Letzter Lauf, letzte unverhoffte Einladung – aber doch nicht der letzte Blog!

Vor kurzem noch dachte ich, ich müsste diesen meinen letzten Beitrag zu Wanderung Frankfurt – Basel mit der traurigen Überschrift beginnen: „Aus die Maus, Ende Gelände, Schluss mit lustig, dies ist mein letzter Beitrag für euch.“ Doch unverhofft kommt oft, und manchmal eben auch doppelt und dreifach und so werde ich euch (und hier füge ich ein „wahrscheinlich“ ein) bald von einem neuen „Abenteuer“, genauer gesagt einer Expedition durch Hessen, berichten. Dazu aber später mehr, denn wie jeder Tag beginnt auch dieser am Anfang, also am Morgen. Na gut, den kann ich getrost überspringen: Aufstehen, Kaffee, Frühstück, auf Wiedersehen zum Gastgeber – und los geht’s.

Ich bin beruhigt. Meine Füße erinnern sich nach drei Tage Stadleben (und ich habe tatsächlich einfach NICHTS gemacht, außer a) durch Basel bummeln, b) am Rhein unter strahlender Sonne ein Buch lesen und c) schlafen) noch an meine Wanderschuhe ohne sich fremd zu fühlen. Ebenso wie mein geliebter Rucksack auf den Rücken und der Wanderstab in die Hand, passen sie perfekt: Das völlige Nichtstun hat mir und meinen gegen Ende angeschlagenen Waden gut getan, doch nach all dem Faulsein ist wieder Laufen zu können ein tolles Gefühl!

Von Muttenz aus (eine Städchen neben Basel-Stadt) wander ich ungefähr dem Flusslauf des Rheins folgend Richtung Diepflingen, wo meine sehr gute Freundin Jana wohnt – mein endgültigs Endziel, quasi Grund des Aufbruchs vor über drei Wochen. 23 Tage war ich bis zu meinem Stopp in Basel jeden Tag gelaufen, heute war mein vierundzwanzigster. Interessiert an mehr Fakten? Schließlich ist es der letzte Beitrag zu dieser meinen Wanderung, da müssen ein wenig aufpolierte Zahlen schon sein (zumindest für mein Ego ;)). Here we go – harte Eisen bleiben unter dem Strich:

1 Wanderung Deutschland/Frankfurt am Main/Ostbahnhof – Schweiz/Basel-Landschaft/Diepflingen

24 Tage unterwegs (plus 3 Tage Basel ohne Wandern)

543,46 gelaufene Kilometer

112 Stunden 21 Minuten reine Wanderzeit (ohne Pausen)

> 8840 Höhenmeter Aufstieg (NUR Westweg, Reststrecke nicht evaluiert)

> 8790 Höhenmeter Abstieg (NUR Westweg, Reststrecke nicht evaluiert)

6 Blasen an den Füßen

2 Sonnenbrände

1 Mückenstich

1 Bremsenstich

unzählige Begegnungen

= unbezahlbare Erinnerungen.

Genug von Mathe.

Wie gesagt, der Tag läuft richtig gut an, aber eben auch unspektakulär: Heute ist das Ziel das Ziel und nicht der Weg. Ich will ankommen, nicht über die schönste, sondern die schnellste Strecke. Und die führt durch verschiedene Kleinstädte entlang eines Flusses, irgendwann entlang einer Bahnschiene. Tatsächlich ist das sogar als Wanderweg ausgewiesen – also ehrlich, auch als absoluter Fan mit Spielzeugeisenbahn im Keller würde man dazu auf keinen Fall Wanderweg sagen! Asphalt (hört ihr schon wieder meine Knie schreien?), Autos, Bahnen, naja gut, immerhin verlaufe ich mich nicht. 😉 Und auch die Schweizer sind hilfsbereit – zwei Mal bleibe ich an den nicht gerade sinnvoll konzipierten Wegweisern stehen (nur Richtung und Gehzeit werden angegeben anstatt Kilometer oder die Bezeichnung der verschiedenen Wanderwege….), schaue auf meine „Wanderkarte“ vom Basler Tourismusbüro. Prompt kommt eine Schweizerin beziehungsweise ein Schweizer zu mir, um mir Hilfe anzubieten. Nette Menschen gibts eben überall.

Und das darf ich, angekommen an meinem Ziel in Diepflingen, auch wieder feststellen – und kann nur sagen: Runder hätte ich meine Reise in die Schweiz nicht beenden können. Ich sitze am Ortsrand auf einer Bank im Grünen und warte ein wenig auf Jana, die sich für etwas später am Tag angekündigt hatte. Prompt bleibt ein Herr stehen und fragt, was mich denn bitte hier in das dörfliche Diepflingen verschlagen hat. Ich erzähle – er lädt mich, und kurz darauf auch Jana, in den Garten zu ihm und seiner Frau direkt um die Ecke ein, zu Kaffee, belegten Broten, Ostereiern… Wie hätte ich nach all den Erlebnissen in den letzten drei Wochen Nein sagen können?

Also endet dieser meiner Weg mit genauso viel Neugier, Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit wie ich es während meiner Wanderung nicht nur erfahren durfte, sondern es unheimlich zu schätzen gelernt habe. Hätte mich vor Aufbruch jemand zu einem Statement über die „Menschlichketi“ im Allgemeinen gegeben – es wäre nicht so positiv ausgefallen wie heute. Noch immer macht mich all die selbstlose Hilfsbereitschaft schwummrig vor Glück.

Und da ist es auch mal an der Zeit – bevor ich von der Fortsetzung des Blogs erzähle – DANKE ZU SAGEN! Natürlich an meine ganzen kleinen und großen Helfer, meine unbekannten und auch bekannten Gastgeber auf der Tour, die für mich immer unvergessen bleiben werden und meine Wanderung so bereichert haben, dass sie sich zu viel mehr metamorphisiert hat! Aber ich möchte auch DANKE SAGEN AN EUCH: FAMILIE, FREUNDE, BEKANNTE, LESER – egal wo ihr euch dazu zählt (und ob weiblich oder männlich). Ohne meine Erlebnisse mit euch teilen zu können und eure positiven Feedbacks zu erhalten, hätte es mir nur halb so viel Spaß gemacht. DANKE FÜRS LESEN, FÜRS KOMMENTIEREN und FÜR EURE GLÜCKWÜNSCHE! So war ich nie allein.

Haben wir da auch einen Haken dran gemacht. 😉 Was kommt jetzt? Ach ja, der „Abschied“. Gott sei Dank fällt er am Ende doch nicht so rührselig aus, wie ich befürchtet hatte. Weil mich letzten Donnerstagabend, 10. April, ein interessanter Anruf der Hessen Tourismus ereilte. Ich bin – und ich schwöre, ich wusste schon fast nicht mehr, dass ich je eine Bewerbung dafür ausgefüllt hatte – als einer der Teilnehmer der „Expedition Hessen“ (erste infos: http://www.hessen-tourismus.de/aktiv-natur/expedition-hessen) ausgewählt!!! Ist das irre? Also ich kanns immer noch nicht ganz glauben, aber wenn nix mehr schief geht (und Fortuna war bisher ja zuverlässig an meiner Seite), dann werde ich ab dem 24. April schon wieder unterwegs sein: Diesmal hessische Regionen mit vier anderen Teilnehmern erkunden. Und dann, ihr Lieben, werde ich hier natürlich weiter bloggen. 😀

Also – vielleicht, auf bald!!! Ich freue mich, wenn ihr mich auch dann weiter begleitet.

Motto des Tages: Ein Erlebnis mehr als erfolgreich beendet, ein neues Abenteuer kann beginnen.

Geschafft: 22,91 km, 4 h 29 min., k.A. Aufstieg, k.A. Abstieg. Muttenz Bahnhof – Janas schöne Wohnung in Diepflingen (Aus. Ende. Schluss.)

Bild
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5 Kommentare

  1. Ganz großes Kino 😉 aber jetzt freu ich mich erstmal wenn du, wenn auch nur für ein paar Tage, wieder hier in der schönsten Stadt am Main bist! Du Rakete!

  2. Hab erst vor ein paar Tagen von deinem Blog gehört, und es erst jetzt geschafft mal rein zuschauen. Hab bis jetzt nur den letzten Eintrag gelesen und dieser hat mir schon sehr viel Lust darauf gemacht die ganze „Geschichte“ mir durchzulesen. Super geschrieben, und echt ein FETTES Respekt für die von Dir zurückgelegte Tour.
    Grüße aus Frankfurt Marcel

  3. Toll toll toll Hanna!!! Also wenn ich mal die schnauzte voll habe von allem und ne Auszeit will mach ich sich do ne Tour (nur kürzer und mit Übernachtung in einem Zimmer) 😉

  4. Liebe Hanna, herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Wandertour. Habe fast jeden Tag im Blog gelesen und bin beeindruckt von dieser Leistung.
    Viele liebe Grüße
    Isolde (Begegnung am Schliffkopf)

  5. Liebe Hanna,
    hab ganz herzlichen Dank für Deine Karte von Basel, über die ich mich riesig gefreut habe. Für Deine nächste Tour wünsche ich Dir genausoviel Erfolg und Spaß und natürlich wieder viele schöne Begegnungen.
    Freue mich schon auf die Reiseberichte.
    Viele liebe Grüße
    Isolde

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