Mittwoch, 18. Mai, Tag 9: Eine Wiese für mich allein, und eine Schaukel!

Nein, ich zelte nicht wild, aber auf dem Campingplatz an der Krombachtalsperre bin ich trotzdem ganz für mich. Negativ ausgedrückt könnte man natürlich sagen, ich werde von den gut bezahlenden Dauercampern und WoMo-Stellplatzbesitzern ausgegrenzt, da ich aber eher der positiv geneigte Mensch bin: Ich habe einen exklusiven Zeltplatz mit Seeblick, astreinen Sanitäranlagen und einer Rundschaukel für mich ganz allein 🙂 Für sehr günstig Geld.

Am Ende wartete meine Schaukel mit Seeblick :)

Am Ende wartete meine Schaukel mit Seeblick

Bis ich dahin gelangt habe, musste ich aber erst einmal meine Müdigkeit überwinden. Heute war so ein richtiger „Ich schlapp hier mal so vor mich hin“-Tag. Nach geselligem Frühstück mit Theo und Anni, verabschieden die beiden mich mit Gottes Segen und ich wander wieder für mich allein auf dem E1 gen Süden. Geplant sind heute und morgen kurze Etappen, damit ich Donnerstag erst in Weilburg bin – Freitagmorgen kommt nämlich mein Papa, um mich ein Stück auf den Spuren seines Vaters zu begleiten.

Anni und Theo, meine herzlichen Gastgeber

Anni und Theo, meine herzlichen Gastgeber

Kurzer Tag passt mit gut, denn ich schlappe wirklich gähnend vor mich hin, der doch sehr monotone Weg lässt es auch zu. Ob es Erschöpfung von gestern oder der bisher gelaufenen Woche ist oder vielleicht doch das lieb gemeinte Einmachglas mit Rhabarber von Anni oder doch einfach dieser ewig Wolken behangene, graue Himmel? Wer weiß, aber die ersten 4,5 km bis zum Dreiländereck (Auf wiedersehen NRW, Hallo Rheinland Pfalz und bald auch schon das gude alde Hessenlande) latsche ich so vor mich hin, genauso wie die nächsten 4,5 km bis kurz vor die Fuchskaute. Ab da wird die Landschaft interessanter und die Wege abwechslungsreicher (ich wechsel zwischen dem Rothaar-, dem Westerwaldsteig und dem Wanderweg 7 hin und her). Trotzdem merke ich nich, dass ich bei 10 Kilometer auf die höchste Erhebung des Westerwalds (Fuchskaute 656 m) hinauf bin!

Müde, aber glücklich weil die Sonne rauskommt (Mittag auf dem Fuchskauten)

Müde, aber glücklich weil die Sonne rauskommt (Mittag auf dem Fuchskauten)

Ganz schön windig hier, daher weiter. Man merkt schon, sobald der fast immer wehende Wind mal aufhört, dass die Temperaturen hochklettern, aber die graue Stimmung bleibt noch. Ich sehne mich nach nem Kaffee! Der wird mir „erst“ bei 14 Kilometern in einer Bäckerei gewehrt. Gegen halb zwei raff ich mich zum Weitergehen auf – das Koffein scheint zu wirken, vielleicht aber auch die Wärme, die die nun immer mal wieder durchbrechende Sonne bringt. Wahrscheinlich beides. Zumindest läuft es sich jetzt beschwingt, ich freu mich über Federvieh auf der Straße, über das Herumschwingen meines Wanderstocks und das Wasser, das ich bald erreiche.

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Zu einem der beiden Campingplätze an der Krombachtalsperre will ich heut, dafür muss ich an einer Uferseite drum herum. Ach so ein See, der tut dem Gemüt schon gut. Weniger gut ist, aber irgendwie auch schon fast eine logische Konsequenz, dass ich kurz vor dem Ziel noch ein paar Fitness-Kilometer sammel: Ich laufe an einem kleinen zum Ufer abzweigenden Pfad vorbei, bin mir nämlich sicher, dass es da nicht weiter geht (alles Naturschutzgebiet hier) und ich über die Talsperre muss. Einen halben Kilometer weiter komm ich an die Sperre, da ist aber kein Weg. Eija gut, dann wieder zurück zum Uferpfad – der aber wie gedacht 250 Meter weiter im Wasser endet. Häh? Mir bleibt nichts anderes übrig, als den anderen Weg nun zum dritten Mal zu gehen…

 

Ich muss drüber lachen, bin eh erst bei 17 oder 18 Kilometern, das Wetter ist gut geworden, es ist keine 15 Uhr, da lässt es sich auch noch schön weiter wandern. 🙂 Den Verbindungsweg über die Sperre scheint es nicht (mehr) zu geben, ich muss ein Dreieck laufen, um zum angepeilten Ufer zu gelangen. Kurz krieg ichAngst: Ist der Campingplatz hier nur für Dauercamper und Segelmitgleider und ich muss nun wirklich zu dem andern laufen?? Ne Gott sei Dank nicht, wirkt aber hier so. Die Platz-Dame zeigt mir, wo auch Zelte stehen können: Eine komplett leere Wiese…

 

Ok, das hätte ich auch nich erkennen können 🙂 Super! Das Zelt wird auf einen strategisch günstigen Platz zwischen zwei Bäumchen gesetzt – nicht direkt am Zauntor/der Straße, nicht weit weg von den modernen, sauberen Sanitärräumen, etwas erhöht mit tollem Ausblick über die Krombachtalsperre – und sich davor hingesetzt und erstmal nichts gemacht. Ich lass mir die Sonne ins Gesicht scheinen und freu mich einfach mal, nicht zu laufen, nicht irgendwas aufzubauen, nichts zu schreiben und nichts zu waschen. Herrlich.

My tent is my home :)

My tent is my home 🙂

Ok, gewaschen wird später schon noch, dann aber entdecke ich im hintersten Eck der Wiese eine dieser Schaukeln mit rundem Korbgeflecht, mega! Der Platz zum Schreiben des Blogs und für den heutigen Abend ist gefunden. 🙂 Den werde ich nur verlassen, um endlich mal meinen Gaskocher zu benutzen: Nudeln mit Paprika und Paprikapesto winken! Glücklich sein kann so einfach sein – vor allem wenn man es direkt vor dem einsetzenden Regen ins Zelt schafft.

Gelaufen: 19,7 km

Motto: Wasser + Wiese + Zelt + Schaukel = glückliche Hanna

 

Gaskocher eingeweiht - endlich!

Gaskocher eingeweiht – endlich!

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Hanna,
    Gerade deinen Mittwoch gelesen und auf der Karte nachgeschaut, wo die krombachtalsperre liegt und gesehen, dass das bei rennerod liegt. Dort habe ich meine Grundausbildung bei der Bundeswehr gemacht. Da kommen auch alte Erinnerungen.
    Weiterhin gute Wanderung und Gruß an Roland.

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