Freitag, 11. August, Tag 7 (+Samstag, 12. August): Raue See, gar nicht so raues Wetter und gar überhaupt kein rauer Spaziergang  

Wenn ich das schreibe,  Tag 7, kommt es mir lächerlich wenig vor. Und es überkommt mich ein bisschen naja Scham, dass ich nach dem vierten Tag Wandern schon abbrechen musste. Wenn ich bedenke, dass ich sonst drei Wochen am Stück unterwegs war, ohne große Ruhepausen oder gar Tage (wie ich ihn grade, am Samstag, einlege). Umso glücklicher, dass ich die Tage Nichtwandern mit dem Kayak umgehen konnte. Und auch der letzte Bootstag hielt für mich nochmal einen anderen Aha-Effekt bereit.

Doch erstmal morgens der Aha-Effekt: Wenn Sturm und Regen angekündigt sind, ist auch noch so jeder schöne Platz am See saubleed. Nicht nur wegen der starken Angreifbarkeit vom See-Wind, sondern vor allem, weil am nächsten Morgen alles aussieht wie Sau! Nasser Sand überall, Zelt klatschnass, der Regen hört und hört nicht auf. Naja, nach abwartendem Kaffee und Brötchen im Zelt, pack ich alles zusammen, zieh mein Kayak durchs Wasser direkt ans Ufer vor meinem Zelt, schmeiße das klatschnasse Zelt-Gedöns in den einen Staumraum und den Rest in den andren. Zusätzlich zum Müllsack erhält mein Rucksack auf dem Vordersitz die Regenhülle meines Rucksacks übergespannt, meine Luke bedecke ich mit meiner Regenjacke. Not macht erfinderisch 🙂

 

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Und auf geht’s – über die raue See! Das Unwetter von heute Nacht hat den Werbellinsee ordentlich aufgewühlt, der Wind pfeift um die Ohren, ein leichter Regen komplettisiert das Schauspiel. Ich kämpfe mich gegen die Wellen vorwärts (ok das klingt dramatischer als es war: keine der Wellen war nur ansatzweise so hoch wie der Rand des Kayaks und auch nur ansatzweise gefährlich ;)). Kurz überleg ich, ob es diesmal sinnvoll gewesen wäre, das Ruder ins Wasser zu lassen, aber die Steuerung rein über das Paddel funktioniert, wie in den letzten Tagen, eigentlich recht gut,  auch wenn es mehr Krafteinsatz erfordert. Ich versuche, in der Nähe des Ufers zu bleiben,  vergesse es aber ehrlich gesagt manchmal und wähle den direkteren Weg von Landzunge zu Landzunge.

Dachte ich vor dem Losfahren noch, boah das wird sicherlich nur anstrengend und ätzend bei dem Wetter, löst sich dieser Gedanke auf dem Wasser im Nu auf. Es macht auf eine ganz andere Art, wie das gemütliche Dahinpaddeln auf den Kanälen, richtig Fetz! Ich verstehe, warum bestimmt Typen von Menschen gerne auf der rauen, weiten See unterwegs sind. Zumindest ansatzweise: Ich fühle mich so eng an dieser archaischen Natur wie fast nie, fühle mich dieser Gewalt gleichzeitig ausgesetzt und so, als könnte ich sie für diesen einen Moment und für ein ganz minimal kleines Stück beherrschen. Sie gibt einen Energie und Ruhe, eine Weitsicht wie auch die Konzentration auf den Punkt. Ich liebe es. Daher ist die Überquerung des Werbellinsees für mich viel zu schnell vorbei (auch wenn mein linker Arm ganz froh ist).

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Nach zwei Stunden erreiche ich Elsnau (Joachimsthal), wo ich am Schorfheimer Yachtclub-Slipper anlegen darf. Hätte ich das gestern schon so einschätzen können (ich war von 3-4 Stunden mit Pause ausgegangen), hätte ich mir Sand und Wind vielleicht ersparen sowie Zeit und Kilometer gewinnen können. Andererseits wäre es spät geworden, ich hätte weiter laufen müssen und hätte erstmal gar keine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe gehabt. Und sowieso scheint das Motto der diesjährigen Tour zu sein, es mal mit mehr Ruhe angehen zu lassen 🙂

 

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Zeltverstauung deluxe! Dafür musste sogar mein Kleid für die Hochzeitsfeier von der Poleposition weichen – die Prioritäten sind eben klar gesetzt. 😀

Das mach ich auch. In Ruhe wird alles aus meinem lieb gewonnen Rainbow-Kayak wieder im  und am Rucksack verstaut, da holt Brigitte vom Naturcamp Triangel es auch schon ab und ich bin wieder auf meine Füße angewiesen. Die beweisen sich auf dem Waldpfad Richtung Joachimsthal als tüchtig und so steh ich nach gemütlichem Spaziergang in der Touristinfo, um mich dort nach Möglichkeiten zur Übernachtung (aufgrund des Nässe-Grades des Zeltes überlege ich, mir ein Zimmer zu gönnen, einen zu Fuß erreichbaren Campingplatz gibt es eh nicht und wild zelten bei erneut angekündigten Gewitter mag ich auch nicht) oder nach öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Norden zu erkundigen. Es war mir von Anfang an klar, dass ich durch den Abstecher aufs Wasser Kilometer verloren habe, aber besser als entweder gar nicht voran zu kommen oder alles mit Öffentlichen zu überbrücken.

 

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Back on track!

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Störche in Joachimsthal

Die Dame in der Info macht mir schnell klar, dass ich etwas naiv war. Ich bin in der Ferienzeit unterwegs, es ist dazu Wochenenden-Beginn und Joachimsthal und umgebende Ortschaften liegen am beliebten Berlin-Usedom-Radweg. Das bedeutet a) Übernachtung sieht schon mal schlecht aus und b) mit Öffentlichen komme ich nur zu bestimmten Orten (nicht wie im Ballungsraum Rhein-Main wo man zu fast jeder Tageszeit zu fast jedem Kaff kommt). Daher entscheide ich mich, auch aufgrund der Wetterlage und um meinen grade erholten Füßen nicht direkt wieder lange Strecken zuzumuten, den noch frühen Tag zur Überbrückung einiger Kilometer via Bus und Bahn zu nutzen (samstags hätte ich da eh noch mehr Probleme gehabt).

In Warnitz am Oberuckersee gibt es nämlich einen Campingplatz. Einen sehr schönen und günstigen sogar. Die Zeit zwischen Ankommen und erneutem Einsatz des Regens reicht sogar locker aus, um alle Zelt-Utensilien getrennt trocknen und etwas sauber machen zu können. Wäsche ist auch gewaschen und das WLAN hier lässt auch zu, dass ich meine bereits geschriebenen Blogbeiträge hochladen kann. Gute Entscheidung also – auch wenn ich bei erneuter Kontrolle meiner Wanderkarte festtelle: Ich bin „zu weit“! Witzig! Von „die Strecke schaffe ich nicht komplett zu Fuß“ zu „ich brauch bis Lübbenow nur noch zwei, nicht drei Tage“ in einer Stunde Bus- und Bahnfahrt 😉

Erst ärger ich mich, dann freu ich mich. Der abends einsetzende Regen (von dem fiesen Gewitter allerdings keine Spur) hört nämlich auch samstags nur sporadisch auf. So kommt mir der Ruhetag gelegen, wenn auch seltsam vor. Aber zwei Übernachtungen draußen irgendwo (Zeltplätze gibt es keine mehr auf dem Weg), das muss bei der Wetterlage nicht sein, vor allem wenn man die Strecke im zwei statt drei Tagen bewältigen kann (glaube ich zumindest jetzt noch, haha).

Das heißt aber auch: Nur noch zwei Tage wandern! Dann bin ich schon wieder an meinem Ziel angekommen. Krass.

Gepaddelte Kilometer: ca. 8 km

Gelaufene Kilometer: ca. 4,5-5 km

Motto des Tages: Hauptsache in Bewegung

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