Richtiger Outdoorer ist nicht derjenige…

 

…der sich nicht verläuft, sondern derjenige,  der immer wieder auf den Weg zurück findet. Oder: Heiko und Hanna auf der Suche nach dem E1.

 

Ich sitze hier über Eichelberg in der Sonne und mache ganz gemütlich Mittag in der Sonne, nachdem ich dem gut beschilderten Odenwald Hauptwanderweg 44 und letzendlich einem alten bekannten, dem Main-Stromberg-Weg etwa 16 Kilometer gefolgt bin. Und da muss ich doch über gestern wieder den Kopf schütteln! Aber ich bin euch die ganze Geschichte schuldig, pass auf:

Mit dem Bus fuhr ich von Heidelberg nach Ziegelhausen, wo mein (Ex-, aber das hört er nicht so gern) Arbeitskollege Heiko wohnt, der den Dienstag mit mir gen Süden laufen wird. Nach guter Brotzeit geht es direkt auf den Europäischen Fernwanderweg E1. Das war der Plan, dem zu folgen. Bekanntlich scheitern meine Pläne gern.

Kollege Heiko vor seinem Haus.

Kollege Heiko vor seinem Haus.

Anfangs lief es ganz hervorragend an: Die Sonne lachte uns hinter ein paar Wolken ins Gesicht, der E1 fing direkt in der Stadt an und führte uns hinein in den Wald. Und zwar erstmal nur den Berg rauf, so an die 3,400 Höhenmeter. Am Ende waren wir zwar nicht auf dem Königsstein, aber auf 500 Metern – und gut warm. Heiko konnte an dem Tag erleben, wie ich mir ständig Sachen an- und wieder auszog, naja, das Wetter war aber auch wechselhaft!

Genau wie der E1, der ab der Kreuzung auf dem Berg einfach nicht mehr auffindbar war. Wo auch immer wir ihn verloren haben – ein bisschen peinlich ist uns Redakteuren einer Outdoor-Homepage  das natürlich schon – es war echt verzwickt, ihn wiederzufinden, und auf ihm drauf zu bleiben! Gleiches Spiel hatten wir nach dem ersten, einige Kilometer weiten Umweg noch einmal. Und ehrlich,  das ist eine Aufforderung an den Odenwald e.V.: Bitte bitte bitte, geht den E1 ab Heidelberg noch mal ab. Es geht nicht! Wenn ihr es nicht tut, hat Heiko angekündigt, mit einem Farbeimer los zu marschieren…

Aber von all dem, neben Wegesucherei hagelt es zwischendurch, kommt mal Wasser, mal Regen, mal Sonnenstrahlen auf uns hinab, lassen wir uns nicht die Laune verderben. Und finden nach einem gemütlichen Platz auf einer Bank am Feldrand und einer Kletterpartie    über einen Waldhang auch den E1 zum x-ten Mal wieder. Eben doch echte Outdoorer 😉

 

So um halb 3 und nach nicht ganz runden 20 Kilometern, verabschiedet sich Heiko Richtung Meckesheim. Die Tränen aus dem Augenwinkel gewischt und voran!, denke ich. Aber ich habe die Rechnung ohne den E1 gemacht. Keine 5 Minuten später bin ich wieder lost in Space, langsam mache ich mir Gedanken, ob ich je in der Schweiz ankommen werde… Aber ich schiebe es auf das weiße X, das mich entweder auf einen Hof oder auf einen von zwei Ackerwegen schickt. Ich entscheide mich für einen, der definitiv kein Wanderweg ist, aber die Richtung passt. Und bisher habe ich immer Leute getroffen, die mir weiterhelfen konnten.

So auch jetzt, nach dem Acker komme ich in den Eichwald und treffe auf ein älteres Ehepaar mit Enkelin,  die mir den Weg weisen. So verkehrt bin ich nicht, 15 Minuten später hat mich der vermaledeite Weg wieder. Oder ich ihn. Der nervt wirklich, deshalb beschließe ich an einer Kreuzung, den Europaweg zu verlassen und mich weiter östlich zu orientieren. Was sich als großartige Entscheidung herausstellen sollte.

So gelang ich nicht nur zu einem Hof, an dem ich mein Wasser auffüllen durfte, sondern auch nach Balzfeld, einem ländlichen Dorf. Schon ein Städtchen vorher hatte ich angefangen,  Leute nach einer Unterkunft, egal ob Pension oder mit Zelt, zu fragen. Von der Wanderkarte wusste ich schon, dass Campingplätze hier keine Institution sind. An einem Spielplatz beziehungsweise Jugendzentrum traf ich dann wieder einer jener Menschen, die mich meine Reise nicht nur als Wanderung erfahren lassen.

Nicole mit ihren Kindern überlegte nicht lange, sondern bot mir ihren Garten als Platz für mein Zelt an. Ich freue mich riesig, fünf Uhr ist schon vorbei, und folge ihr 5 Minuten um die Ecke zu ihrem idyllischen Haus, dessen Garten ich mir mit einem Hasen teilen darf. In keinen zehn Minuten ist das noch nasse Zelt aufgebaut, da kommt die Hausdame schon mit einem Teller Suppe und einem Kaffee. Was für ein friedvoller Abschluss eines eher chaotischen, wenn auch zauberhaften Tages. Nach der Stärkung darf ich das Bad und ihren PC kurz nutzen, und ich quatsche noch eine Weile mit Nicole, ihrer Mutter – die bald ein Teil den Jakobsweg laufen will 🙂 – und ihrem Mann Stefan. Ein schöner Abend, an dem ich wieder so viel Nächstenliebe erfahren durfte, und echtes Interesse. Ganz erfüllt krieche ich in meinenSchlafsack und schlafe trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt einigermaßen gut. So kann meine Tour weitergehen.

Merke: Irgendwo findet man immer wieder zurück auf den richtigen Weg.

Geschafft: 28,06 Kilometer, 5 Stunden 38 Minuten. Heikos Haus Ziegelhausen – Balzdorfer Garten.

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2 Kommentare

  1. Hehe, „Die Tränen aus dem Augenwinkel gewischt und voran!“ – Lieblingssatzpotential 🙂 Bleibe gespannt auf deine Wander-Abenteuer! Liebe Grüße aus Hamburg

  2. lauf weiter, hanna

    der e1 is wahrscheinlich genau so „verzwackt“, wie die europa-politik 😀
    aber man muss dem ja auch nich folgen, kompass is gut 😉

    hi heiko 🙂

    ist der main-stromberg-weg gut? ist das ein weg, den man gehen sollte?

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