VerWanderWeg Hasloch – Tschirnitz

Mittwoch, 27. Mai: Glückliche Zufälle und zufällige Glücklichkeiten Oder auch: Schweinebraten und Kaiserschmarrn

Ein überraschend ereignisreicher Tag, der gar nicht so vielversprechend begann, nämlich grau: Ein Blick aus dem Fenster genügte, es sah nach Regen aus, immer noch. Ich verliere nie wieder ein Wort darüber,  dass meine Wandertouren immer von Sonnenschein begleitet würden… Aber In Der Ruhe Liegt Die Kraft-Hanna machte folgendes: Laaaaange und auuuuuusgedehnt frühstücken. Und dabei die Familiengeschichte der Pensionswirtin, ihrer Tochter und des Sohnes kennenlernen sowie die Probleme einer Landpension (Die häufigsten Anfragen potentieller Gäste: 1. Haben Sie WLAN? 2. Wieviel Sterne hat ihr Wellness-Bereich? 3. Welche Kinderanimation gibt es?).

Der Frankenwald, sonst von Nadeln dominiert, aber ab und an finden sich auch Prachtexemplare anderer Art.

Der Frankenwald, sonst von Nadeln dominiert, aber ab und an finden sich auch Prachtexemplare anderer Art.

Nach halb zehn lauf ich los als ich das Gefühl habe, die dickste Wolke hat sich ausgeregnet. Während ich so vor mich hingelaufen war, hatte ich im Kopf, wie schön ich euch trotz Wolkendecke das Wandern beschreiben könnte: Denn die Wege waren so schön, bis auf die Strecken durch zwei kleinere Ortschaften ging es nur durch den Wald, die Beschilderung perfekt! Auch die, härter werdenden, Steigungen waren gut zu meistern (mehr oder weniger), ich bewegte mich langsam auf Höhen zwischen 400 und 500 m. Doch wenn ich hier noch weiter ins Detail gehen würde, verliert ihr wahrscheinlich die Lust am Lesen, bevor die unerwarteten Glückseligkeiten überhaupt zur Sprache gekommen wären. 😉

Fränkischer Humor, meinen trifft's :-)

Fränkischer Humor, meinen trifft’s 🙂

Es fing an in Glosberg, wo ich nach ca 11 km gegen Mittag ankam. Es war ziemlich windig, daher wollt ich mich gerne bei einem Kaffee oder so aufwärmen. Jaaaa tja, is nich so einfach in der Gegend. Der einzige Mensch, den ich überhaupt im beschaulichen Wallfahrtsort Glosberg traf, stand an seinem Traktor im Hof. Ich grüß Gott’ete wie in Franken üblich und fragte, ob man denn hier irgendwo ein warmes Getränk bekommen würde. Der Mann grinst und informiert mich, dass er der Wirt der einzigen Wirtschaft hier wäre – und diese nur wochenends auf hätte. Klar. Aber wenn ich möchte, könne ich gerne ins Haus mitkommen und einen Tee haben. Da sag ich doch nich Nein, bei dem netten Angebot!

Und schon stand ich in der Küche, wo Frau, Großmutter und Tochter versammelt waren. Nach anfänglichen Fragezeichen wurde ich an einen Tisch gesetzt und der Tee zubereitet. Doch noch ehe der Tee fertig war, noch ehe ich Ja oder Nein sagen konnte, ja, ich würde fast sagen, noch ehe ich richtig saß, stand vor mir ein dampfender Teller Schweinebraten,  Sauerkraut, Karöttchen und Kartoffeln. Auf die Frage: Oder sind Sie Vegetarier?, wurde auch keine richtige Antwort erwartet. Nur auf die Frage, ob ich katholisch sei. Ich durfte trotz eines Neins bleiben, hatte die Gabel aber sowieso schon zum dritten Mal in den Schweinebraten gesteckt, war aber auch lecker!

 

Schwupsdiewups war ich nach Beendigung des überraschenden Mahls und des warmen Tees schon wieder auf der Piste. Und musste kurz darauf laut lachen: Da fragt man nach ner Gaststätte, den einzigen Menschen, der überhaupt zu sehen ist, und kommt zu nem Schweinebraten. Später soll mir von meiner Begleitung am Donnerstag noch erzählt werden, dass das typisch fränkisch wäre: Lieber einen Schweinebraten zu viel im Haus haben, man weiß ja nie.

Die Strecke danach ist ein Traum! Ich wähle zwar eine der steilsten Steigungen bisher (kürzer als außen rumzulaufen, manchmal hasse ich mich für diese Entscheidungen…), aber wieder im Wald und es folgen abwechslungsreiche Pfade und Landschaften, bei denen auch die Aussicht auf den Frankenwald lockt. Ziel sollte in etwa die Effelter Mühle sein, wo laut meines Frankenwald-Insiders eine Art Jugendcamp einer christlichen Organisation oder Kirche sei. Vielleicht könne ich dort mein Zelt aufstellen oder auf dem Dachboden der Scheune pennen, wenn ich nett fragen würde. Aber es kommt ja immer anders.

 

Obwohl ich schon dabei bleibe, dorthin zu laufen: Durchs traumhafte Wilhelmstal – am Fluss entlang, durch Wiesen, über schnuckelige bis baufällig aussehende Brücken,  schmacht! – gehts bis zur Effelter Mühle. Dort sind auch ganz viele Menschen, vor allem Kinder, aber die erste Dame gibt Auskunft: Sie hätten das Jugendhaus gemietet, von den Betreibern der Mühle wäre keiner mehr da und dort unten im Zeltcamp wäre auch noch eine andere Gruppe. Mh, heißt das jetzt für mich, ich kann hier bleiben, obwohl die Gruppen das Grundstück ja jeweils gemietet haben? Nach 24 Kilometern habe ich keine Lust, weiterzulaufen.

Traumpfade!!!

Traumpfade!!!

Also runter zu den Holztischgruppen vor dem Zeltlager und sich der Gruppe mal angenähert. Etwas neben mir sitzt ein Mann, der sich später als Gemeindepfarrer von Fürth rausstellen sollte, kaut auf seinem Brot. Ich will ihn dabei erstmal nicht stören und sitze also abwartend daneber. Prompt fragt Rainer, also der Pfarrer, wo ich noch hin will. Joa, ich erklär die Situation, er sagt Moment, geht zu ein paar anderen Männern, kommt wieder und sagt, das Orgateam hätte entschieden, mir entgegen der Freizeitcampregeln die Erlaubnis zu erteilen, mein Zelt auf den Platz neben den Tischgruppen aufzustellen…

Unten links im Bild steht die Effelter Mühle mitten im Tal und mitten im Funkloch, Balsam für die Seele. Links unterhalb der Mühlengebäude seht ihr das Camp.

Unten links im Bild steht die Effelter Mühle mitten im Tal und mitten im Funkloch, Balsam für die Seele.

Damit war ich mittendrin statt nur dabei, volle Lotte integriert, direkt eingespannt und sofort herzlich aufgenommen in die VATER-KIND-ZELT-FREIZEIT! 🙂 Mein Zelt stand keine fünf Minuten, da wurde ich zum Abendessen geladen. Fragt nicht nach Sonnenschein, es gab eine Riiiiiiiesenmenge an sauleckerem Kaiserschmarrn, zubereitet in gusseisernen Pfannen, mit Apfelmuß natürlich und einer ebenso riesigen Menge an Zucker. Wanderherz, was begehrst du mehr?

Vater, Kind, Lagerfeuer, Akkordeon, Gitarre und ich :)

Vater, Kind, Lagerfeuer, Akkordeon, Gitarre und ich 🙂

Nach drei Portionen – mickrig im Gegensatz zu den Kindern, die ein Wettessen draus machen – werde ich von Julius zum Frisbee spielen animiert. Zack, steh ich mit den Jungs (und vier Mädels) zwischen 6 und 12  Jahren im Kreis und werfe Frisbee oder so einen pfeifenden Ball. Damit hört mein heutiges Entertainment aber noch nicht auf: Wir setzen uns ums Lagerfeuer, wie es sich fürs Zelten gehört,  schwärm!, Gitarre und Akkordeon werden ausgepackt,  die Liederbücher verteilt – nach anfänglicher Zurückhaltung gröle ich wenig später auch das Klopapier-Lied mit!

Als es langsam dunkler wird, erzählt Rainer eine Geschichte weiter, es geht um die Pilgerväter, die in Amerika bei den Indianern landeten – es ist die friedliche Version, in der die beiden Völker glücklich zusammen leben und voneinander lernten. Am Ende finden sie das Herz des großen Manitus, nicht nur gedanklich als Symbol der Liebe, sondern ich sehe es vor mir als aus Holzteilen zusammengesetztes Puzzel, ein großes buntes Holzherz!

Um zehn rum ist es dunkel genug und wir gehen mit dem Herzen zu einem Bach-Becken oberhalb der Mühle. Das Herz wird auf ein Floß gestellt, jedes Kind und auch ich dürfen ein Windlicht anzünden, das wir in je eine Aussparung im Holz stellen.

 

Beeindruckende Erfahrung: Danke liebes Vater-Kind-Freizeitteam!

Beeindruckende Erfahrung: Danke liebes Vater-Kind-Freizeitteam! Ich hatte eine ebenso faszinierende wie lustige Zeit mit euch.

Und dann schwimmt es, das brennende Herzen, mit dem Feuer des großen Manitu, mit dem Feuer meiner Ahnen wie es mir scheint. Ein einzigartiger Abend, nach dem ich glücklich (wenn auch frierend) einschlafe.

Worte des Tages: Pech und Glück liegen nah beieinander, man muss sie nur für sich definieren.

Geschafft: 24,5 km

Dienstag, 26. Mai: Waldlauf, Wiesenlauf, Wonnenlauf – und Eier-Weitwerftraditionen…

Heute fühlte ich mich so wie dieser tierische Freund (ok, schon vorgestern abgelichtet):

 

 

Spring spring spring :)

Spring spring spring 🙂

Es lief einfach, es lief. Bin gemütlich los, erst nach 10 und auch wenn es immer noch schwül und wolkenbehangen war, war es wenigstens trocken. Aus dem städtischen Umfeld raus, fand ich meinen E3 schnell und – was soll ich sagen – die ersten 15-20 Kilometer waren die bisher schönsten E3-Abschnitte! Man merkt, ich bin fast im Frankenwald.

Wald wald Wald! Sieht aber sonniger aus als es ist

Wald wald Wald! Sieht aber sonniger aus als es ist

 

Steil und schön!

Steil und schön!

Nur Wald- und Feldwege, ein paar kleine Trampelpfade, schöne steile als auch gemütliche Abschnitte. Weiche Böden, nur wenige Orte oder Asphalt zwischendrin, deswegen liebe ich das Wandern. Auch die Beschilderung war hervorragend – bis auf einmal, prompt lief ich vorbei, aber raffte es nur 150m weiter. Gott sei Dank, denn zurück an der Kreuzung bestrahlte die Sonne eine Bank am Waldrand auf einer Wiese. Zeit für Mittag, nach 11 Kilometer wandern ist das genau richtig 🙂

Auch die Steigungen machen Spaß

Auch die Steigungen machen Spaß

Danach ging es steil den Berg rauf in den Wald und dort auf dem Grat entlang (ja, es gibt einen Berggrat auch schon auf 480 m :-)). Einer meiner Lieblingspassagen definitiv! Und wenn ihr euch schon immer gefragt hab, was ich alleine rumlaufend so mache: Jap ich singe, rede mit mir selbst und benenne alles was ich sehe laut, also „Schaf!“, „Falke!“ oder „Hund!“. Jap, ich stehe dazu, das macht mir Freude.

Berggradlauf!

Berggradlauf!

Vom Birkiger Berg ging es nur leicht ins Tal runter, dann direkt auf den Fürther Berg. Schon von weitem dachte ich, ist doch lauter hier als die ganze Zeit, keinen einzigen Menschen hatte ich bisher getroffen. Ich bieg also um einen Hügel und – stehe auf einer Lichtung mit einer überdachten Tischgruppe, einem Hund, einem Grill, einem Bollerwagen und 7 Männern. Da bin ich scheinbar von der Coburger Studentenconvention zum Burg(ruinen)enfest der Fürther gekommen 🙂 Eigentlich werden Frauen, die sich am Pfingstdienstag auf den Ruinenberg trauen, am Baum festgebunden bis abends. Da ich aus der Fremde bin, darf ich aber frei bleiben. Das Bier und die Teilnahme am Eierweitwerf-Wettbewerb lehn ich dankend ab, sonst komm ich nich mehr heile runter 😉

Traditionen an Pfingsten die Zweite

Traditionen an Pfingsten die Zweite

Nach dem richtig netten Stop geht es mit etwas mehr Asphalt und kleinen Dörfern weiter, richtig niedliche Dörfer, verbunden durch einen Baumlehrpfad (…). Die letzten Kilometer ziehen sich ja immer, und na gut, ich verlauf mich noch mal in einem Wald, aber – am End war das der kürzere Weg, bujaaa, 3:1 für Hanna.

Der E3 und ich,  ein Dreamteam

Der E3 und ich, ein Dreamteam

Und am Ende komm ich in Mitwitz raus, schönes Schlösschen am Anfang, und laufe zur Pension Birkenhof (Motto Landurlaub). Weil den ganzen Tag lang sieht es schon nach Gewitter raus und ich habe keine Lust, wieder nass zu werden oder im Blitzgelicht aufzuwachen. Daher freu ich mich, sogar zweimal: Eigentlich hatte die nette Gastgeberin grade das letzte Zimmer an Monteure vergeben, macht mir aber das Wäschezimmer frei, und 5 Minuten nachdem ich ankomme, fängt es an zu regnen. Also, alles genau richtig gelaufen 🙂

Worte des Tages: Jede Socke hat eine zweite Chance verdient!

Schöne Wege, schöner Tag

Schöne Wege, schöner Tag

 

Pfingstmontag, 25. Mai: Nass nässer am nässesten – und am Ende Studentengelage

War wohl nicht mein Tag heute,  aber jeden trifft mal der Regen und ich bin ja kein Schönwetterwanderer 😉 Wäre ich aber gern wenn ich könnte, aber die Zeit bleibt ja nich stehen, und so bin ich die 27 Kilometer bis Coburg gewandert – mal im Trockenen, mal im Nieseln und mal im Dauerregen.

Regen? Was soll man machen

Regen? Was soll man machen! Besser beim Laufen nass werden als im Stehen 🙂

In der Stadt endlich angekommen,  durfte ich feststellen, dass hier ein seit Jahrhunderten stattfindendes Studentenburschenfest stattfindet,  an Pfingsten, jedes Jahr. Sonst dem Feste und fremden Menschen ja grundsätzlich zugeneigt, war ich heut um 16 Uhr durchnässt nicht grad in Laune,  vor allem weil es schwer war, ein Zimmer zu bekommen.  Aber am End hab ich eins gefunden, Waschtag war angesagt.  Sonst nur Erholung für die nächsten Kilometer.

In diesem Sinne,  gute Nacht!

Pfingstsonntag, 24. Mai: Da ist der E3! Oh, wieder weg. Oh wieder da!

Jaaa, ist es ja auch Wege mäßig ziemlich glatt gelaufen bisher. Da muss schon mal ein Stück der Verwanderin Hanna durchkommen. Während ich das hier schreibe, sitze ich auf einer Art Lagerplatz im Wald, hinter mir mein Zelt,  vor mir der Kocher und um mich rum Bäume, Felsen und zwei miteinander laut kommunizierende Uhus.

Doch angefangen hat der Tag nach einer warmen und bequemen Zeltnacht morgens um 7 bei den Rauprichs am üppig gedeckten Frühstückstisch – ganz toll, der Frühstückstisch wie die Menshen! Dementsprechend lang fiel di Nahrungsaufnahme aus, aber das nehme ich gerne „in Kauf“ für so viel Gastfreundschaft und Gesprächsesprit. Zudem bot mir Frau Rauprichs an, mich nach Sternberg (dort sollte ich erstmals auf den E3 treffen) mitzunehmen. Da die Karte viel Asphalt auf gemischten Rad-/Wanderwegen prophezeite und ich voran kommen mag, nahm ich am Ende doch an und lies mich dorthin kutschieren. Leider vergaß ich beim Abschied, der pensionierten Lehrerin Sonnenblumensamen zu schenken, die ich schon in die Hosentasche gesteckt hatte 😦 Waltraud, falls Sie dies lesen: Entschuldigung – fordern Sie einfach ein paar Samen bei den Hennings ein! 🙂

Die tolle Gastgeberin

Die tolle Gastgeberin vor ihrem Haus

Und dann war es soweit: Der Europafernwanderweg E3 und ich sahen uns das erste Mal! Ja, ich stand vor dem Schild, schrie laut JIPPI und fotografierte das (völlig unspektakuläre, farblose) Schild. Und folgte ihm gemächlich durchs Feld so ca für 4, vielleicht 5 Kilometerchen bis zu einem abbiegendem Radweg. An dem kein E3-Schild oder Zeichen zu sehen war. Also geradeaus in den Wald – ja ok, der Weg war schon zu Beginn ziemlich zugewachsen, aber das sind selten genutzte Wanderwege eben auch mal. Umkehren hätte ich sollen,  als der Weg quasi nicht mehr ganz erkennbar war beziehungsweise zu einem Forstweg wurde und auch das andere Wanderschild (der Specht Rundwanderweg, der mir im Laufe des Waldes immer mal wieder begenen würde) nicht mehr auszumachen war. Aber ihr wisst ja, umkehren ist scheiße. Punkt. Außerdem hatte ich ein guuutes Gefühl: Der Himmel war zwar voller Wolken, aber wo es ungefähr am hellsten war, darauf lief ich grob zu, etwas weiter östlich. Was ok war, denn am End gehts nach Osten, klar.

 

Irgendwo sollte da ein Weg sein...

Irgendwo sollte da ein Weg sein…

Also als weiter durch den Forst bis ich irgendwann rechts eine Stelle ohne Bäume ausmachen konnte. So gelang ich zurück auf einen Feldweg, dem ich einfach immer weiter südlich oder östlich folgte, je nachdem was möglich war. Tatsächlich schaffte ich es, so zu ner Ortschaft zu kommen. Ich war total hibb

elig umso näher ich dem Ortsschild kam: Hab ichs diesmal hingebogen oder doch wieder völlig versaubeutelt?!? Tadaaa, das war nich so schlecht 😉 Ich war sehr viel östlicher gelaufen als der E3, aber wenn ich es schaffen würde, einfach südlich wieder auf den E3 zu stoßen,hätte ich keinen Umweg gemacht, eventuell sogar ein zwei Kilometer gespart. Wenn…

Doch leider wurds dann kompliziert, weil die Waldwege, auf die ich mich begab, leider nicht markiert waren. So wanderte ich nach Beschreibung eines Bewohners, meiner Karte und meines Orientierungssinnes. Lief nicht ganz sooo hervorragend,  aber auch nich gründlich schief: Ein paar hundert Meter musste ich mich irhendann bergab durch hüfthohe Dornensträucher und niedrige Bäume kämpfen (sorry an das Kleinbiotop :-(), um wieder auf einen befestigen Weg zu gelangen. Ich war erst 8,9 Kilometer unterwegs, aber das Kreuz und Quer (obwohl auch schöne Passagen durch den Wald) am Ende hatte Kräfte gezehrt.

Ein zufällig vorbeikommender Jogger konnte mir glücklicherweise auf der Karte zeigen, wo wir sind, und heiter weiter ging es entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, auf der ich letztendlich bis zu einer Aurostraße lief (11km). Der etwas ungeplante Weg hat mir immerhin dieses  geschichtsträchtige Erlebnis beschert und auch wenn ich nun noch knapp 3 km auf und dann an der Straße entlang laufen musste – so schlimm war’s am End nicht. 😉 Auch wenn ich mir erst Mittag gönnen wollte, wenn ich den E3 wieder betreten würde.

Beim erneuten Zusammentreffen bei Kilometer 15,56 (kurz hinter Allertshausen) war ich für Freudensprünge zwar zu kaputt, aber innerlich freute ich mich als hätte ich einen verlorenen Wandersocken wiedergefunden. Die Pause musste noch warten, trotz der endlich hervorkommenden Sonne wollte ich erst den Basaltberg vor mir erklimmen. Direkt nachm Mittag ist man sonst gleich wieder kaputti. Also rauf auf den 462 hohen Zeilberg, anstrengend, aber ein schöner Rastplatz (und beliebter Ausflugsberg für Familien, was ein Rummel!) ward gefunden (14.30 Uhr, 16,8 km). Tatsächlich erwischte ich eine ruhige Lücke zwischen den Gruppen, die um das Bergplateau spazierten.

Um den Berg oben rum und hinab fand ich zum ersten Mal ein Schild mit Kilometeranzahl: 5,5 km noch bis Altenstein, wo laut meiner Karte ein Campingplatz HÄTTE SEIN SOLLEN… Ich also neu motiviert drauf los, lieblich schien die die Wolken endgültig verdrängt habende Sonne durch den Wald, hätte ich pfeifen können, hätte ich gepfiffen. Allerdings zogen sich die letzten 2 Kilometer dann doch wieder, ich liebe ja Trampelpfade mehr als die breiten eintönigen, aber so direkt vorm Ziel, wenn man von der Strecke ausgelaugt ist. Naja, liegt in der Natur der schönen Wanderwege, dass sie bergauf und bergab führen 🙂

Zudem liegt Allenstein wunderschön auf einer Kuppe, rundherum Felder und Wälder und Täler. Altenstein hat eine Burg(ruine), eine Kirche und niedliche alte Gässchen – aber keinen Campingplatz. Das gibt mir eine Einwohnerin zu verstehen, die ich nach besagtem frage. Gott sei Dank frage ich bei ihr nach, denn sie gibt mir einen Tag rettenden Tipp, der mir 9-11 weitere Kilometer bis Sesslach spart: Ich solle beim VCJH Heim nachfragen, vielleicht hätten die mittlerweile Zeltplätze. Haben sie nicht. Doch die Besitzerin des Jugendheims, die nebenan wohnt, sagt mir, dass sie noch bis morgen zu hätten. Ich könne mich mit dem Zelt etwas oberhalb in den Wald stellen, da wäre eine Art Lagerplatz… Mega!!! Ich checke jede Ecke der Location und entscheide mich für den VIP Platz hinter der Feuerstelle, zwischen Holzstammbank und Felsen. Perfekt.

Der Platz war gut geschützt, warm und viel weniger unheimlich wie befürchtet

Der Platz war gut geschützt, warm und viel weniger unheimlich wie befürchtet

In der Schwimmbadgaststätte etwas weiter lasse ich den Abend ausklingen und besorge Wasser zum Nudelkochen. Nach dem vorzüglichen Mahl und nach diesem Blog bin ich nur mal gespannt, ob die Nacht im (lichten) Wald unheimlich wird.

Worte des Tages: Nahe liegen Glück und Pech zusammen, man darf sie nur nich verwechseln.

Geschafft: 24,7 km, ca 5 h 10 min

Glückliche Wanderin

Glückliche Wanderin

Samstag, 23. Mai: Noch eine Oma aus dem Sudetenland, die 90 geworden ist…

…oder Warum ich das Land so mag. Aber dazu erst ab Mittag.

Nach kurzem, aber erneut warmen Schlaf und sehr gutem Frühstück machten die Vier Freunde und Bily der Hund sich auf in neue Abenteuer. Es galt, den Weg zum Gerüchte umworbenen Kloster Maria Bildhausen zu finden, wo die Nonnen angeblich einen Golfplatz haben bauen lassen. Diesem erstaunlichen Fakt wollten die Fünf selbst auf den Grund gehen und machten sich auf den 7,6 km langen Weg. Dank hervorragender Spürhund-Qualitäten fanden die Gefährten das Kloster problemlos – just als sie eintrafen, riss die bewölkte Himmelsdecke auf und tauchte das Klostergelände in strahlendes Licht. Noch nicht sichtbar, aber in alle Pläne vor Ort eingezeichnet – der Golfplatz! Das Geheimnis ward gelüftet und glücklich konnten die Vier Freunde und Bily der Hund einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. Zufrieden saßen sie in der Sonne, tranken Naturtrüben Apfelsaft und selbstgemachte lecker bis gesunde Klosterspeisen.

Doch es hieß Abschied nehmen: Lena, Matthias und Kerstin mit Spürnase Bily hatten in der großen Stadt neue Geheimnisse zu lüften: Verliert man die Fassung, wenn die Glühbirne beim Wechseln zerbricht oder zerstört man dann nur das Glashaus in dem man sitzt? Meine Wenigkeit machte sich auf, den Schatz im Wrack am Ende des Regenbogens zu heben…

Klosterabschiedsszene bei Licht (Drehbuchanweisung)

Klosterabschiedsszene bei Licht (Drehbuchanweisung)

Dazu schlug ich den klanghaft klingenden Kreuzweg HW 07 ein, lief durch besagten 2-3 km langen Golfplatz und dann nach kurzer Feldpassage auf eimem schönen Grasweg durch lichten Wald bis Kleinebstadt (14,3 km). Sehr nettes Städtchen, es hatte extra für mich eine Blaskapelle organisiert und einen Aufmarsch von Feuerwehr und lauter festlich angezogenen Menschen! Ich bedankte mich Taschentuch wedeln und mit Tranchen im Augenwinkel bei der Menge und zog weiter – einen langgezogenen Asphaltweg durchs Feld. Unspannend.

Ehre wem Ehre gebührt ;-)

Ehre wem Ehre gebührt 😉

Ziel war Bad Königshofen, was genau dort, keine Ahnung. In erlaufbarer Distanz gab es keinen Campingplatz, Pension kam nach 2 Tagen „Luxus“ nich in die Tüte, aber mit gesundem Optimismus dachte ich: Es wird sich schon ein Plätzchen für mein Zelt finden. Grade als ich mit mir selbst schimpfen wollte, weil ich a) in Kleinebstadt das Angebot der Hochzeitsgesellschaft ausgeschlagen hatte, was mit ihnen zu trinken und b) weil ich kurzfristig wieder einen anderen Weg gewählt hatte (weil direkter in die Kurstadt), der aber total ätzend weil eintönig (ok die Infoschilder über die Bieber waren richtig cool!!!), asphaltiert und fast parallel zu ner Straße. Grad da als ich zu lamentieren anfangen wollte, treffe ich auf das Ehepaar Hennings. Sie fragen nach meim Gepäck und Ziel, ich erzähle unter anderem die Geschichte meiner Oma. Frau Hennings ist just letzte Woche ebenfalls 90 geworden und stammt aus dem Sudetenland, allerdings sehr viel weiter östlich. Ist das nicht ein dicker Zaunpfahl, den mir das Schicksal ins Gesicht klatscht? Hätte ich nur eine der 2 Entscheidungen, die ich eben noch reute, nicht so getroffen, hätt ich diese tollen Menschen nicht getroffen, die mir anbieten, auf ihrem „Parkplatz“ (ein Ackergrundstück) mein Zelt aufzustellen. Ich bin glücklich, die beiden auch! Sie erklären mir den Weg (ich bin mir unsicher ob ich das so finde..), ich gebe ihnen dankbar die Sonnenblumensamen meinee Tante und wir ziehen alle des Wegs, zufriedener als davor. 🙂

Die Hennings :-)

Die Hennings 🙂

Und jetzt, nicht nur wegen dieser Offenheit liebe ich das Land (in Frankfurt würde mich kein Mensch fragen, warum ich jetzet hier so rumlatsch), sondern auch weil es mir nur mithilfe des Nachnamens der Nachbarin ihres Grundstücks gelingt, dieses zu finden! Die Beschreibung war super und 2x frag ich Leute auf der Straße, nur um sicher zu gehen. Beides Mal wissen Sie genau zu welcher Adresse ich will, nachdem ich den Namen der Nachbarin genannt habe. Scheinbar, nein nicht nur scheinbar, sondern sie ist hier im Ort eine Größe, ein Urgestein, deren Ehre ich haben sollte, sie kennenzulernen.

Ich komme also an dem frisch genähten Grundstück an und gehe ans Haus dahinter, denn ich soll besagter Nachbarin ausrichten, dass ich von den Hennings aus dort campen darf. Nach kurzer Überraschung werd ich ins Haus zu Kaffee und Kuchen gebeten… Man kann nie genug Kuchen essen! Ich bin sofort angetan von der quirligen, Energie ausstrahlenden und spritzigen Frau Raupscher, die schon mit 17 per Anhalter Europa bereiste und immer noch begeisterte Weltreisende ist. Also kurz und knapp, wir verstehen uns gut 🙂 Ich schlage das Abendbrotangebot dankbar aus (ich will keine Umstände machen, dazu grad für Pfingsten eingekauft), baue mein Zelt auf und benutze das erste Mal auf dieser Wanderung meinen Gaskocher. Als Frau Raupscher zurück aus der Kirche ist, lässt sie mich noch duschen und fragt sogar, ob sie Wäsche mitwaschen solle. Ach mensch, so viel Nettigkeit. Ihr Mann kam zwischenzeitlich heim und bot direkt die Couch im ausgebauten Keller an – ich wollte aber gerne das Angebot der Hennings wahrnehmen, hatte alles schon fürs Schlafen fertig und wollte die beiden nicht noch weiter belagern.

Nun gut,morgen noch einmal: Um 7 Uhr gibt es Kaffee und Frühstück drüben im Haus 🙂

Worte des Tages: Selbstgestrickte Socken von Omis helfen gegen jede Kälte! DANKE an Oma Raupscher, deren Socken ich von meiner Gastgeberin für die Nacht im Zelt – und meine Wanderung geschenkt bekommen habe.

Geschafft: 23,3 km, 4 h 51 min

Mein Platz :-) Rechts des Grundstücks und der Hecke das Haus der Raupschers.

Mein Platz 🙂 Rechts des Grundstücks und der Hecke das Haus der Raupschers.

Freitag, 22. Mai: What a day for a daydream!

Wandern mit Freunden, Naturschutzgebiet, Sonne,  Radler, Kuchen, Frankewein. Brauch ich mehr zu sagen?!

Matthias, Kerstin, Lena und Bily the Kid (nicht zu sehen, da am Haken schlagen): Geil dass ihr da ward, Danke danke danke!!!

Matthias, Kerstin, Lena und Bily the Kid (nicht zu sehen, da am Haken schlagen): Geil dass ihr da ward, Danke danke danke!!!

Geschafft: Bad Kissingen – Münnerstadt 13,5 km, ca 3h

Worte des Tages: Achtung, Wein aus der Tankstelle kann Lachflashs verursachen! 🙂

Donnerstag, 21. Mai: Was auf der Karte gar nich so nah aussieht, ist auch nicht so nah

Deswegen kürzte ich ab wo ging, bin ja clever, also manchmal… Tatsächlich waren meine Abkürzungen auch keine Verwanderwege oder ungewollt schöne Schleifen, dafür Asphalt, Wege an der Straße oder in praller Sonne – oder alles zusammen. Aber so schlimm wie sich das anhört, war der Tag gar nicht. Nur die Hälfte davon.

Der Start war nämlich ganz hervorragend: Die Reuters vom Sodenberg luden mich zum Frühstück, das aufgrund des tollen Gesprächs ausgedehnter ausfiel wie ich dachte, wie das Ehepaar dachte und wie die Schafe dachten, die im Stall auf ihr Futter warteten. Gestärkt verließ ich also nach 9 den Landhof Sodenberg und kam gefühlt ultra schnell voran. Es war aber auch ein wirklich schöner Weg durch ein Naturschutzgebiet, ein bisschen wie durch eine Heide, wenig Bäume und Pflanzen. Da ich schon auf der Bergspitze war, ging es dazu gemütlich den Berg runter oder leicht wellig auf und ab. Nach knapp 7 km war ich frisch und munter in Hammelburg, einem süßen Altstadt-Städtchen an der fränkischen Saale. Also erstmal in der Sonne Kaffee trinken und Eis essen 🙂

Schöner Start in den Tag

Schöner Start in den Tag

Die nächsten Kilometer aus dem Ort raus ging es bergauf – zack, stand ich in den Weinbergen, wo der gute Frankenwein herkommt (davon habe ich mich einen Tag später selbst überzeugt). Danach ging es herrlich am Bergrand entlang durch ein lichtes Kiefernwäldchen.

Wandern,  Weinberge,  Waswillstdumehr?

Wandern, Weinberge, Waswillstdumehr?

Danach, so ab Kilometer 11 des Tages, fiel mir das Laufen aber immer schwerer: Lag es an dem Weg nach Bad Kissingen, der so viel länger aussah als im Kopfe gestern geplant, und dem Druck da sein zu „müssen“, weil ja die Freunde dahin kamen?, oder einfach nur an den vielen Kilometern davor? Oder vielleicht doch an den, sagen wir mal, etwas mitgenommenen Füßen… OK, hab die Treter etwas zu sehr strapaziert für den Anfang, aber das war nicht zu ändern. Also lief ich munter, mh, nee, also lief ich weiter und nach einer Mittagspause gegen 14.30 Uhr in der Sonne,war ich völlig matschig. Ja, liebe Baumkollegen, ich war eingenickt, die innere Uhr verlangte nach dem Mittagsschlaf.

Ich schleppte mich in den nächsten Ort und beschloss bei km 17, den Wanderweg zu verlassen und einen Radweg zu folgen, der direkt zum Örtchen Aura führte, um dadurch einiges an Strecke zu sparen, auch wenn das Asphalt bedeuten sollte. Tja, leider war der Radweg Teil einer (wenig) befahrenen Landstraße, also wich ich in das seitliche, kniehoch wachsende Feld aus und kämpfte mich für ca 10 min in der mittlerweile brutzelnden Sonne da durch. Dann hielt ein wahnsinnig aufmerksamer Fahrer und fragte, ob er mich mitnehmen solle. Ich weiß, man steigt nicht zu fremden Männern ins Auto, aber ich hatte ja Taschenmesser und Pfefferspray. Irgendwo.

Jedenfalls war es die völlig richtige Entscheidung, ewig währende 4 Kilometer zog sich die Straße, ich hätte gekotzt, sorry der Ausdrucksform. Ab der Burgruine Aura schaffte ich es tatsächlich mithilfe des Sonnenstandes, der Wanderkarte und einem Café-Richtungsschild, den Weg zu finden, den ich als kürzesten auserkoren hatte. Ich mache Fortschritte! Ok, ich brauchte schon meine Zeit dafür 😉

Ein Zeichen auf dem Weg der Besinnung? Just laufe ich an dem Schild vorbej als ich überlege,  ob ich euch von meinen Füßen erzähl...

Ein Zeichen auf dem Weg der Besinnung? Just laufe ich an dem Schild vorbei als ich überlege, ob ich euch von meinen Füßen erzähl…

Durchn Wald ging es noch auf dem „Weg der Besinnung“ und dann 2 km auf der Straße durch den Vorort nach Bad Kissingen rein. Meine Füße dampften gefühlt, mein Gesicht auch, doch dann fand ich in der Pension Marga 2 wunderkitschige Doppelzimmer und eine Dusche, eine Stunde später kamen die Frankfurter – juchu! – wir gingen gut bayerisch essen und dann schlief ich den tief-festen Schlaf der Gerechten in einem weichen, warmen Bett. Seufz.

Worte des Tages: „Der Schrank da ist ziemlich klein.“ „Wenn du davor stehst nich, der is ganz normal hoch. Die Decken sind halt sehr hoch!“ Tiefsinnige Bettgespräche.

Bonusweisheit: Neue Socken vor dem ersten Tragen waschen, auch wenn Naturbergbauernsuperduper-Schafwolle.

Geschafft: 23,5 km, 5 h 15 min (+4 km Auto)

Dienstag, 19. Mai und Mittwoch, 20. Mai: Regen? pah, dir lach ich in’s Gesicht!

Najaaaa, ok, ich geb zu, das ist vielleicht ein bisschen geschummelt. Nur ein wenig, ehrlich so ganz minimalst, so kaum der Rede wert… Ach was, verflucht hab ich ihn, diesen Regen!!! Gehasst und beschimpft, als ich durch ihn durch musste – bergauf! Aber, ich bin euch noch gestern schuldig (mal sehen, wie lang 49% Akku reichen…):

Dienstag, 19. Mai: Nichts ist so groß wie es scheint

Pünktlich zum angefangen Zeltaufbau dachte sich eine Wolke: Ach hier wollt ich schon immer mal so richtig abhängen! In eile packte ich mir allen Kram untern Arm und flüchtete in den Waschraum. So gings erst um 8.30 Uhr los, aber – ick hab ja Zeit. Mit letzter hörte auch das Wölckchen auf, abzuhängen, und ich wanderte fröhlich von Lengfurt (! nicht Lengenfeld wie ich falscherweise am 1. Tag schrieb) aufm Mainwanderweg durchn Wald. Alles ziepte und kniff und knirschte ein wenig, aber ich war frohen Gemuts und freute mich schon, aufn Kaffee in Marktheidenfeld. Des war mir dann aber zu früh und direkt vorbei kam ich auch nich – ein Blick auf die Karte, ach ich komm noch an einigen größeren Orten vorbei, da wirds schon was geben, auch zum Proviant einkaufen. Ich würde mich zwar als lernfähig bezeichnen, doch in manchen Dingen ist mir nicht zu helfen…
Sprich, Pustekuchen Kaffee, Pustekuchen Einkauf. Auf Rothenfels hatte ich meine Hoffnung gesetzt, doch auch da, Fehlanzeige. Allerdings gab es auf der schönen Burg überm Main einen (schlechten) Jugendherbergsautomatenkaffee. Mein Energiehaushalt wurde erneut vom Strudel der Oma und 2 Stücken Restpizza zusammen gehalten. Weitere 9 km musste ich bis Lohr, waren allerdings richtig schöne Waldpfade dabei, die ich Gazellen gleich runtersprang (…).

Rasender Pizza-Willy :-)

Rasender Pizza-Willy 🙂

Um viertel nach Vier kam ich platt am Forellenhof Campingplatz an, baute schnell das Zelt am kleinen See auf – und zack gings in die Altstadt, zum Kaffee mit Pizza Willy, der nochmal vorbeischneite. Und mein Proviant konnt ich auch endlich auffüllen, ja gut, endlich beginnen überhaupt einzurichten. Es folgte eine kalte, ungemütliche Nacht – hätt ich mir vielleicht doch keinen kleineren, leichteren Schlafsack zulegen sollen? 😉

Worte des Tages: Ja nee, hier gibt’s schon lange kein Bäcker mehr. Aber im nächsten Dorf, der hat aber nur montags, mittwochs und freitags 3 Stunden lang auf.

geschafft: ca 25 km, 5 h 20 min

Mittwoch, 20. Mai: Warum auf Regen immer Sonne folgt

Eigentlich müsste ich kaputt auf meiner auch trotz neu gekaufter Aluunterlage viel zu dünnen Therm-a-schieß-mich-tot-Matte liegen. Der dritte Tag war nämlich wie erwartet der schlimmste – was Schmerzen in Füßen, Rücken, Hüfte und Schultern angeht. Danach ist man eingelaufen 😉
Aber, und ich liebe Abers!, hat der Tag nach 15min laufen bescheiden angefangen – nämlich mit a) Nieselregen, der zu einem beständigen und ständig anwachsenden Begleiter der nächsten 3 Stunden wurde, mit b) einem Wanderschild, dass mir mitteilte, bis Gemünden wären es statt geschätzter 10,12 km halt 17 Kilometerchen, und mit b) einem ca 4,5 km langen Anstieg durch den Wald im Regen – entwickelte der Tag sich doch quasi fast wie ein Selbstläufer. Also gelaufen bin ich schon noch selbst, nämlich ca 18,5 km, bis ich nach einer genialen Strecke durch den Wald (da kam die Gazelle in mir wieder durch…) und zermürbenden Asphaltwegen durch Ortschaften in Gemünden ankam. Da es nich mehr so viel regnete und ich wenigstens noch ein bisschen Spaß gefunden hatte, war meine Laune auch schon wenig besser.
Viel besser wurde sie, als kurz nach 14 Uhr Willy tatsächlich mit Pizza und Kaffee vorbeikam! Jap, welcher Wanderer durfte sich wohl schon so einem Service erfreuen? Pizza an den Wanderweg, genial. Dazu passte das Timing, die Wolke von vorhin (vielleicht auch die von gestern) gab nochmal alles – ich wäre komplett durchgeweicht gewesen, wenn Willy und sein Auto nich gewesen wären. Die ham mich dann ein paar kleine Kilometerchen außerhalb von Gemünden entlassen (ja Fellows, ich habe kurz geschummelt, zeigt mich doch an!). Nach herzlichem Abschied vom rasenden Pizzamann, der für ein Kinderhospiz ein Heimatlied aufgenommen und für den Verein verkauft hat, machte ich mich nochmal auf die Socken.
Und siehe da, die Sonne hatte beschlossen, mir nochmal was zu beweisen und brannte vom Himmel. Geil! So ließen sich die nächsten Schritte richtig gut gehen, vorbei das Maulen vom Morgen. Ich folgte jetzt dem Main-Werra-Weg, bis wohin, wusste ich allerdings noch nicht: Ich wollte Strecke machen, weil ich morgen Abend Freunde aus Frankfurt in Bad Kissingen treffe. Doch dazwischen gibt es eigentlich kein Campingplatz oder ähnliches mehr…
Nicht nur tatsächlich folgt auf Regen Sonne, nein, auch bildlich. Guter Dinge lief ich voran – bis es 18 Uhr wurde und ich ca 27 km zurück gelegt hatte. Wat reicht, reicht, gut dass ich kurz darauf an den (leider geschlossenen :-() Gasthof Sodenberg gelang. Wo ich die Dame des Hofs schnell, ok ich schwindel schon wieder ein klein wenig, langsam entschlossen fragte, ob ich mich auf die Wiese neben den Hof stellen dürfte.
Ehe ich mich versah, durfte ich mein Zelt auf einer Wiese im Hofgarten aufschlagen und saß mit ihr und ihrem Mann bei Erdbeerkuchen, Sahne und Kaffee am Tisch und quatschte über das Leben als Schaf-/Landwirt. Ein Traum!

Jetzt hoffe ich, mein Akku hält noch das Hochladen einiger Fotos durch. Sonst muss ich wieder auf morgen vertrösten. Bis dahin, bleibt sauber, oder auch nicht. 🙂

Worte des Tages: Oh Regen, du zwiegespaltene Gestalt – dem einen Freud, dem andern Leid.

Geschafft: pie mal Daumen 27 km in langen Stunden und ein paar kurzen

Zelt, Wiese, Ausblick, Freude!!!!

Zelt, Wiese, Ausblick, Freude!!!!

Montag, 18. Mai: Grüß mir die Heimat…

… sagte meine Oma als ich gestern Morgen bei ihr in Hasloch losgelaufen bin. Heute sitze ich in meinem Zelt und schaue durch den geöffneten Eingang auf einen kleinen See vor einer Forellenzucht und denke nicht nur an sie und ihre Heimat, sondern auch daran, dass Pizza Willy für eben seine Heimat auch ein Lied geschrieben, sogar gesungen hat. Jetzt kennt ihr den Anfang und das Ende, aber das Zwischendrin nicht – also, hier Tag 1 und 2 meiner Reise nach Tschechien:

Montag, 18. Mai: Der Tag, an dem Hanna wieder schlauer als ein Wanderweg sein wollte und der mit Pizzalieferant Willy endete

Meine frisch 90 gewordene Oma, mein Opa und ich kurz vor Wanderbeginn in Hasloch.

Meine frisch 90 gewordene Oma, mein Opa und ich kurz vor Wanderbeginn in Hasloch.

Meine Oma sagte also Grüß mir die Heimat und eh ich mich versah, nahm ich die Worte mit auf den Berg, der unser Familien-Spazierberg ist – quasi einmal um die Ecke, da gehen wir seit ich denken kann immer immer spazieren. Deshalb hatte ich davor auch am meisten Angst: Was würden nur alle denken, wenn ich mich direkt hier verlaufen würde? Dazu sagten mein Vater und meine Tante noch tags zuvor: Ach das ist ganz einfach, einfach den Weg wie immer hoch, dann gibt es nur EINEN Weg, der links schräg nach oben abgeht und dann immer geradeaus… Jaaaa, es gibt nur einen Weg hmh hmh. Ich gebe zu, bei den Worten „es ist ganz einfach“, „nur einen Weg“ und „immer geradeaus“ zweifelte ich – weil ich mich und meinen Orientierungsgenius kenne.
Aber, 1:0 für mich und meine Verwandten: Tatsächlich gab es nur einen Weg, schräg links hoch halt, und der gesuchte Wanderweg war tatsächlich direkt ausgeschildert: Ein örtlicher Wanderweg (weißes Kästchen mit rotem Strich) und – Trommelwirbel – ein R! Ich hoffe mein Opa liest das, denn er hat gleich gesagt, dass der Weg nübber so gekennzeichnet ist, wir waren alle der Meinung, R wäre ein Radweg, der Opa täuscht sich da. Nene, höret auf die Weisheit eurer Ur- und Eltern, Kinder!

Der Anstieg brachte mich auch direkt auf gefühlte 50°, die waren draußen mindestens auch – wer brauch Mallorca, wenn ich wandern geh, bleibt in Deutschland! 🙂 Also ein traumhafter Start, der mich zunächst nach Markt Kreuzwertheim brachte: Nach 8km hab isch’n erwischt, den MAINWANDERWEG! Bujaa, 2:0 für Hanna 🙂 Wunderschön führt mich der den Hang hoch und dann oberhalb des Mains lang. Nach knapp 12km und 2 Stunden fuffzehn mach ich Mittag und danke Omas selbstgemachten Apfel/Rhabarberstrudel, ohne den mein Mittag aus Wasser und Nüssen bestanden hätte.

 

Saugut gekennzeichneter örtlicher Wanderweg vom Wanderverein Spessart.

Saugut gekennzeichneter örtlicher Wanderweg vom Wanderverein Spessart.

Klingt nach einem rundum einfachen, netten, entspannten Start, nich? Doch Hanna wäre nich Hanna wenn sie nich irgendwann die Karte liest und denkt: Mh, wenn ich dem Mainwanderweg weiter folge, komm ich hinter der Brücke raus, über die ich zum Campingplatz will. Zurücklaufen ist doof, also folg ich einfach der Autostraße, die führt auf direktem Wege dahin. Clever! Eigentlich. Wenn man die richtige Straße wählt. Tu ich aber nicht, wäre ja zu einfach.
Also, 2:1 – immer noch für Hanna. 😉 Der Umweg, ach was Umweg, die leichte Schleife, die ich nehme, um den sonnigen Tag voll zu genießen (…), rächt sich mit ca 3-4 km plus und viel Asphalt. Naja, aber am End komm ich in Lengenfeld aufm Campingplatz Main Spessart Park an und stell ruckizucki mein Zelt auf. Übrigens direkt neben einem Spielplatz mit Schaukel… 🙂

Es stellte sich nun das Problem, dass ich – auch keine Überraschung – unterwegs nicht eingekauft hatte. Ebenfalls stellte sich heraus, dass die Lokalität des Parks Montag Ruhetag hat, ebenso wie ein Pizzalieferant, wie mir am Kiosk mitgeteilt wurde. Doch, Hot Pizza, die würden liefern. Ok gut, das is doch was – auf Linsensuppe aus der Dose hat ich jetzt keinen Bock, der erste Tag sollte schon gefeiert werden. Also sch$€₩*# auf den Mindestbestellwert, auf Mindestkalorienverbrauch und Mindestansprüche der Maximalenkleidergröße.
Schon das Telefonat mit Pizza Willy, ihm gehört der Lieferservice, war kaum Bestellung, mehr eine gemeinsame Entscheidung, was ich jetzt in welcher Größe bestellen sollte, damit er mich beliefern könne. Und dann kam Willy mit Pizza und Salat und quasi direkt wusste ich die Namen seiner Frau und der 4 Enkel und er von meiner Wanderung und von diesem Blog. Er fand Gefallen an der Geschichte – und gab mir einen der Scheine zurück mit den Worten: Ich möcht dich irgendwie unterstützen!

Wie baff mich solche Menschen wie Willy immer wieder machen, die einfach so, von Grund auf nett und herzlich sind. Ohne mich zu kennen oder irgendeinen nutzen davon zu haben. Später war er nochmal am Campingplatz, brachte mir Gummibärchen und Red Bull fur die Tour. Einfach nur irre!
Ich gab ihm ein Päckchen Sonnenblumenkerne, an dieser Stelle sei erklärt: Meine Tante Inge gab mir einige Päckchen mit, jedesmal wenn ich jemanden treffe, der oder die bedeutsam für meinen Weg ist, soll ich ihm/ihr Sonnenblumen schenken. Meine Oma pflanzt ihre daheim und bildet den Anfang, so wird der Weg in ihre Heimat mit Blumen bepflanzt werden. Eine wunderschöne Idee die ich gerne mit mir trage.

jetzt macht mein Akku leider schlapp, daher morgen mehr zu heute – auch heut hat Pizza Willy eine Rolle gespielt. 🙂

Adieu und gute Nacht!

Worte des Tages: Sei nie schlauer als die Wanderkarte, aber immer so schlau wie die Pizzakarte.

geschafft: 22, 5 km in 4 h 30