Donnerstag, 10. August, Tag 6: Ein Zelt, das auf die Probe gestellt wird

Es sollte ein entspannter Tag mit kurzzeitig beklemmenden Mittelteil und stürmischem Ende werden. Dabei war mir das Wetter – wie die ganze Tour schon – hold, nachts hat es sich ausgeregnet; nach 33,5 Tropfen, die mich im Boot erwischten, dann auch endgültig kein Regen mehr. Bis zum späten Abend, die Nacht wurde zu Probe für mein Zelt.

Aber der Tag verlief wirklich ruhig. Nachdem ich erstaunlich gut und friedvoll an meinem privaten Zeltplatz geschlummert hatte, war mein Kram schnell verpackt und verstaut – am längsten brauchte ich für das Absammeln und Drumherumlaufen der Nacktschnecken. 😉 So fühlte ich mich trotz früher quitschfidele und rundum vergnügt. So war ich zwar überrascht, dass keine 300 Meter weiter, hinter der nächsten Kurve, schon die nächste Schleuse wartete, aber es störte mich nicht, dass ich so früh dran war, so dass ich eineinhalb Stunden auf die Schleusenöffnung warten musste. Frühstück hatte ich eh für diese Schleuse geplant.

 

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Glücklich! Nacht überstanden & genossen, Regen fast weg, los gehts!

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Sonne kommt schneller als ich dachte, der Kanal zeigt sich von seiner schönsten, natürlichsten Seite

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Mein Rucksack immer schön in einem Müllsack wasserdicht verpackt auf dem Vordersitz mitreisend, zusammen mit meinem treuen, fest angebundenen Wanderstock

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Da fährt mein morgendliches Schauspiel davon zu seiner Arbeit

Außerdem kam ich mir fast vor wie ein Zuschauer eines (simpel konstruierten) Theaterstücks: Zwei Kähne der Wasserwacht, einer mit Bäumen beladen, der andere mit schwerem Gerät,  wurden in Betrieb genommen. Die Seemänner wuselten rum, rufen sich derbe Sachen zu – fast wie daheim auf Arbeit ;-D Dann, als die Schiffe abgelegt hatten, kamen zwei: der übergewichtige Chef mit seinem Lehrling, fast wie bei Werner Beinhart! Die trimmten den Rasen um die Schleuse, pusteten die Wege sauber, fuhren wieder. Kurze Zeit später kam der Schleuser, und auch meine beiden Werner-Helden fuhren wieder vorbei. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass wohl einer von ihnen seinen Helm hat liegen lassen. Das gab natürlich gleich Anschiss für den Lehrling – ich sag ja, wie auf Arbeit 😀

Die beiden Komiker traf ich auch an den folgenden Schleusen und tatsächlich waren sie mir eine große Hilfe. Der typisch vor sich hin schlappmaulende Chef, während Lehrling Werner sich hinten die Kippe dreht, konnte mir nämlich berichten, dass es einen Verbindungskanal zwischen dem Finow- und dem Werbellinkanal gibt, so dass ich mir weite Strecken (sicher 4-6 km) sparen konnte. Dieser ältere Kanal war gerade wohl erst wieder für kleine Boote frei gegeben worden,  das bestätigte mir dann auch der letzte Schleuser.

Sehr schön, hatte sich das Thema, wie ich vom Kanal zum Zielort am Werbellinsee gelange (navigier mal mit ner Wanderkarte auf dem Seeweg), auch wie von allein gelöst. Der Verbindungskanal war dazu wunderschön, ich konnte die Wasserpflanzen bis zum Boden hin sehen, und als die Gegenströmung ein wenig nachließ, ließ ich mich kurz mit der Sonne im Gesicht treiben.

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Auf dem Finowkanal (unter Marienwerder) hätte ich weiter nach Westen (also links aus der Karte raus) fahren müssen, um dann letztendlich auf dem Oder-Havel-Kanal wieder zurück nach Osten fahren zu müssen. Dort geht, oberhalb von Marienwerder, der Werbellinkanal über die beiden kleinen Seen hoch zum Werbellinsee.
Der kleine Verbindungskanal nach der Ruhlsdorfer Schleuse (auf der Karte am Pferdehof vorbei) hat mir also zähe Kilometer gespart.

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Treiben lassen mit Sonnenschutz auf dem Verbindungskanal

Das war gut, denn dann wurde es kurz anstrengend: Bei der Überquerung des Oder-Havel-Kanals musste ich Gas geben, um gegen die Querströmung anzukommen und dem Berufsverkehr nicht im Weg zu sein. Kurze Zeit später, im Werbellinkanal, nahm ich dankbar zur Kenntnis, dass ich stets auf so kleinen Kanälen unterwegs war und noch sein werde. Der breite, schnurstracks geradeaus führende Oder-Havel-Kanal mit seinen monströsen Schiffen – das hätte mir keinen Spaß gemacht. Der Werbellinkanal dagegen ist fast noch idyllischer als auf dem Finow, noch mehr unbefestigtes Ufer und kleine Holzbrücken. Es gibt zwei selbstautomatische Schleusen.

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Ein Schwan mit ihren acht Jungen! ❤

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Bei der zweiten bin ich alleine und habe etwas Probleme…ja ok, weil ich auch bei roter Ampel schon eingefahren bin…aber die Schleuse war leer und sah so, naja, fertig geschleust aus…konnte ja nicht wissen, dass eine zu frühe Einfahrt einen Fehler im Sytem verursacht…ächem hust…kommt nicht wieder vor! War ganz schön unheimlich, alleine in die Schleuse eingesperrt zu sein und nix ging. Die Quittung hatte ich mir also schon selbst gegeben. Auch das Aussteigen aus dem Kayak auf die Mettalleiter in der Schleusenwand war mir nicht ganz geheuer, aber am End – dank der Hilfe eines Passanten und der Rufsäule zum Hafen – haben sie mich wieder frei gelassen 🙂

Und schwups war ich auch schon vom Kanal in den See gekommen! Die Wellen machten das Vorankommen schon schwerer, aber es war noch kein großer Wellengang und es war schön, mal auf was andrem zu fahren. Ich beschloss trotz der frühen Uhrzeit (ca 15 Uhr) einen Campingplatz anzusteuern. Ich musste ja nur noch über den See bis zum vereinbarten Treffpunkt (Boot-Abholung) und wollte mir lieber nicht den Kraftakt heute noch geben und dann ja noch zu Fuß weiter, um irgendwo zu nächtigen. Außerdem musste mein Kopf mal aus der Sonne raus… Die schien heut nämlich echt recht ordentlich, gena wie gestern den ganzen Tag. So gut! Gut war auch der Stellplatz, den ich mir für mein Zelt wählen durfte: Direkt am Strand, zwei Meter vom Wasser entfernt. Geil! Das erwies sich abends leider als nicht ganz so clever.

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Platz am Meer… Ok am See, aber es fühlt sich nach Weite an.

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Freche Krähen, aber auch unheimlich clever wenn es um Nahrung geht

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Das Unwetter kündigt sich rotglühend an…

Da kam es nämlich wirklich, das so lange angekündigte Unwetter. Und zwar vom See her volle Breitseite gegen mein armes, kleines Zelt! Ich lag auf der Wind abgewendeten Seite und betete, dass Heringe und die Stangen den permanenten Starkwinden standhalten, vor allem aber auch die extra Sturmböen verkraften würden. Einmal musste ich den Hering am vorderen Eingang wieder in den Sand drücken, sonst hielt es dem Unwetter aber tapfer stand! Geniales Zelt eben 🙂 Nur ein wenig nass war es in einer Ecke geworden, wo das Außenzelt zu lang zu arg gegen das Innere gedrückt wurde. Aber das war sehr viel weniger als ich zwischendurch befürchtete – Bewährungsprobe mit Sternchen bestanden!

Gepaddelte Kilometer: 15-16 km

Motto des Tages: Ich bin ein Star, holt mich hier raus! 😉

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