Winterwanderwildzelten letzter Teil

Ich hoffe, diejenigen nicht zu enttäuschen, von denen ich all die schönen, motivierenden Kommentare und positiven Reaktionen auf die Beschreibung der letzten zwei Tage gelesen habe. Aber – diesmal war meine Tour nur als 3-4 Tage-Testlauf geplant. Und so ist es auch geworden: 3 Tage wandern, 2 Tage Zelten. Daher ist es ein Ende ohne Schmerz 🙂 Aber vor dem Ende kommt der Anfang…

Wie war also die zweite Nacht „wild zelten“? Ich habe im Laufe des Tages von verschiedener Seite gehört, dass es in der Nacht von Montag auf Dienstag mächtig abgekühlt hat. Ach ja? Der Kälte lach ich ins Gesicht! 😉 Ok, vielleicht lag es daran, dass ich eine Fleecejacke angelassen hab… Aber mit Sicherheit auch daran, dass mein Zelt halbwegs im Wald stand, nicht auf offenem Feld. Wind adé sag ich nur!

Mal ehrlich: Ich hätte die Nacht auch bibbernd ausgestanden, um den Anblick genießen zu können

Mal ehrlich: Ich hätte die Nacht auch bibbernd ausgestanden, um den Anblick genießen zu können

Hatte ich Ansgt? Jap, einmal – als ich ganz deutlich die grunzenden und schnaufenden Laute einer Wildsau ziemlich dicht an der Zeltwand hörte. Überall hier war die aufgewühlte Erde der Schweinschen zu sehen, also war ich mir dessen schon bewusst. Da ist es gut, dass ich nach all meinen Umwegen der letzten Wanderungen echt geübt darin bin, mir selbst gut zuzureden: Die tun dir nix, die Schweine, die sind verwirrt, warum das irgendwas im Weg rumsteht, wo sie hier einfach nur suhlen und vielleicht noch ein Häppchen schnabulieren wollen vor dem Schlafen gehen, die tun dir nix, du tust ihnen ja auch nix…

Das klappt sehr gut, kurz darauf hör ich Getrappel und ich liege wieder entspannt da, das Pfefferspray losgelassen. Ok, das klingt dramatischer als es war, den Rest der Nacht nehme ich die Geräusche des Waldes wohl war, aber bange ist mir kaum. Kaum friere ich wie gesagt auch, aber die Hüften und die Knie, ich sag’s euch: Die freuen sich darüber, dass es wieder heimgeht. 😉 Und mit jedem Kaffee am Morgen, jedem getrunkenen Schluck Wasser und jedem Stück gefutterten Brot wird der schwere Rucksack ja auch etwas leichter.

Leicht beschwingt laufe ich so auch los, die Himmelsleiter genannte Treppe wieder hinab nach Büdingen, um von dort aus den Hang Richtung Breitenbrun zu erklimmen. Ein kurzer steiler Anstieg bringt mich ins Schwitzen, doch dann läuft es sich in strahlender Sonne einfach nur lässig.

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Es geht durch den herrlich herbstlich hellstrahlenden Büdinger Wald Richtung Thiergartenweiher. Noch laufe ich auf einem ausgeschilderten Wanderweg, aber der geht irgendwann weiter südlich, und ich will eigentlich nach Osten – positiv hoffe ich einfach mal, dass der nächste Wanderweg (laut meiner Karte ein numerierter Hessenweg) ausgeschildert ist. Oder Breitenbrun ausgeschildert ist. Oder ich jemanden treffe, der sich auskennt… Wird schon!

Wanderwegezeichen. yeah!

 

 

 

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Ein Stück Brot, en Kaas, und dieses Fleckchen Erde. Was will man mehr für eine Pause?

Ein Stück Brot, en Kaas, und dieses Fleckchen Erde am Thiergartenweiher . Was will man mehr für eine Pause?

Gestärkt geht es weiter, Gott sei Dank, denn es folgt ein sich sehr lang ziehender Anstieg. Gut, irgendwann geht es ja immer bergauf, nicht wahr 😉 Auf dem Weg nach oben begegne ich einem Vater mit seinem Sohne, die nach Jägerfamilie ausschauen und mich nach meinem Gepäck fragen. Ich würde nach Jakobsweg aussehen, liegt wahrscheinlich an dem Wanderstab meiner Großeltern, der mich wieder begleitet. Ich erzähle, dass ich mit Zelt unterwegs bin und warum. Am Ende sagt der Vater: „Ei joa, das glaub ich, am End nach der ganze Anstrengung, da is man ma wieder geerdet.“ Und die beiden ziehen weiter, ich lächelnd auch, Anstieg was soll’s!

Jetzt kommt der Part, wo ich normalerweise erzähle, dass ich die Abzweigung vom Wanderweg natürlich nicht gefunden und mich verlaufen habe. Ha! Diesmal, liebe Freunde, checke ich tatsächlich, dass die Kreuzung gekommen ist und schaffe es mit Wanderkarte und einem kleinen Kompass, mich den richtigen Weg hinauf zu navigieren. Einem umarkierten wohlgemerkt. Das ist für manch andere vielleicht nichts besonderes, ich freu mich aber wie ein Keks, dass ich den Weg gefunden habe, den ich nehmen wollte und das nicht nur einmal: In dem Waldabschnitt ist tatsächlich nur einmal eine Markierung zu finden, ein kleines Schild weist nach Breitenbrun, und von da an folge ich der Sonne. Ich lerne doch mit jeder Wanderung dazu, yes!

Kleine Wege und ... ... seltsame Schilder.

An einer Stelle, wo ich mich aufgrund der Sonne wieder für eine Himmelsrichtung entscheide, kommen mir vier Wanderer entgegen: Drei Männer, eine Frau, alle so um die 65 schätzungsweise. Sie fragen, ob ich auch nach Breitenbrun will, ich bejae – und bin verwirrt. Denn sie kommen mir entgegen und wollen auch in den Ort. Aber schnell ist geklärt, dass sie selber auch nicht genau wissen, wo lang, und daher trauen wir meiner Karte und meiner Erklärung (jeder der mich kennt, wird laut aufschreien: Nein, glaubt ihr nicht! Sie kann zwar überzeugend sagen, wo es lang geht, aber meist ist es falsch!). Wir laufen also zu fünft weiter hinab, und siehe da: Wir kommen an! (bäm!)

Bis dato ist es halb drei und wir haben schon allerlei Geschichten über das Wandern und das Leben ausgetauscht. Meine Beine sind müde und daher bin ich recht leicht zu überreden, mit der kleinen Wandertruppe auf einen Kaffee in den nächsten Ort zu fahren und danach nach Wächtersbach. Dort wollt ich eigentlich hinlaufen, aber weitere 15 km standen gegen Kaffee und Stückchen… 🙂 Dazu lud mich einer der Wanderer, der Horst, auch noch ein, ehrlich, die Menschen, denen ich auf meinen Wanderungen begegne, sie sind einfach herzensgut. Diese Hilfsbereitschaft untereinander, das mit Fremden reden und Erlebnisse teilen, unerwartete Ereignisse und unvoreingenommene Hilfe einfach zuzulassen – das ist es, was mich immer wieder aufs neue fasziniert, und weswegen ich immer wieder loslaufe.

Und so endete mein erster Winderwanderwildzelten-Trip, der Zug bringt mich von Wächtersbach heim nach Frankfurt. Horst, der für ein Kinderhospiz arbeitet, schenkt mir zum Abschied noch eine CD mit Weisheiten und Geschichten. Einfach so. Und wer weiß, vielleicht kann ich ihn bei seinem Charity-Lauf für das Hospiz im nächsten Jahr unterstützen. Wer weiß…

Hat es sich gelohnt, im Winter mit dem Zelt aufs Geratewohl los zu marschieren? Aber hallo, und wie!

Hat es sich gelohnt, im Winter mit dem Zelt aufs Geratewohl los zu marschieren? Aber hallo, und wie!

 

 

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2 Kommentare

  1. Hey du! Mir ist gerade wie im Geistesblitz dein Blog wieder eingefallen und musste ihn gleich kräftig durchstöbern, habe prompt unfassbare Lust bekommen, am besten gleich morgen, wieder loszuziehen. Schön zu hören, dass du dich auch ans Wildcampen wagst. Ganz liebe Grüße Mirco (vom Westweg damals 😉

    1. Hey Mirco, was ein schöner Zufall, dass du gerade nach der Wildzelten-Aktion wieder auf meiner Seite vorbeischaust 🙂 Freut mich sehr von dir zu hören und hoffe, du hast auch schon weitere tolle Touren nach dem sehr coolen Westweg in deinen Rucksack gepackt, lieben Gruß zurück an dich und Lisa!

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