Pfingstmontag, 16. Mai, Tag 7: Weil kein Kuchen auch keine Lösung ist

Steht auf einem der zig tollen, lustigen, bedeutungsvoll- bis bedeutungslosen Schilder, in einem der schönsten Cafés, die ich je besucht habe! Und das sage ich nicht nur, weil das Kuchenschlößchen meine unerwartete Bleibe für heute Nacht werden sollte. 😀 Stellt euch mal vor, ich würde keinen Kuchen essen! Oder gar keinen Kaffee trinken! Ich wäre nie hier gelandet und das wäre ja wohl sehr sehr seeeeeehr schade gewesen… Also Leute, esst mehr Kuchen! 😀

 

Dabei habe ich mir die zwei (ja genau, zwei, nicht ein!) Stücker Kuchen kaum verdient! Der Weg ab der Herberge in Morsbach war eigentlich recht entspannt. Allerdings war ich morgens schon recht stolz auf mich, als ich wider besseren Wissens (und Aussage von letztem Freitag „Wenn Hanna wieder clever sein will, lässt sie es“…) unten in Morsbach beschließe, mir den kürzesten Weg zurück zum X11 zu suchen, statt einen Teil zurück zu latschen. Ich gebe zu, hätte auch wieder schief gehen können. Is aber nich *freu* Nur einmal quere ich ein kurzes Stück von vielleicht 50 Metern durch den Wald, nicht auf dem Weg, bin damit aber dann da, wo ich rauskommen wollte. Geht doch 🙂

Realiesieren, wo ich bin

Realiesieren, wo ich bin

Die ersten 4 Kilometer also gemeistert (statt 7 oder 8 drumherum und bergauf), jetzt folge ich wieder dem X11, der mich erstmal ne ganze Weile auf den Verbindungsstraßen zwischen den kleinen Ortschaften auf den Hügeln entlang schickt. Nicht atemberaubend, dafür umso unaufgeregter: Nach etwa 8 Kilometern bleib ich plötzlich kurz stehen und sehe mich um: Um mich rum nur Felder, Wiesen und Wälder,  kein Auto, kein Haus, nur dieser Feldweg und ich. Musste ich doch tatsächlich kurz innehalten, um zu realisieren, dass ich grade genau hier bin. Hab ich mich wirklich ein bisschen in Trance gelaufen 🙂

(Ich weiß, jetzt wundert ihr euch nich mehr, warum ich mich in gaaanz wenigen Ausnahmefällen mal verlaufe…)

Noch scheint immer wieder die Sonne durch die Blätter

Noch scheint immer wieder die Sonne durch die Blätter

Wenig später wechselt der Wanderweg auch von Asphalt zu Schotter und Erde, mal auf breiten, mal auf schmalen Pfaden geht es weiter gen Süden, Südosten. Kurz bevor ich zur Jugendherberge Freusburg komme, stehen dann doch noch ein paar langgezogene Steigungen im Weg. Das ist aber auch gut so, da wird mir wenigstens wieder warm,  gegen mittag hat es sich gut zugezogen.

Woarm geworn beim langen Anstiech

Woarm geworn beim langen Anstiech

Dafür is danach richtig schön!

Dafür is danach richtig schön!

Und Mittach schmeckt viel besser :)

Und Mittach schmeckt viel besser 🙂

 

 

 

 

 

Die Jugendherberge liegt tatsächlich auf oder in der Burg, oben auf einem Berg im Wald: Tolles Ambiente, schöner Rundumblick! Ich überlege, zu bleiben. Einerseits weil es nach Regen aussieht und es ohne Sonne recht frisch geworden ist, und andererseits weil ich nicht weiß, wo ich heut sonst übernachten soll. Aber ich bin erst knapp 19 Kilometer unterwegs, es ist 14 Uhr, und dass ich keinen Schlafplatz habe, hat mich an anderen Tagen auch nicht gestört.

Teil der Jugendherberge Freusburg

Teil der Jugendherberge Freusburg

Ausblick von der Burg

Ausblick von der Burg

Aber heute bin ich unsicher, weiß nicht warum, ich zöger und überlege (bin ich im Zeitplan ja nein? Will ich noch 8 Kilometer bis zum Druidenstein laufen, wo ich vielleicht mein Zelt aufstellen kann? Will ich irgendwo alleine zelten, bei kalter Nacht? usw usf) und fühle mich tatsächlich nicht so wohl, als ich schließlich weiterlaufe (der Trotzkopf in mir, der sagt, klar findest du was für dein Zelt!, spricht da glaub ich…).

Die Sieg (überquere ich über die Brücke, nicht durchs Wasser wie Opa '45

Die Sieg (überquere ich über die Brücke, nicht durchs Wasser wie Opa ’45)

Also runter vom Berg, über die Sieg (die mein Opa 1945 durchs Wasser gequert hat, irgendwo wo es flacher war) und durch die Freusburger Mühle Richtung Kirchen. Dort treff ich nacheinander auf zwei ältere Pärchen, deren Begegnungen eine wichtig Rolle spielen: Die ersten Eheleute sind ein altes Wanderpaar (mit gleichen Regenjacken :-)), die mich natürlich sofort ansprechen, wir quatschen über verschiedene Wanderregionen, sie sagen mir den kürzesten Weg in den Ort rein (ich will einen Kaffee trinken…).

Währenddessen läuft das andere Spazierpaar an uns vorbei, ich hole sie kurz darauf ein und sie sprechen mich an, weil sie mich mit den andern beiden, den Wanderern eben, haben reden sehen. Auch ihnen erzähl ich von meinem Plan (Kaffee) beziehungsweise Nicht-Plan (vielleicht wissen sie vor dem Druidenstein einen Ort zu übernachten?). Sie erzählen a) von der Wirtschaft Waldhaus, das auf dem Weg liegt und wo ich vielleicht nach einem Stellplatz fragen könnte,  und b) vom „ganz ganz schönen, urigen Café“ Kuchenschlößchen, für dass ich nur noch den Waldweg da hoch müsste.

Spricht für sich

Spricht für sich

Klingt, als müsste ich da auf jeden Fall hin! Der Bauch (oder Magen) trifft einfach gute Entscheidungen 🙂 Wenig später bin ich da, gehe ins Café und bin vom ersten Moment an verzaubert – so viele schöne,  alte, ungewöhnliche Dinge schmücken den Raum! Gut, ich werde von den meisten Kaffeegästen komisch, oder sagen wir, verwirrt angeschaut: Ich pass grad so rein mit meinem Rucksack, doch der Chef begrüßt mich gleich sympathisch mit „Landstreicher lassen wir hier nicht rein“! Er bringt mir dann meinen ersten Kuchen und fragt dabei, wo ich noch hin will. Ich erzähle von der Idee mit dem Waldhaus, er sagt: Da draußen ist auch ein Bauwagen wenn du willst.“

Ist das nicht traumhaft?! Ich bin verliebt

Ist das nicht traumhaft?! Ich bin verliebt

… Echt jetzt?! Ja, er meint das ernst – dieser von außen schon so schnuggelisch aussehende Bauwagen, liebevoll geschmückt, wird heute Nacht mein Quartier sein. Einfach so, weil die Menschen nett zueinander sind. Ich kanns noch gar nicht fassen, ess ein zweites Stück (der ist einfach zu lecker der Kuchen!), schau mir den Wagen innen an (genauso so schön wie von außen), frage nochmal, ob ich wirklich darin schlafen darf. „Klar, da ist auch ein Radio oder CD-Player, Heizlüfter wenns kalt wird, später kriegste noch die Schlüssel von den Toiletten.“

Von allen Seiten wurde sich hier Gedanken gemacht

Von allen Seiten wurde sich hier Gedanken gemacht

1463423897201Innen eine Hommage an Ziegen (mehr Niveau als ein Bauwagen nur zum Bier trinken laut Wirt :>), von denen auch 2 draußen stehen 🙂

Vor eineinhalb Stunden habe ich noch Bauchweh gehabt, hab mit mir gerungen und hätte fast in der Herberge geschlafen. Und jetzt sitze ich bei Musik von Eric Clapton und B.B. King (mal ein bisschen Niveau statt meiner Musik ;>) in eimem urgemütlichen Bauwagen, nebenan zwitschern die Vögel in der Voliere, während ich mein Glück nicht fassen kann und dies hier schreibe.

Punkt – wollte ich eigentlich den Tag beenden. Doch es klopfte. Der Chef bringt mir ein unglaubliches Menü vorbei (ich habe vorhin gesagt, dass ich Essen dabei habe, ehrlich!)…

Fast schon dekadent ;) Hach, einfach glücklich

Hach, einfach glücklich

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich stammel nur immer wieder Danke, oh Gott, also das hätte doch nicht, danke, danke… Derweil wird noch der passende Rotwein geholt… (Fast) Sprachlos versuch ich ihm zu erklären, warum ich ihm jetzt ein nepalesisches Räucherstäbchen schenke, bringe aber nur „als kleines Dankeschön für alles“ raus. Ich bin echt geplättet. Und habe noch nie so gutes Pfannengemüse in einer Tunke gegessen, ich hab sie fast noch ausgetrunken!

Fazit: Ich bin übersatt, überglücklich, überdankbar und überhaupt total überschwänglich!

Gelaufen: 22,1 km

Motto des Tages: „Zu viel des Guten kann wundervoll sein“ (Schild am Kuchenschlößchen)

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2 Kommentare

  1. Bist halt ein Gllückskind – Mama
    Bauwagen und Kuchen, besser geht’s nicht. Papa.
    Bist du den in 2 Tagen ungefähr in Weilburg, oder wählst du eine andere Richtung. Ich würde dann ab Freitag ein Stück mitwandern. Ppap

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