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Montag, 18. Mai: Grüß mir die Heimat…

… sagte meine Oma als ich gestern Morgen bei ihr in Hasloch losgelaufen bin. Heute sitze ich in meinem Zelt und schaue durch den geöffneten Eingang auf einen kleinen See vor einer Forellenzucht und denke nicht nur an sie und ihre Heimat, sondern auch daran, dass Pizza Willy für eben seine Heimat auch ein Lied geschrieben, sogar gesungen hat. Jetzt kennt ihr den Anfang und das Ende, aber das Zwischendrin nicht – also, hier Tag 1 und 2 meiner Reise nach Tschechien:

Montag, 18. Mai: Der Tag, an dem Hanna wieder schlauer als ein Wanderweg sein wollte und der mit Pizzalieferant Willy endete

Meine frisch 90 gewordene Oma, mein Opa und ich kurz vor Wanderbeginn in Hasloch.

Meine frisch 90 gewordene Oma, mein Opa und ich kurz vor Wanderbeginn in Hasloch.

Meine Oma sagte also Grüß mir die Heimat und eh ich mich versah, nahm ich die Worte mit auf den Berg, der unser Familien-Spazierberg ist – quasi einmal um die Ecke, da gehen wir seit ich denken kann immer immer spazieren. Deshalb hatte ich davor auch am meisten Angst: Was würden nur alle denken, wenn ich mich direkt hier verlaufen würde? Dazu sagten mein Vater und meine Tante noch tags zuvor: Ach das ist ganz einfach, einfach den Weg wie immer hoch, dann gibt es nur EINEN Weg, der links schräg nach oben abgeht und dann immer geradeaus… Jaaaa, es gibt nur einen Weg hmh hmh. Ich gebe zu, bei den Worten „es ist ganz einfach“, „nur einen Weg“ und „immer geradeaus“ zweifelte ich – weil ich mich und meinen Orientierungsgenius kenne.
Aber, 1:0 für mich und meine Verwandten: Tatsächlich gab es nur einen Weg, schräg links hoch halt, und der gesuchte Wanderweg war tatsächlich direkt ausgeschildert: Ein örtlicher Wanderweg (weißes Kästchen mit rotem Strich) und – Trommelwirbel – ein R! Ich hoffe mein Opa liest das, denn er hat gleich gesagt, dass der Weg nübber so gekennzeichnet ist, wir waren alle der Meinung, R wäre ein Radweg, der Opa täuscht sich da. Nene, höret auf die Weisheit eurer Ur- und Eltern, Kinder!

Der Anstieg brachte mich auch direkt auf gefühlte 50°, die waren draußen mindestens auch – wer brauch Mallorca, wenn ich wandern geh, bleibt in Deutschland! 🙂 Also ein traumhafter Start, der mich zunächst nach Markt Kreuzwertheim brachte: Nach 8km hab isch’n erwischt, den MAINWANDERWEG! Bujaa, 2:0 für Hanna 🙂 Wunderschön führt mich der den Hang hoch und dann oberhalb des Mains lang. Nach knapp 12km und 2 Stunden fuffzehn mach ich Mittag und danke Omas selbstgemachten Apfel/Rhabarberstrudel, ohne den mein Mittag aus Wasser und Nüssen bestanden hätte.

 

Saugut gekennzeichneter örtlicher Wanderweg vom Wanderverein Spessart.

Saugut gekennzeichneter örtlicher Wanderweg vom Wanderverein Spessart.

Klingt nach einem rundum einfachen, netten, entspannten Start, nich? Doch Hanna wäre nich Hanna wenn sie nich irgendwann die Karte liest und denkt: Mh, wenn ich dem Mainwanderweg weiter folge, komm ich hinter der Brücke raus, über die ich zum Campingplatz will. Zurücklaufen ist doof, also folg ich einfach der Autostraße, die führt auf direktem Wege dahin. Clever! Eigentlich. Wenn man die richtige Straße wählt. Tu ich aber nicht, wäre ja zu einfach.
Also, 2:1 – immer noch für Hanna. 😉 Der Umweg, ach was Umweg, die leichte Schleife, die ich nehme, um den sonnigen Tag voll zu genießen (…), rächt sich mit ca 3-4 km plus und viel Asphalt. Naja, aber am End komm ich in Lengenfeld aufm Campingplatz Main Spessart Park an und stell ruckizucki mein Zelt auf. Übrigens direkt neben einem Spielplatz mit Schaukel… 🙂

Es stellte sich nun das Problem, dass ich – auch keine Überraschung – unterwegs nicht eingekauft hatte. Ebenfalls stellte sich heraus, dass die Lokalität des Parks Montag Ruhetag hat, ebenso wie ein Pizzalieferant, wie mir am Kiosk mitgeteilt wurde. Doch, Hot Pizza, die würden liefern. Ok gut, das is doch was – auf Linsensuppe aus der Dose hat ich jetzt keinen Bock, der erste Tag sollte schon gefeiert werden. Also sch$€₩*# auf den Mindestbestellwert, auf Mindestkalorienverbrauch und Mindestansprüche der Maximalenkleidergröße.
Schon das Telefonat mit Pizza Willy, ihm gehört der Lieferservice, war kaum Bestellung, mehr eine gemeinsame Entscheidung, was ich jetzt in welcher Größe bestellen sollte, damit er mich beliefern könne. Und dann kam Willy mit Pizza und Salat und quasi direkt wusste ich die Namen seiner Frau und der 4 Enkel und er von meiner Wanderung und von diesem Blog. Er fand Gefallen an der Geschichte – und gab mir einen der Scheine zurück mit den Worten: Ich möcht dich irgendwie unterstützen!

Wie baff mich solche Menschen wie Willy immer wieder machen, die einfach so, von Grund auf nett und herzlich sind. Ohne mich zu kennen oder irgendeinen nutzen davon zu haben. Später war er nochmal am Campingplatz, brachte mir Gummibärchen und Red Bull fur die Tour. Einfach nur irre!
Ich gab ihm ein Päckchen Sonnenblumenkerne, an dieser Stelle sei erklärt: Meine Tante Inge gab mir einige Päckchen mit, jedesmal wenn ich jemanden treffe, der oder die bedeutsam für meinen Weg ist, soll ich ihm/ihr Sonnenblumen schenken. Meine Oma pflanzt ihre daheim und bildet den Anfang, so wird der Weg in ihre Heimat mit Blumen bepflanzt werden. Eine wunderschöne Idee die ich gerne mit mir trage.

jetzt macht mein Akku leider schlapp, daher morgen mehr zu heute – auch heut hat Pizza Willy eine Rolle gespielt. 🙂

Adieu und gute Nacht!

Worte des Tages: Sei nie schlauer als die Wanderkarte, aber immer so schlau wie die Pizzakarte.

geschafft: 22, 5 km in 4 h 30

Letzter Lauf, letzte unverhoffte Einladung – aber doch nicht der letzte Blog!

Vor kurzem noch dachte ich, ich müsste diesen meinen letzten Beitrag zu Wanderung Frankfurt – Basel mit der traurigen Überschrift beginnen: „Aus die Maus, Ende Gelände, Schluss mit lustig, dies ist mein letzter Beitrag für euch.“ Doch unverhofft kommt oft, und manchmal eben auch doppelt und dreifach und so werde ich euch (und hier füge ich ein „wahrscheinlich“ ein) bald von einem neuen „Abenteuer“, genauer gesagt einer Expedition durch Hessen, berichten. Dazu aber später mehr, denn wie Weiterlesen

Ziel erreicht – fast

Yes, I made it! Der Westweg ist „bezwungen“. 288 Kilometer von Pforzheim durch den Black Forest bis Basel gelaufen, auf meinen eigenen Füßen und ohne großen Schaden zu nehmen. Im Gegenteil: Mehr dazu gewonnen als irgendwas verloren. Doch noch ist meine Reise nicht ganz zu Ende, aber der Westweg eben schon – gestern habe ich den Badischen Bahnhof in Basel erreicht. Aber ich fange schon wieder von Hinten an.   Weiterlesen

Goodbye Schwarzwald

Nachdem mir gestern das Internet abgebrochen ist, grade als ich fertig mit dem ultratollen Textbeitrag des vergangenen Tages war :(, gibt es heute nur ein Foto davon. Vielleicht habe ich später nochmal die Muße alles aufzuschreiben…

Bis dahin: Gestern ging es vor allem abwärts, runter von den höchsten Höhen und raus aus dem tiefsten Schwarzwald. Nur einmal ging es noch richtig schön nach oben – erst auf den 983 Meter hohen Hohen Möhr, dann auf den Turm hinauf (ein letztes Mal die 1000 Höhenmeter geknackt).

Die schönste Aussicht, die ich bisher hatte! Das Foto zeigt den Blick zurück, schließlich heißt es Abschied nehmen. Noch nicht von der Wanderschaft, noch nicht vom Blog, aber eben vom Wald. Der Blick nach vorne zeigte mir das erse Mal die Rheinebene mit den Berner Alpen im Hintergrund, ebenso traumhaft schön!

Vom Berg ging es 700 Höhenmeter hinab, aus lichtem Waldgebiet rein in die volle Landromantik: blendend grasgrüne Wiesen, Pferdekoppeln, vereinzelte Häuseransamlungen und das alles unter blaume Himmel, strahlender Sonne und weißen Schäfchenwolken – kein Vergleich zu dem miesen Wetter gestern.

Unten in Hasel angekommen, schlägt mir eine ältere Dame vor, an der Erdmannshöhle zu übernachten. Hört sich gut an! Als ich an der berühmten Tropfsteinhöhle, die noch nicht geöffnet ist, ankomme, grillt neben dem Unterstand gerade eine Familie. Die mir prompt ihre letzten Grillwürstchen überlässt. Abendessen gerettet! 🙂 Und Schlafplatz auch, neben Rostplatz, laut rauschenden Bach und Pferdewiese stell ich mein Zelt…

Motto des Tages: Schwarzwald, ich vermiss dich jetzt schon!

Geschafft: 4 h 36 min, 21,37 km, Aufstieg 450 Hm, Abstieg 1000 Hm. Liebevolle Pension Höhner mit frisch gepresstem O-Saft zum Frühstück – kaltes Zelt vor Haseler Sehenswürdigkeit.

Wie Hanna zum Rotkäppchen im Walde wurde

Puh, ein grauer Tag. Ich komme früh weg von der Wilhelmshöhe, wo ich mein Zelt gestern (von DEM irren Tag später mehr!) aufgeschlagen hatte. Das ist auch gut so, denn draußen kann man den Nebel mit Suppe löffeln. Und um 9 Uhr regnet es das erste Mal, was aber nicht ganz so tragisch ist.
Nervig wird der Tag erst, als ich mich gegen 11 Uhr rum am Günterfelsen im dicken Nebel verlaufe. Und ich meine diesmal richtig verlaufen, nicht einfach einen Umweg machen. Ich finde den Weg einfach nicht mehr! Das kratzt schon tierisch an meinem Ego, aber der Wirt vom Naturfreundehaus, das ich nach über 30 Minuten endlich finde, beruhigt mich: Da verlaufen sich wohl oft Wanderer, auch ohne Nebel. Und das Schild ist wohl schon oft abgeschlagen worden…
Ok, der ganze Tag bleibt so verhangen, ich sehe kaum 50 bis 70 Meter weit. Schade, denn es müsste eine der aussichtsreichsten Strecken sein. Aber so, auch objektiv gesehen, mir gefällt die Etappe nicht so gut. Viel Asphalt und oft geht es an der Bundesstraße lang. Zu dem Wetter kommt, dass das Etappenziel geschlossen hat – genau so wie die nächsten zwei Gasthäuser. So komm ich am Ende, und zwar völlig am Ende, nach über 31 Kilometern und 6 Stunden an Gasthof Kreuz an. Wo ich jetzt trocknen, dann duschen, dann essen und dann euch von gestern erzählen werde. 😀