Freitag, 29. Mai und Samstag, 30. Mai: Er kam, sah und ging vorüber…

Hört sich nac

h einem miesen Tag an? Das war er eigentlich nicht. Nur eben, naja, am End vom Tag war ich doch froh, angekommen zu sein. Und sogar trockenen Fußes! Hatte es die Nacht über immer wieder geregnet, begrüßte mich der Morgen mit Sonnenschein. Der sehr frühe Morgen, denn Torben war so lieb, mich auf dem Weg zu seiner Arbeit in Münchberg rauszuschmeißen. Nach der herzlichen Verabschiedung biss ich erstmal in das frittierte typisch fränkische Gebäck, das Torben mir noch mit auf den Weg gegeben hatte, und lief dann entspannt durch Münchberg mit einer schönen Altstadt und kleinem Flüsschen.

Unterwegs auf dem E3 (weiß-blaues X), dem Quellenweg (Saar, Main, Eger) und dem Fränkischen Gebirgsweg.

Unterwegs auf dem E3 (weiß-blaues X), dem Quellenweg (Saar, Main, Eger) und dem Fränkischen Gebirgsweg.

Nach etwa 5 Kilometern hatte ich Stadt, Industrie und Konsummöglichkeiten wieder abschütteln können und lief beschwingt durch einen lichten Wald bergauf ins Feld. Ich hatte beschlossen, heute einen entspannten Tag mit weniger Kilometern als üblich einzulegen – als Tribut an die gestrige Verausgabung, ich bin schließlich im Urlaub. 🙂 Und über den Daumen gepeilt auch streckenmäßig gut vorangekommen, zudem sah es nach Regen aus.

Entspannt entspannter Hanna

Entspannt entspannter Hanna

Mit dem Gedanken lief ich daher ziemlich entspannt auf dem E3, der nach den ersten schönen Wald- und Wiesenabschnitten leider wieder mit Forstwegen durch Feld glänzte und sich von Kaff zu Kaff, ähm tschuldigt, von Ort zu Ort schlängelte. Also Asphalt oder kiesig staubige Erdböden, kann ich ja leiden, aber wie gesagt: Wer an einen entspannten Tag denkt, läuft auch noch bei der Feststellung entspannt, eine Abzweigung verpasst zu haben. Noch immer in Sonnenschein laufe ich 500 Meter zurück, laufe dann (da ich ja Karten lesen kann) quer durch ein paar Felder und komme so weiter vorne zurück auf den E3. Kein Problem 😉

Die kommen erst jetzt, in Zell im Fichtelgebirge. Habe ich mich gestern über die 650 Meter Grenze gearbeitet, wird heute die 800 Meter geknackt werden – und zwar schon in der Stadt am Fuße des Berges Waldstein. Ich kämpfe mich mittlerweile weniger entspannt nach oben, diese staubigharten bäh bäh-Forstwege und Straßen waren doch Gift für meine Fußsohlen. Nach zwei Kilometern (der direkte ergo steile Weg statt dem E3 außen rum natürlich…) bin ich aber oben auf circa 830 m Höhe am Waldsteinhaus angekommen – wunderschöne mystisch liegt es im Wald und an bemoosten Felsformationen. Gerne hätte ich den Rundweg um die Waldsteinspitze gemacht, aber es sieht extrem nach Regen aus, es windet ziemlich heftig und ich bin auch „schon“ bei fast 16 Kilometern.

Mittag mitten im Wald, noch bei ganz gutem Wetter

Mittag mitten im Wald, noch bei ganz gutem Wetter

Daher geht’s nach Johannisbeerschorle und einer Kinderportion Pommes bergab Richtung Weißenstadt. Es geht ziemlich steil bergab, aber auf weichem Waldboden und durch freundlichen Wald. Unten angekommen ist es nicht mehr weit zum Campingplatz, ich baue mein Zelt auf – eine halbe Stunde später fängt der Regen an und macht nur zwischendurch ab und an Pause. Noch ist es aber leichter Nieselregen, in der Nacht mutiert er aber leider in The Gozilla Rain und lädt Schwester The Holy Wind ein.

Richtig Gas geben die beiden am nächsten Morgen (Samstag, 30.5. – Alles Liebe zum Geburtstag, Tante Inge!): Zwischen 7 und 10 Uhr kann ich außer einem schnellen Gang ins Badhaus nichts tun als abzuwarten, bis alles wenigstens ein bisschen nachlässt. Dann baue ich Zelt ab und laufe mit dem nassen Pack unter der Hand Richtung Altstadt, wo ich mich erstmal in ein Café (ein ziemlich gutes dazu) setze, um meine Möglichkeiten abzuwägen:

1. Ich hatte gestern auf der Wanderkarte schon gesehen, und ein erneuter Blick bestätigt dies, dass die nächste Strecke möglicherweise eine der schönsten meines Wegs und der kommenden Tage sein wird: Es geht über mehrere Aussichtsgipfel, darunter ddr mit über 1000 m höchsten Berg des Fichtelgebirges, den Schneeberg. Dazu keine Ortschaften, keine Straßen, also sehr wahrscheinlich tolle direkte Natur und hoffentlich auch schöne Wege.

 

2. Will ich diesen vermutlich schönen Weg im dicksten Nebel, starken Wind, unangenehmer Kälte und sicher einigen Regenschauern (wie den ganzen Tag über schon) laufen? Dazu mit einem Zelt, das jetzt den 3. Tag nass ist (von den klammen Klamotten mal abgesehen, aber die haben es relativ gut überstanden, ich liebe mein Zelt!!!).

 

3. Soll ich mit einem Bus in eines der nächsten Orte auf dem E3 fahren, damit ich nicht hinter meinem Zeitplan hänge? Dann würde ich allerdings alle Gipfel verpassen…

 

Ich denke, daraus lässt sich mein am Ende getroffener Entschluss möglicherweise nachvollziehen: Ich habe lang mit mir gerungen, mit mir und meinem Anspruch, aber ich nehme mir in der Weißenstädter Altstadt ein günstiges Zimmer in einem privaten Gästehaus einer rüstigen 81 jährigen Dame. Und gönn mir Wärme, Trockenheit, Comfort und einen Mittagsschlaf. Langsam lässt das schlechte Gewissen auch nach. Und die Vorfreude auf die morgige Strecke wächst! Dann hoffentlich mit besseren Wetter. Hat sich die Entscheidung gelohnt? Wird sich morgen zeigen…

Worte des (Frei-)Tags: Wer entspannt läuft, läuft entspannter.

Geschafft: 19,8 km

Worte des (Sams-)Tags:

Die Worte zum Tag kommen heute aus der kleinen Pension, Vorderseite...

Die Worte zum Tag kommen heute aus der kleinen Pension, Vorderseite…

Geschafft: 2 km 😉

...Rückseite

…Rückseite

 

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