntschaft, den ich an den Trödelsteinen treffe, ob es in Lippe etwas gebe, wo ich mein Wasser auffüllen könnte. Der Ortskenner sagt, ich soll mich zu seiner Cousine in der Ortsmitte durchfragen, da würde ich bestimmt Wasser kriegen. Und auch ein Bett. Aber, wenn ich wollen würde, könnte ich auch einfach mit nach Burbach zu ihm und seiner Frau kommen, da gebe es Wasser, Essen und auch ein Bett… Das ist dir kurze Variante des Aufeinandertreffens 🙂 Unverhoffte Angebote sollte man nicht in den Wind schlagen, auch wenn sie kleine Umwege beinhalten – also, zack laufe ich meinem Gastgeber Theo den Trödelsteinpfad hinterher. Oder hechte: Meine Güte ist der bald 75 Jährige schnell!

Ich bin beeindruckt, wenn auch ein wenig kaputt (weil dann auch schon bald wieder 30 km gelaufen), aber der Pfad ist wunderbar, richtig schön klein und verwunden. Toll! Einige Kilometer weiter gen Tal sind wir am Haus angekommen. Anni heißt mich auch herzlich Willkommen, wir richten mein Zimmer, essen Brotzeit und reden noch über dies und das, bis es zu spät für jenes wird und wir einander Gute Nacht wünschen…

Wieder zeigt sich, wie hilfsbereit die Menschen sind. Ein kleines Wort reicht.

Vielleicht auch ein kleiner Betrag? Schöne Überleitung zu meiner Spendenaktion „Ich wander, ich blogge, du spendest“ für den Aufbau von zwei Krankenstationen in nepalesischen Bergdörfern, die es beim Erdbeben letztes Jahr schwer getroffen hat – meine Opa und Oma haben sich genau wie meine Tante zu den Unterstützern gesellt, ebenfalls Kerstin und Achim, enge Freunde und treue Fans meines Wanderblogs. Vielen Dank euch allen!

Gelaufen: 28,1 km

Motto des Tages: Wer sich helfen lässt, dem wird geholfen

Deswegen habe ich mal weniger, mal mehr Hilfe nötig - so viele Zeichen!

Deswegen habe ich mal weniger, mal mehr Hilfe nötig – so viele Zeichen!

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Samstag, 14. Mai, 5. Tag: Entspannt entspannen

Tatsächlich habe ich es geschafft, es ruhig angehen zu lassen, nicht weiter zu laufen und mich auch nicht zu verwandern. 😉

Nach einem gemütlichen Frühstück im Wohnmobil von meinen Rettern, verabschiede ich die beiden mit vielen Dankesworten Zeder-Räucherstäbchen (sie wollen mir sogar noch die Decke schenken!). Ich winke hinterher als ihr WoMo den Platz verlässt – es geht mir nach der Tortour gestern wirklich gut, vor allem Dank Susanne und Stephan, ich bin noch immer erleichtert…

Flucks wird alles gepackt, knapp einen Kilometer später treffe ich auf die Stelle, an der ich gestern vom Panoramasteig abbiegen bzw auf dem „Hauptweg“ hätte bleiben sollen. Naja, so gehen die Meinungen auseinander 😉 Ich folge dem Steig, der ultra entspannend zwischen den kleinen Ortschten über Felder und Wiesen führt, kleine Waldstücke ab und an und nur ganz wenige, milde Steigungen. Unaufgeregt, so wie ich es gebraucht habe.

Das Wetter hat sich zwar wie überall deutlich abgekühlt, aber es bleibt trocken und die Kapuze hält den Wind ab 😉 Ich erreiche Nürmbrecht, suche noch etwas nach einer Pension und gönne mir dann Ruhe. Na gut, die Wäsche wird noch gemacht, der Blog geschrieben, die nächsten Tage grob geplant, dann die Füße hochgelegt – Ruhe…

Gelaufen: 13,1 km

Motto: Urlauben statt Umherirren 🙂

Mittwoch, 11. Mai, 2. Tag: Umwege, unsägliche Hitze und ungute Zeltkonstruktionen…

…die hoffentlich halten werden heute Nacht! Aber ich bin da zuversichtlich, auch dass kein Gewitter kommt trotz Ankündigung und dunklem Himmel. Hört sich der Überschrift nach nicht nach nem guten Tag an? Ist es aber 🙂 Bevor ich dazu übergehe, sei auch an dieser Stelle den neuen Spendern für Nepal dank – den Anonymen eben so wie meiner erweiterten Familie, nämlich Hartmut und Ursel, und meinen herzlichen Gastgebern von letzter Nacht, Regina und Klaus – 1000. Dank!

Von den beiden hatte ich mich so gegen halb zehn getrennt – nur schwer, es war doch einfach zu schön, zu gemütlich und so nett bei den beiden! Es war ein herzlicher Abschied und das, sowie das gute Frühstück und der leckere Kaffee,  trieb mich den steilen Berg zur Schloss Burg hinauf. Puh, nach 20 Minuten war ich durchgeschwitzt,  traumhaftes Sunshine-Blue Sky-Wetter begleitete mich. Oben angelangt musste ich ein paar Fehlversuche hinnehmen, aber irgendwann fand ich dann doch den Wanderweg, den ich gesucht hatte.

Sonne satt :-)

Sonne satt 🙂

Derweil wechselte ich von zweitdünnstem Outfit zum dünnsten – am liebsten hätte ich sogar die Hose gern noch gewechselt,  aber die Wanderschuhe auszuziehen und der ganze andere Uffwand, das schien mir dann doch noch anstrengender als die Hitze auszuhalten. 😉 Das ging übrigens den ganzen Tag so, und wer mich kennt, wundert sich jetzt wahrscheinlich,  weil, sonst lass ich mir keine Sekunde in der Sonne entgehen und den Ausdruck „zu warm“ gibt es quasi nicht. Aber, enweder liegts an dem androhenden Gewitter,  oder aber ich werde mit dem Alter empfindlicher… Ich will mich auch nicht beschweren, besser könnte das Wetter für den Tourstart nicht sein.

Auf jeden Fall haben mich die Passagen in der Sonne, und das waren nich wenige,  gut schlapp gemacht. So war  ich froh, nach einmal kurzem Verlust des „Rund um Wermelskirchen“-Wanderwegs kurz vor der Autobahn A1, zur Rausmühle zu gelangen. Päuschen gegen 12 Uhr und circa 9,5 km, konnte ich wenigstens den Blog von gestern schon mal vorschreiben, auch wenn ich mitten im Wald kein Netz hatte – wie schön 🙂

Weiter gings, und dieser Abschnitt steht unter dem Motto: Scheiß auf Eitelkeit und dreh gefälligst um! Onwohl, eigentlich war es ganz lustig 😉 Ich stellte nämlich 2 Minuten nach der Rausmühle fest, dass ich den falschen Weg gewählt hatte. Wollte aber nicht zurück und nochmal am Gasthof vorbeigehen, weil ist ja peinlich, wo ich grad noch mit zwei Gästen über das Gewicht meines Rucksacks und in etwa sowas wie  “ ja ja, ich such mir da meinen Weg schon, so zwei, drei Wochen,  ja ja, das passt schon“ geredet habe. Also, die eitle Hanna liest die Karte, findet 100 Meter weiter oben einen Waldweg,  der etwas weiter wiederum auf den eigentlichen Wanderweg stößt. Perfekt, eigentlich. Doch der Waldweg wird schmaler,  führt dann runter zu einem Fluss und dann nichts. Links Wasser, rechts ein sehr schräger Waldhang. Zu steil?  Ach was soll’s, weit vorgelehnt, um gegen das Gewicht des Rucksacks zu arbeiten, und mit Stock-, Hand- und Knieeinsatz kraxel ich da hoch und kämpf mich noch ein kleines Stück durch den Wald. Wer umdreht, verliert 😉

Irgendwo ist immer ein Weg ;-)

Irgendwo ist immer ein Weg 😉

Etwa ein Kilometer bin ich so gekommen, war aber irgendwie witzig,  und den ursprünglichen Wanderweg hab ich ja auch wieder gefunden, jawoll! Die anschließenden 5 Kilometer sind wie davor geprägt von Abschnitten durch den Wald und Passagen auf Feldstraßen, und von Schilder übersehen. Aber der Weg ist ja das Ziel 😉 Trotzdem bin ich ein bisschen kaputt und frustriert als ich am Ketzburgturm sitze. Die Campingplätze,  die auf meiner Wanderkarte sind, habe ich nicht gefunden oder gibt es nicht mehr, in näherer Umgebung ist auch nichts. Durch die lange Mittagspause ist es schon nachmittag, ich bin ein bisschen ratlos. Immerhin schaffe ich es, mir mein Wasser auffüllen zu lassen, und finden auch meinen altbekannten Wanderweg wieder.

Nur um ihn irgendwo,  nach knapp 1,5 km, einfach zu verlieren. *lach* Ehrlich,  ich habe keine Ahnung wie das passiert ist, da gab es gar keine Abzweigung! Doch plötzlich steh muss ich den Weg wechseln, weil der eine einfach aufhört, und komme dann zu einer Brücke, an der Schilder sind – von anderen Wanderwegen, die natürlich nich auf meiner Karte sind. Nun gut, ich versuche mich anhand der örtlichen Gegebenheiten,  dem Sonnenstand und der Richtung,  aus der ich gekommen bin,  zu orientieren. Und gehe links. Der Weg macht aber direkt eine Kurve und führt zurück in die Richtung, aus der ich kam… Ok,scheint nicht richtig zu sein, ich drehe direkt um,  gehe über die Brücke und folge dem Weg.

Tja, hätte ich mich mal auf meine erste Orientierung verlassen! Tatsächlich laufe ich, wie ich etwa 10 Minuten später feststelle, nun westlich um die Große Dühnn-Talsperre herum,  statt wie geplant östlich. Kurz ärger ich mich und überlege, umzudrehen. Ein Blick auf die Karte zeigt aber, dass die umrundung in diese Richtung nicht wirklich länger ist. Und da ich eh keinen Plan habe, wird der halt geändert 🙂

Ein Teil der großen Dühnn Talsperre

Ein Teil der großen Dühnn Talsperre

 

Gott sei dank, wie ich am Ende des Tages noch feststellen werde! Zunächst aber fällt mir das Laufen schwer, 18 Kilometer,  Sonne und die ein oder anderen kleinen Umwege schlagen etwas auf die Knochen. Aber dem Dühnn-Tallsperreweg, dem ich ab nun folge, führt nett an der zweitgrößten Trinkwassersperre Deutschlands entlang, ab und an mit schattigen Strecken durch den Wald und ist eigentlich ganz gut beschildert. Ihr ahnt es – eigentlich.

An einer meiner Meinung nach entscheidenden Kreuzung im Wald, finde ich kein Schild, und beschließe daher, dem eher geradeaus führendem Weg zu folgen. Nöp! Kurze Zeit drauf finde ich nur Schilder anderer Wege, das nervt in dem Moment richtig! Doch ich finde auf meiner Wanderkarte meine Position und sehe, dass ich dem A2 auch folgen kann und dadurch etwas später wieder auf den „richtigen“ Weg komme. Also, was soll’s. Außerdem verfechte ich ja seit meiner ersten Wanderung die These, dass jedes „Verwandern“ schon so seinen Sinn hat. Auch diesmal 🙂

Es ist nach 18 Uhr, ich habe über 20 Kilometer hinter mir, und will nich mehr. Ein kurzes Stück den Berg rauf komme ich an einen Hof, vor dem eine Frau Rasen mäht. Kurzfristig entscheid ich mich, sie zu fragen, ob ich mein Zelt nicht etwas unterhalb von Wohnhaus und Scheune auf einem Wiesenstück vor einem alten Hofgebäude aufstellen kann. „Da muss ich noch mähen, aber dann ist das ok“ – wer kriegt schon erst noch seinen Zeltplatz gemäht?! 😉 Ich freu mich und bau wenig später mein Zelt auf.

Zelt in der frühen Abendsonne - entschädigt für jeden zu viel gelaufenen Kilometer

Zelt in der frühen Abendsonne – entschädigt für jeden zu viel gelaufenen Kilometer

Böse Überraschung: Die Verbindung zwischen zwei Zeltstangen ist gebrochen! 😦 Da die Stangen in einem System zusammenhängen, kann man sie leider auch nicht ad hoc reparieren oder rausnehmen. Kurz sehe ich meine ganze Tour den Bach runter gehen. Dann meldet sich der MacGiver in mir: Panzertape. Ich gehe hoch zur Hofbesitzerin Barbara, die hilft mir sofort aus und schenkt mir liebenswerter Weise die Rolle. Ich muss leider feststellen, dass die Kraft des Panzertapes leider doch nicht alles kann,  hierfür zumindest reicht sie nicht aus, da das Stangensystem über Spannung rund gebogen wird. Funktioniert aber nicht, wenn zwei Stangen nicht ineinander stecken sondern eine Kante bilden. Gut dass ich noch genügend Heringe und Zeltschnur dabei habe, die bastel ich noch so zusammen, dass ich zumindest das Überzelt noch drüber kriege. Nicht schön,  aber geht 🙂

 

Panzertape for president ;-)

Panzertape for president 😉

Nach getaner Arbeit setze ich mich für Brot und italienischer Hartwurst von meinen Spendern Regina und Klaus hoch vor den Hof. Ein wirklich schönes Plätzchen zum rasten und zum zelten! Barbaras Vater kommt ku

rze Zeit später und setzt sich eine Weile zu mir, dann darf ich liebenswerter Weise die Dusche benutzen, ehe wir zu dritt am Gartentisch zusammen hocken. Ein bunter Abend voller spannender Geschichten!

 

Es ist irre, wie das Thema, das mich nach Solingen gebracht hat, das Ende des 2. Weltkriegs, nun tatsächlich auch von Anfang an begleitet: Gestern bei Regina und Klaus wurde grade erst die ganze Straße, ein Teil ihrer Garage und des Zauns umgegraben beziehungsweise Löcher gebohrt, weil man eine nicht detonierte Bombe aus dem 2. Weltkrieg dort vermutete (unbegründet Gott sei Dank). Hier nun erzählen mir Vater und Tochter, dass erst letztes Jahr Franzosen auf dem Hof vorbeigekommen sind, die alle Stationen im Kriegs-Tagebuch des Großvaters mit dem Motorrad abgefahren sind. Dieser war in Bömberg wohl als Zwangsarbeiter, schrieb aber, dass er gut behandelt worden ist. Das ist doch einfach ein verrückter,  toller Zufall finde ich! Neben dieser erzählen die beiden noch viele kleine Geschichten, von schlimmen Schlachten, die hier in der Nähe noch bis Kriegsende stattgefunden haben, von 8 jährigen Jungen, die noch zum Kämpfen eingezogen wurden und von Hoftieren, die nachts Schlächtern zum Opfer gefallen sind. Schlimm, wirklich schlimm.

Und doch finde ich es toll, diese Geschichten zu erfahren, denn sie sind ein Teil unserer aller Geschichte, und damit auch die von meinem Opa und mir.

Dazu wird es auch ein sehr lustiger und kurzweiliger Abend,  die beiden beeindrucken mich mit ihrer Art, wie sie mit Schwierigkeiten – bürokratischer und familiärer Art – umgegangen sind und umgehen. Für den nächsten Tag verspricht mir Barbara Kaffee und kleine gesunde Snacks to go – traumhaft, so kann ich gut schlafen gehen! 🙂

Gelaufen: 20,8 km

Motto des Tages: Wer keinen festen Plan hat, der kann ihn leichter über den Haufen werfen

Schöner Platz am Hof Bömberg

Schöner Platz am Hof Bömberg

 

 

Ich würde euch gerne mehr verraten, hab ich sogar eigentlich schon. Aber die Technik hat mal wieder versagt, naja, irgendwie hab auch ich technisch versagt… Wie man es dreht und wendet: Alles bereits Geschriebene ist futsch, im Nirvana der Einsen und Nullen verdampft.

Da hilft kein Jammern, aber da ich nun keine Lust mehr habe, alles erneut aufzuschreiben – vertröste ich euch auf morgen und kann nur so viel verraten: Ich schlafe nicht in meinem Zelt,  aber auch nicht in einer Herberge 🙂

Sonne, Fluss, Wandern = Glücklichsein

Sonne, Fluss, Wandern = Glücklichsein