Ein neuer Abschnitt – und blutige Nasen

Heute hat ein neuer Abschnitt begonnen. Dem sehe ich mit einem lachenden und einem wehmütigen Auge entgegen… Wehmütig, weil ich es vermissen werde, nach MEINEM Weg zu suchen. Vermissen werde, mir auszusuchen, wolang ich gehe und bis wohin. Ja, ich werde sogar – oder grade das – vermissen, falsch zu laufen, Umwege zu gehen, Leute nach dem Weg zu fragen und tolle Bekanntschaften zu machen. Warum werde ich das vermissen? Weil ich seit heute dem Westweg folge. Der führt direktement von Pforzheim bis Basel, und ist sackre gut ausgeschildert.

Gut, wir wissen, bei mir ist all

es möglich, daher glaub ich erst daran, wenn ich wirklich ohne Verlaufen in Basel ankomme. 😉 Aber grundsätzlich dürfte es ab jetzt einfacher werden, die Landschaft dabei immer schöner und bergiger (der Schwarzwald immer tiefer) und darauf freu ich mich tierisch! Und ich bin mir sicher, auch hier tollen Menschen zu begegnen. Trotzdem markiert für mich der neue Abschnitt einen kleinen Abschied von der letzten, meiner ersten Woche – acht Tage, in denen so viel schönes passiert ist.

Da ich aber immer positiv in die Zukunft schaue (Leben ist Veränderung, hat eine Freundin zu mir gesat) und das fällt mir bei den Wetteraussichten, dem extrem lustigen Abend beim Theater des 1. FC Kieselbronn und der Aussicht, dass heute zwei meiner besten Freunde ausFrankfurt mit mir die erste Etappe des Westwegs begehen werden, auch nicht schwer. 🙂

Kerstin und Matze kommen mit dem kleine  Kampfhund (oder war es doch Schoßhund?) Bily nach Pforzheim, auch meine Gastgeber Marc und Tina laufen zusammen mit einem guten Freund, dem Stefan, mit – zusammen lässt es sich auch viel schöner allein sein. Die Sonne lacht, ich lache, die Goldene Pforte, die den Beginn des Westwegs markiert, lacht auch. Und dann gehts um Elfe rum los, direkt eine Steigung in den Wald – ich bin froh ob der klugen Entscheidung, direk die kurze Hose angezogen zu haben 🙂

Der Weg führt uns Sechse plus Hund auf etwas umständliche Art aus der Stadt hinaus, so dass Anfangs einige Straßen gequert und Kämpfe mit entgegenkommenden Hunden ausgefochten werden müssen. Nach etwas über einer halben Stunde schmälert sich unsere Truppe (Minus 2), das schmälert aber keineswegs die Glückseligkeit von uns Frankfurtern und Stefan, der uns zum Teil barfuß und mit einem schönenWanderstock aus Holz bis zum Ende begleitet, ja, erhalten bleibt muss ich scho fast sagen.

Umso höher die Sonne steht – und der Schweiß in Strömen fließt – umso tiefer gelangen wir in denWald, Straßen und Autos werden seltener. Wir laufen idyllsch an der Enz entlang, Bily legt ab und zu Sprints zwischen uns ein,  bis wir gegen 13 Uhr an der alten Ruine des Schloss Neuenbürg ankommen. Es ist ultraschön hier, eine grüne Wiese im alten Schlosspark grinst uns gradezu an, außerdem haben wir mit rund 11 Kilometern schon fast die Hälfte der Etappe geschafft – also schalten wir einen Gang runter und fläzen uns ins Gras in die Sonne.

Meine Freunde sorgen sich gut um mich und haben allerlei Köstlichkeiten zum Mittag mitgebracht. Fast eine Stunde bleiben wird hier  – warum auch nicht? Ich fūhle mich extrem wie Urlaub und das bleibt auch so den ganzen Tag. Was davor Reise war, ist jetzt Weg, was vorher Laufen, ist jetzt Wandern. Und auch das fühlt sich gut an.

Der Westweg hält, was er verspricht: Schöne Waldwege, Ausichten über die Anfänge des Schwarzwaldes und eine Eins A Ausschilderung… Wir treffen viele Biker, zumindest einer ist aber auch davon begeistert, dass wir den Westweg wandernd erkunden wollen. Ich bin gespannt, wie es auf dem Wanderweg nächste Woche sein wird, wenn das Wochenende vorüber ist…

Neben einer doofen Druckstelle an der Ferse (den Rucksack merke ich übrigens kaum noch, voll gutes Training, ey!), handle ich mir nur einen Stein im Schuh ein. Als ich von der Schuhrumzieherei wieder nach vorne schau, kommt Stefan mit der Hand auf die Nase geresst auf mich zu: „Ich glaub, jetzt hab ich was Blödes gemacht…“ Jaaaaaa…

Das hat er schon irgendwie richtig eingeschätzt – seinen Wanderstock zu balancieren und so hochzuwerfen, dass er nicht in der Hand, sondern schön auf dem Nasenbein landet, ist vielleicht nicht das G’scheitste. Es blutet auf jeden Fall wie Sau, doch trotz aller Sorge und kleinem Schock, freu ich mich insgeheim ein wenig: Hab ich doch vor Reisebeginn ein kleines Erste Hilfe-Set gkauft, das jetzt endlich zum Einsatz kommen kann. 😉 Doch die Blutung endet nach einiger Zeit drufdrügge und Stefan will weder Klammer- noch normales Pflaster. Eijo, ist auch besser so: Wenn ich was umsonst mitgenommen hab, dann gerne das!

Wir können aber munter weiterlaufen und kommen um kurz vor 17.30 Uhr in Dobel, dem Etappenziel an. Das Gasthaus Linde ist schnell gefunden (einen Campingplatz gibt es hier nicht) und das Belohnungsweizen auf der Terrasse bei untergehender Sonne ebenso schnell getrunken. Urlaub.

Motto des Tages: Freunde, Sonne, Honiglikör – welcome Westweg!

Geschafft: 23,62 Kilometer, 4 h 50 min Aufstieg 740 m, Abstieg 290 m. Goldene Pforte am Kupferhammer – Gasthaus Zur Linde Dobel.

Meine Begleiter :)

Meine Begleiter 🙂

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Ein Kommentar

  1. Wow, knapp 24km in knapp 5 Std?! Stolzes Sümmchen (zumindest mal für jemanden, also mich, der vom wandern, leider, keine Ahnung hat)!! Und dann noch einen Schlafplatz im Gasthof…Super!!! Wobei sich Kerstin ja eigentlich schon auf eine Nacht im Zelt gefreut hat…aber nach so einem Marsch ist man bestimmt für ein weiches, gemütliches Bett sehr dankbar.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß bei dem schönen Wetter in toller Natur…und Grüße an Deine Begleiter!

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